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Alt 01.02.2003, 01:07
TM
Gast
 
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Standard RE: Weisse pünktchen

>Ich habe bei einigen tauben kleine weisse pünktchen in
>oberen teil der schnabel entdeckt.Sie sind 1 bis 2 m.m.
>gross und vielleicht etwas
>durch sichtig.Was ist es für krankheit? Ich denke dass meine
>tauben trotzdem ganz gesund sind.
>
>Bengt


Um Pünktchen im Rachen ging es schon einmal in diesem Forum, allerdings sind seitdem ca. 2 Jahre vergangen. Normalerweise verweise ich in solchen Fällen auf den früheren Beitrag und die Sache ist für mich erledigt: schließlich reicht es ja, in einem Forum eine Frage nur einmal zu beantworten. Da aber Verweise zur Recherche im Archiv des Medizinforums meistens nicht viel bringen (die Züchter schreiben mir 1-2- Tage danach privat, dass sie damit nicht zurecht kommen) habe den damaligen „Pünktchen“-Beitrag für Sie aus meinem privaten Archiv herausgesucht. Es ist zwar eine etwas längere Geschichte aber sicherlich für den einen oder anderen nicht uninteressant.

Zu Ihrer Frage (Was ist es für Krankheit? ): die möglichen Ursachen können Sie dem folgenden Beitrag entnehmen.

Zu Ihrer Äußerung ( Ich denke dass meine Tauben trotzdem ganz gesund sind. ): ja, Ihre Tauben können trotzdem gesund sein, wobei ich mit „ganz“ etwas vorsichtiger umgehen würde. Ich schätze, dass nahezu 80% der Züchter festen Glaubens sind, ihre Tauben wären „ganz“ gesund; Das böse Erwachen kommt meistens schon mit der ersten, spätestens aber mit der 5.-6. Preisliste.
Wenn Sie mit „Gesund“ den körperlichen Zustand meinen, der sich weder auf die Reiseleistung noch auf die Zuchtfähigkeit auswirkt, könnte Ihre Aussage stimmen – schließlich gibt es ja nicht nur kranke Tauben!

Im streng medizinischen Sinne sind die Tauben, die diese Symptome aufweisen, natürlich „nicht Gesund“, weil an der von Ihnen beschriebenen Stelle sich keine weiße Punkte irgendwelcher Art zu befinden haben.

Sie sollten daher bei der Reisemannschaft bis gegen Ende Februar abklären lassen, um was es sich für Pünktchen konkret handelt, um eventuell noch rechtzeitig eine Behandlung durchführen zu können.

[/b]Hier der Beitrag aus dem Archiv.[/b]

[/u]Frage: Herpesviren[/u]

Am 23.05.2000 bekam ich von einem Züchter und Stammtischteilnehmer eine Anfrage per E-Mail zugeschickt. Da die Angelegenheit von allgemeinem Interesse sein könnte, habe ich mich entschlossen, den Sachverhalt allen Stammtischteilnehmern zugänglich zu machen. Da die Frage persönlich an mich gestellt wurde und nicht öffentlich über den Stammtisch, habe ich alle Angaben, die auf den Absender schließen lassen können, durch „X“ bzw. „Y“ ersetzt.

Die Anfrage vom 23.05.2000

wollte mich nur mal persönlich bei Ihnen für das zugesandte Prospekt (Zusatz) zu Ihrem Buch bedanken. Des weiteren möchte ich Ihnen noch einmal danken, daß Sie trotz diesen, man muss schon sagen, blöden Beiträgen weiterhin im Stammtisch mit Rat und Tat den Züchtern zur Seite stehen.
Ich hätte da nur noch eine Frage die mich zwar nicht selbst betrifft, die mich doch sehr nachdenklich gestimmt hat. Dazu muss ich nur etwas ausholen damit ich das auch richtig beschreiben kann.
Ich war gestern zwecks einer Routineuntersuchung bei meinem Tierarzt Dr. „X“ in „Y.“ Da war zur gleichen Zeit ein anderer Züchter dessen Tauben hatten laut Dr. „X“ Herpes. Ich konnte mir die weißen Bläßchen im Rachen der Tauben selbst ansehen. Ich wollte jetzt nur Sie mal fragen wodurch Herpes bei Brieftauben überhaupt entstehen kann und natürlich auch womit man das behandeln kann.
Haben Sie schon mit Herpes bei Brieftauben in Ihrer Klinik zu tun gehabt? Herr Dr. Mohr ich möchte nicht das Sie sich verpflichtet fühlen mir auf diese Fragen zu antworten, möchte auch wirklich nicht Ihre bestimmt kurz bemessene Zeit groß in Anspruch nehmen. Antworten Sie bitte nur wenn es Ihnen zeitlich passt. Würde mich trotzdem freuen wenn es Ihnen möglich wäre, wenn nicht kommen deswegen von mir auch bestimmt keine "..." Beiträge.


