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Auflassentscheidungen im
Blickpunkt
Unter welchen Voraussetzungen gelingt ein
Wettflug?
Kaum ein Thema hat in den letzten Jahren für solch einen Wirbel
gesorgt wie die Betreuung unserer gefiederten Athleten auf dem Weg zum
Auflassort und die Bedingungen unter denen unserer Tiere aufgelassen
werden bzw. werden sollten.
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Die Flutleitung beginnt spätestens mit dem Einkorben!
Der Verband gibt für je gefahrene 100 km eine Stunde
Ruhezeit vor. |
Ich kann mich noch gut erinnern, dass vor gar nicht all zu langer
Zeit bei manchem Flugleiter ein paar Anrufe und ein Blick aus dem
Fenster genügt haben, um über einen möglichen Auflass zu entscheiden.
Hier hat sich glücklicherweise in den letzten Jahren Entscheidendes
verändert.
Nicht zuletzt der Druck, der in der Öffentlichkeit erzeugt wurde, hat
dazu beigetragen. Heute gibt es vielseitige Angebote, welche die
jeweiligen Flugleiter nutzen können, um unsere Tiere sicher nach Hause
zu lotsen.
Vorab muss ich aber klarstellen, dass der Job des Flugleiters mit
Sicherheit der schwierigste in der Brieftaubenwelt ist. Lässt man die
Tauben wegen einer unsicheren Wetterlage nicht starten hagelt es
Proteste, lässt man die Tauben starten und es gibt einen schweren oder
zumindest etwas anspruchsvolleren Flug und einige Tiere bleiben
vielleicht aus oder erreichen ihr Ziel zumindest wesentlich später,
sieht es hingegen nicht viel besser aus.
Besonderes Fingerspitzengefühl bedarf es bei den
Auflassentscheidungen im Rahmen der Herbstreise, da die Jungtiere sehr
unerfahren sind und behutsam an ihre zukünftigen Aufgaben herangeführt
werden sollen.
Vom Verband werden inzwischen besondere Schulungen angeboten, die den
Flugleitern als Wegweiser bei ihren Entscheidungen dienen sollen, aber,
und das darf nicht vergessen werden, nicht zuletzt werden hier auch
Auflagen erfüllt die von staatlichen Stellen gemacht werden um zu
verhindern dass eine allzu große Regelungsdichte uns unserer
Möglichkeiten bei der Ausübung unseres Hobbies beraubt. Wir Züchter
stehen zunehmend nicht nur unter Beobachtung der Öffentlichkeit, sondern
auch staatliche Stellen nehmen unsins Visier.
Es gilt also verlustreiche Flüge zu vermeiden. Nicht zuletzt ist auch
ein Teil unseres stetigen Mitgliederschwundes damit zu begründen, dass
viele Züchter nach einem verkorksten Flugwochenende oder nach mehreren
schlechten und verlustreichen Flügen die Flinte ins Korn werfen und dem
Brieftaubensport auf nimmer Wiedersehen den Rücken kehren.
Es liegt also auch in unserem eigenen vitalen Interesse eine
Zufriedenheit der Züchter zu erreichen, die sie nicht nur bei der Stange
hält, sondern im Gegenteil zu begeisterten Züchtern werden lässt, die
diese Begeisterung auch auf andere übertragen und somit für unser Hobby
auch eine positive Außenwirkung erzeugen können.
Viele Untersuchungen in den letzten Jahren hatten die Bedingungen
während des Transportes als Untersuchungsgegenstand. So gibt es eine
Studie des Niederländischen Verbandes über die Klimabedürfnisse von
Tauben während des Transportes auf die ich hier Bezug nehmen möchte.
In der ersten Phase der Untersuchungen des Projektes
Klimabedürfnisse von Tauben während des Transportes" war die Frage: Was
ist für Tauben auf dem Transport die beste Umgebungstemperatur?
Gleichzeitig wurde eine Antwort auf zwei wichtige Nebenfragen
gesucht. An erster Stelle wurde untersucht, ob diese optimale Temperatur
für junge und alte Tiere dieselbe ist und an zweiter Stelle wurde
ermittelt, welchen Einfluss die Verfügbarkeit von Wasser auf die
optimale Umgebungstemperatur hat. Im Ergebnis erwiesen sich Tauben als
weniger widerstandsfähig gegen hohe Umgebungstemperaturen als bis heute
angenommen. Wenn Tauben nicht die Möglichkeit haben, Wasser aufzunehmen
und Temperaturen von 39° C und höher ausgesetzt sind, sterben die ersten
Tiere schon nach weniger als acht Stunden. Als Todesursache wurde bei
der Untersuchung nicht nur Austrocknung festgestellt, auch Unruhe im
Korb kann in warmer Umgebung für Überhitzung der Vögel mit tödlicher
Folge verantwortlich sein und zwar lange bevor die Austrocknungsgrenze
erreicht ist.
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Eine entscheidende Rolle beim Gelingen eines
Wettfluges spielen immer die Konditionen
während des Transportes im Kabinenexpress. |
Die optimale Umgebungstemperatur für Tauben unter
Transportbedingungen liegt zwischen 25 und 32° C. Diese optimale
Umgebungstemperatur ist für Jung- und Alttauben gleich. Junge Tauben
sind nicht empfindlicher gegenüber hohen Umgebungstemperaturen als alte
Tauben, sie produzieren allerdings pro Gewichtseinheit Körpergewicht
fünf Prozent mehr Wärme. Das bedeutet in der Praxis, dass ein Korb mit
Jungtauben und ein Korb mit Alttauben, die beide gleich schwer sind,
verschiedene Wärmemengen produzieren.
Wenn die Belüftung für beide Körbe dieselbe ist, wird die Temperatur
im Korb mit den Jungtauben höher sein, als die Temperatur im Korb mit
den alten Tauben.
Die Begründung, dass mehr junge Tauben in einen Korb gesteckt werden
können, da sie leichter bzw. kleiner sind stimmt also nicht: Nicht die
Höhe des Gewichts ist also von Bedeutung, sondern die pro
Gewichtseinheit z. B. Kilogramm produzierte Wärmemenge.
Haben die Tauben nicht die Gelegenheit Wasser aufzunehmen, entstehen
bei Umgebungstemperaturen über 32° C große Probleme: die Wärmeproduktion
nimmt zu, die Körpertemperatur erhöht sich, der Gewichtsverlust steigt
stark an und das Blut wird dicker: die Tauben trocknen aus. In einem
Zeitraum von 24 Stunden bei 39 ° C steigt dieser Gewichtsverlust auf ca.
17 Prozent.
Die Untersuchung des Körpers zeigt, dass dieser Gewichtsverlust
hauptsächlich aus Wasser besteht. Für jeden Grad über 32° C muss eine
Taube im Laufe eines Tages 5 g zusätzlich zu ihrem normalen Tagesbedarf
von 10 bis 15 Gramm Wasser aufnehmen können. Um ein Austrocknen zu
verhindern, hat also eine Taube bei 36° C 20 Gramm Wasser pro Tag mehr
nötig, als eine Taube, die bei 29° C gehalten wird.
Fortgesetztes Verabreichen von Wasser verhindert viele nachteilige
Folgen von hohen Umgebungstemperaturen: Wärmeproduktion,
Körpertemperatur und Konsistenz des Blutes bleiben normal. Doch auch
Tauben die bei Hitze genügend zu trinken haben, müssen nachteilige
Folgen verarbeiten: Diese Tauben werden mehr Wasser aufnehmen und
festhalten, als das bei normaler Umgebungstemperatur der Fall wäre.
Weiterhin geht aus der Untersuchung hervor, dass die Folgen der
Austrocknung, die durch Wassermangel am ersten Tag entstanden sind,
nicht dadurch aufgehoben werden können, dass am zweiten Tag Wasser
gegeben wird. Tauben die einen Tag lang bei hoher Umgebungstemperatur
ohne Wasser gesessen haben, nehmen im Vergleich zu Tauben, die die ganze
Zeit Wasser zur Verfügung hatten, am nächsten Tag 10 bis 15 Gramm Wasser
mehr auf das im Körper gespeichert wird.
Diese Feststellungen sollten zu folgenden Empfehlungen für die Praxis
führen:
- Die Umgebungstemperatur (d. h. die Temperatur im Kabinenexpress)
sollte für Tauben nicht höher als 32° C sein. In dem Moment, in dem
die natürliche Ventilation im Kabinenexpress nicht mehr für
ausreichend Kühlung sorgt (bei Stillstand oder langsamerem Fahren),
sollte eingegriffen werden, indem mehr Luft zugeführt wird z. B. indem
man einen Ventilator zusätzlich einbaut und/oder Jalousien und Türen
öffnet. Wichtig ist, dass die Tauben niemals ungeschützt der prallen
Sonne ausgesetzt werden dürfen. Wenn die Außentemperatur nicht
erlaubt, dass diese Temperatur eingehalten werden kann, wird empfohlen
über eine Absage des Transportes nachzudenken.