Antwort

Sehr geehrter Herr „X“,

ich bedanke mich für Ihre Nachfrage. Gleichzeitig möchte ich mich bei Ihnen für die verspätete Antwort entschuldigen. Wir sind aufgrund beruflicher Überlastung nicht dazu gekommen, den Beitrag für Sie fertig zu stellen. Vor allem in der Reisesaison halten wir so gut wie an jedem Wochenende in irgendeiner RV einen Vortrag, so dass die Wochenenden für das Erledigen der Korrespondenz ausfallen. Da wir die Vorträge für Brieftaubenzüchter unentgeltlich halten, sind wir meistens für den ganzen Sommer ausgebucht.
Als „Entschädigung“ für die Wartezeit haben wir die Antwort ausführlich gestaltet und hoffen, damit Ihre Fragen Ihren Erwartungen entsprechend beantwortet zu haben.

Der Erreger
Der Erreger der infektiösen Ingluvitis (so der medizinische Name der herpesvirusbedingten, ansteckenden Rachen- und Kropfentzündung) und der ansteckenden Taubenparalyse (Enzephalomyelitis) ist das Tauben-Herpesvirus (THV1 bzw. THV2). THV1 ist vor allem für Entzündungen im Kropf-, Rachen- und Augenbereich verantwortlich, THV2 für die Taubenparalyse (Taubenlähme).
Die Virusstämme, die bei Tauben Kropf- und Rachen-Entzündung verursachen, unterscheiden sich hinsichtlich verschiedener Eigenschaften von den Virusstämmen, die bei anderen Vogelarten vorkommen (z.B. der Marekschen Krankheit der Hühner).

Die Übertragung
Erwachsene Tauben scheiden das Virus mit dem Speichel, dem Kot und vor allem mit der Kropfmilch aus. Durch die ausgeatmete Luft können Herpesviren ebenfalls übertragen werden, vor allem unter Bedingungen, wie sie während des Transportes zum Auflaßort zu finden sind. Grundsätzlich gilt: je größer die Besatzdichte desto größer die Ansteckungsgefahr. Der größten Ansteckungsgefahr sind parasiten- oder bakterienbefallene Tauben ausgesetzt, die mit virusausscheidenden Tauben in der selben Box eingesperrt sind. Auch eine zurückliegende Kortisonbehandlung kann die Ansteckung mit Herpesviren noch über Wochen hinweg erleichtern.

Unter normalen Schlagbedingungen ist der Hauptübertragungsweg das Füttern der Nestlingen mit Kropfmilch. Durch das Schnäbeln und die Aufnahme von virushaltigem Trinkwasser (z.B. im Kabinenexpreß) kann das Virus ebenfalls übertragen werden. DIE ÜBERTRAGUNG ÜBER DAS TRINKWASSER IST SO GUT WIE IMMER AN DIE ÜBERTRAGUNG VON TRICHOMONADEN GEBUNDEN. Das Virus selbst behält im Trinkwasser seine Ansteckungsfähigkeit nur für sehr kurze Zeit und würde unter den in der Schlagtränke herrschenden Bedingungen kaum übertragen werden können. Trichomonaden, die von Tauben stammen, die mit dem Tauben-Herpesvirus infiziert sind, tragen große Mengen Herpesviren in sich. Nimmt die Taube diese Trichomonaden mit dem Trinkwasser auf, infiziert sie sich mit den darin enthaltenen Herpesviren. Der beste Schutz vor einer Herpesvirusinfektion ist folglich (neben den „Standard-Kuren“ im eigenen Schlag) eine TRICHOMONADENPROPHYLAXE DURCH EINZELTIERBEHANDLUNG NACH JEDEM AUFENTHALT IM KABINENEXPRESS. Mit dem Präparat „TrichoSTOP Flüssigkonzentrat“ werden nach einer Verabreichung von 5 ml direkt in den Kropf (nach der Rückkehr von jedem Flug) alle Trichomonaden innerhalb von 10 Minuten abgetötet — und mit den Trichomonaden auch die darin enthaltenen Viren, den tote Trichomonaden gelangen „ungeöffnet“ in den Magen, wo die Säure die Herpesviren deaktiviert.

Die Symptome (Krankheitsanzeichen)
Das Hauptsymptom sind die sogenannten „Sialithen“. Sialithen sind kleine grauweiße Punkte im Rachen der Tauben. Vor allem zu Beginn einer Herpesvirusinfektion treten Rötungen im Rachenbereich auf. Das Flugvermögen am Haus ist lediglich einige Tage nach dem Ansteckungszeitpunkt beeinflusst und hängt vermutlich mit der Entzündung im Rachenbereich zusammen („Halsschmerzen“). Bereits nach 3 bis 4 Tagen verschwindet die Entzündung meistens und das Flugverhalten am Haus ist ungestört.
Die Reiseleistung frisch infizierter Tauben ist auf dem der Infektion folgenden Flug stark herabgesetzt, die Taube „kommt nicht in die Preise“ oder bleibt sogar aus. Nach 2 bis 3 Wochen verbessert sich die Reiseleistung, betroffene Tauben schaffen es aber nicht mehr bis an die Spitze.