- Die Faustregel, dass mehr Jungtauben in einen Korb gesteckt werden
können, weil sie leichter sind als alte Tauben ist so nicht richtig
und darf auch nicht befolgt werden. Dieses Vorgehen sorgt für
zusätzliche Hitzebelastungen bei den Jungtauben.
- Sofern es möglich ist, muss den Tieren ständig Wasser zur
Verfügung stehen. Es ist selbstverständlich, dass dieses Wasser bei
jedem Transport erneuert wird und nicht verunreinigt sein darf.
Wichtig ist, dass alle Tauben die Möglichkeit haben, das Wasser
aufzunehmen: die Umgebung muss beim Tränken ruhig sein, so dass alle
Tiere wagen, zur Wasserrinne zu gehen. Außerdem müssen die Tauben
genügend Zeit zum Trinken haben. Als Notlösung wird vorgeschlagen,
dass den Tauben alle vier Stunden mindestens eine halbe Stunde lang
die Möglichkeit gegeben wird Wasser aufzunehmen. Auch hier muss
berücksichtigt werden, dass die Besatzdichte in der Transportbox eine
große Rolle spielt, denn je weniger Tiere in einer Box sind um so
schneller und weniger hektisch, begleitet um Standortkämpfe zwischen
den Tieren, kann Wasser aufgenommen werden. Manch eine Taube wird sich
vielleicht nach dem ersten Versuch bis zur Tränke vorzuarbeiten
entnervt aufgeben, wenn sie sich nicht ohne Probleme gegen die
Tränkrinnenbewacher durchsetzen konnte.
- Die Bestimmungen im Transportreglement, dass zwei Stunden vor dem
Auflass kein Wasser mehr gegeben werden darf, ist nicht richtig und
muss geändert werden. (Anmerkung des Autors: Ich bin mir nicht
bewusst, dass es eine solche Regelung in Deutschland gibt).
- Aus Untersuchungen an anderen Tierarten ging immer hervor, dass
die Aufnahme von Futter den Wasserbedarf erhöht. So sollte niemals
Futter gegeben werden, ohne dass Wasser aufgenommen werden kann.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Nutzung der durch die
verschiedenen meteorologischen Dienste zur Verfügung stehenden
Informationsquellen, mit deren Hilfe eine zuverlässige Wetterprognose
abgegeben werden kann.
Auch eine Reihe von schönen Sommertagen, wie wir sie in der letzten
Zeit hatten, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Wetter in
unseren Breiten meist launisch und unvorhersagbar ist. Das
Wettergeschehen ist seinem Wesen nach chaotisch. Schon geringe Störungen
der Atmosphäre es heißt sogar der Flügelschlag eines Schmetterlings
kann die langfristige Wetterentwicklung beeinflussen und jede Vorhersage
zunichte machen. Dabei ist es jedoch entscheidend, wo und wann eine
Störung auftritt. Denn das chaotische Verhalten des Wetters und somit
auch seine Störungsempfindlichkeit sind nicht immer und überall gleich
stark ausgeprägt. Das hat eine Untersuchung von Meteorologen, Physikern
und Computerwissenschaftlern ergeben. Die Forscher haben weltweite
Wettervorhersagen analysiert, die der nationale Wetterdienst alle 24
Stunden berechnet und zur Verfügung stellt. Jede dieser Prognosen
erstreckt sich über einen Zeitraum von acht Tagen und besteht aus einer
Haupt- und fünf Kontrollvorhersagen. Während die Hauptvorhersage
aufgrund aktueller Wetterdaten aus aller Welt berechnet wird, fließen in
die Kontrollvorhersagen Daten ein, die sich geringfügig von den
gemessenen Werten unterscheiden. Je instabiler und chaotischer das
Wettergeschehen ist, desto mehr weichen die Kontrollvorhersagen
voneinander ab. Dadurch lässt sich mit den Kontrollvorhersagen die
Treffsicherheit einschätzen. Für ihre Analysen haben die Wissenschaftler
aus der Flut der prognostizierten Wetterdaten die Vorhersagen für die
Windrichtung und die Windgeschwindigkeit in etwa fünf Kilometer Höhe
ausgewählt. Dazu teilten sie die Weltkarte in 1100 mal 1100
Quadratkilometer große Regionen ein, in denen jeweils an 25 gleichmäßig
verteilten Punkten Windprognosen vorlagen. Aus den Unterschieden
zwischen der Hauptvorhersage und den Kontrollvorhersagen haben die
Forscher für jede der Regionen berechnet, wie chaotisch dort die Winde
wehen und wie sich deren Stärke und Richtung ändern.