WICHTIG: nicht alle punktförmigen Auflagerungen im Rachenbereich sind Herpes-Sialithen. Trichomonaden verursachen ebenfalls — wenn auch etwas größere und ins gelbliche gehende — punktförmige Auflagerungen, ebenso Soorpilze, hier sind die Auflagerungen jedoch weiß und in der Regel plattenförmig ausgedehnt. Mit Speichelstein verstopfte Ausführungsgänge der im seitlichen Rachenbereich mündenden Speicheldrüsen sehen auch bei genauerer Betrachtung den Herpes-Sialithen zum Verwechseln ähnlich. Die Unterscheidung ist durch eine Rachen-Kropf-Endoskopie unproblematisch, vor allem wenn das Bild auf einen Monitor übertragen und für die Auswertung vergrößert werden kann.

Bei Nestlingen und frisch abgesetzten Tauben sind die Symptome einer Herpesvirusinfektion deutlicher ausgeprägt, jedoch vom medizinischen Laien nicht eindeutig dem Herpesvirus zuzuordnen. Im Allgemeinen treten Befiederungsstörungen und verzögertes Federwachstum auf. Die körperliche Entwicklung ist gegenüber gleichaltrigen (auch gegenüber gleichaltrigen Nestgeschwistern) zurückgeblieben. Durch die Virusvermehrung in Leber, Nieren und Darmschleimhaut ist der Bauch betroffener Nestlinge stark aufgetrieben. Schnupfen und Bindehautentzündung treten bei ca. 80% der infizierten Jungtauben im Nestlingsalter und in den ersten zwei Wochen nach dem Absetzen auf.
Vor allem bei Infektionen mit dem THV2 stehen zentralnervöse Symptome im Vordergrund: Kopfzittern, Halsumdrehen, Muskelkrämpfe und unsichere Bewegungen, eventuell Flugunfähigkeit.

Betroffene Jungtauben sind für die Reise meistens ungeeignet, auch wenn die Symptome rechtzeitig vor Beginn der Wettflugvorbereitungen abklingen und das Flugverhalten am Haus mehr oder weniger ungestört ist. Im Absetzalter (oder bereits davor) stark von Herpesviren betroffene Jungtauben büßen oft auch eine „gut“ überstandene Infektion mit lebenslanger Leistungsunfähigkeit.

Bei latent (unterschwellig) infizierten Tauben kann die Krankheit unter Streß zum Ausbruch kommen. Wichtigster Stressfaktor ist der Transport zum Auflaßort.
Unter Kortisonbehandlung werden schlummernde Herpesviren in fast 100% der Fälle aktiv.

Diagnose
Eine Verdachtsdiagnose kann anhand der Symptomatik, durch das Ausschließen anderer Krankheitserreger, die ähnliche Symptome verursachen, und durch die Organveränderungen (Sektion) gestellt werden.
Die sichere Diagnose ist nur durch einen Virusnachweis möglich (Abstrich, Blut, Sektionsgut).

Behandlung
Stark betroffene Jungtauben, die zusätzlich noch andere Krankheitserreger (Parasiten, Bakterien) beherbergen sollten euthanasiert werden (SCHMERZLOS eingeschläfert, nicht „Kopf ab“!).
Eine Therapie hat bei Jungtauben keine Aussicht auf Erfolg. Die Todesrate beträgt bei Nestlingen ca. 60%, bei abgesetzten Jungtauben ca. 30% (je nach Virusstamm und Begleitinfektionen).

Die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit bei Alttauben ist in einigen Fällen möglich, wenn gleichzeitig Begleitkeime bekämpft werden (Trichomonaden, Kokzidien, Würmer, Bakterien).
Eine gezielte Therapie erwachsener Tauben ist zwar möglich (ACYCLOVIR), die Chancen für die klinische Heilung liegen bei ca. 70%, für die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit stehen aber die Chancen sehr schlecht (ca. 10% bei leichten THV1-Fällen).

Impfung
Eine Impfung ist zur Zeit nicht verfügbar, experimentelle Impfversuche (bei Tauben) verliefen erfolglos.

Tierärztlicher Rat
• Haltungsbedingungen verbessern
• Auf das Einführen des „1 Züchter = 1 Box“ - Systems hinwirken
• Bestand rechtzeitig vor Beginn der Zucht- und Reisesaison hinsichtlich Trichomonaden, Kokzidien, Würmern, Escherichia coli und Chlamydien sanieren.
• Vorsorgemaßnahmen hinsichtlich einer Erregereinschleppung aus dem Kabinenexpreß von einem kompetenten Tierarzt erstellen lassen und strikt befolgen.
• Kortisonbehandlungen nur nach tierärztlicher Anweisungen durchführen (und auf keinem Fall bei Tauben aus der Reisemannschaft).

TM
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