Es stellte sich heraus, dass das chaotische Verhalten des Windes in
den gemäßigten Zonen wesentlich schwächer ausgeprägt ist als in den
tropischen Breiten. Im Übrigen wehen die Winde auf der Nordhalbkugel
stetiger und weniger chaotisch als auf der Südhalbkugel. Nach Meinung
der Wissenschaftler lassen sich die derzeitigen Wetterprognosen nur
durch eine enorme Erhöhung der Rechnerkapazitäten noch vital verbessern.
Ob angesichts der Kosten jemals solche Systeme installiert werden können
und ob wir Brieftaubenzüchter dann Zugriff darauf haben werden ist
unwahrscheinlich.
Desto wichtiger ist es aber neue Instrumente zu finden und zu
installieren, die es den örtlich zuständigen Flugleiternermöglichen, auf
die kurzfristig jedoch möglichen Wettervorhersagen einzugehen und
dementsprechend zu disponieren.
Die Reisevereinigung Herne 1900 e. V. geht hier meines Wissens
bereits neue, innovative Wege, die sicherlich auch für weitere RVen
interessant sein dürften. Um diese neuen Instrumente einmal einer
breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen habe ich mit dem
Flugleiter und gleichzeitigem Vorsitzenden der Reisevereinigung Herne,
Michael Peil, ein Interview geführt:
Herr Peil, bitte beschreiben Sie einmal
das Prinzip des flexiblen Reiseplan!
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Michael Peil, RV Vorsitzender und einer von
zwei Flugleitern der RV Herne |
In der RV Herne wird erst seit 2002 ein so genannter flexibler
Reiseplan praktiziert, wir sind also noch in einer Erprobungsphase. Kern
dieses Konzeptes bildet eine Auflass-Ort-Kommission (AOK) die dem
Auflassleiter die gesamte Woche zuarbeitet. Drei Sportfreunde beobachten
die Wetterprognosen und Vorhersagen über den Zeitraum der gesamten
Woche, um Tendenzen festzumachen. Interessant wird es besonders ab
donnerstags, da erst zu diesem Zeitpunkt die Wetterprognosen zu
Wettervorhersagen d. h. mit einer gewissen Sicherheit werden. Freitag
abends schließen sich die drei Sportfreunde der AOK kurz, vergleichen
und diskutieren ihre unabhängig voneinander erarbeiteten Ergebnisse und
kommen dann zu einer Empfehlung, welcher Flug am Wochenende durchgeführt
werden soll.
Beispiel: Flug laut Reiseplan 520 km. Wetterprognose für den
Auflasstag sagt am Auflassort oder großen Teilen der Strecke Regen
voraus, der einen Auflass dort verhindert. Die AOK empfiehlt die Distanz
des Fluges auf eine Entfernung zu verringern, aus der ein Flug ohne
Gefahr für die Tauben im Hinblick auf den Tierschutzgedanken möglich
ist.
Weiteres Beispiel: Es ist ein 400-km-Flug angesetzt die Tauben
haben bereits Erfahrungen im laufenden Reisejahr mit 400-km-Flügen
gesammelt und sind gut eingeflogen. Die Wettervorhersage sagt stabiles
Hochdruck-Wetter mit idealen Flugbedingungen voraus die Empfehlung der
AOK lautet: 400 km nicht durchzuführen, sondern auf 500 km fahren und
dort den Auflass starten.
Dieses System ist mit Sicherheit ausbaufähig man denke an RVen,
welche sich beispielsweise die Option offen halten, je nach Witterung am
Samstag oder auch Sonntag zu reisen diesen Weg sind wir bis auf wenige
Ausnahmen (noch) nicht gegangen, da die Züchter dieses noch sehr
kritisch beachten. Aus meiner Sicht muss dieses aber in naher Zukunft
praktiziert werden, um erfolgreich und ohne Verluste reisen zu können!
Beispiel Flugwochenende 7. Juni 2003 Wetterprognose Sonntag
Gewittergefahr für den Nachmittag Störungen durch Ozon
Inversionswetterlage Spannungen in der Luft Flug ab 278 km. Wetter
bis in den Nachmittag hinein stabil und wie erwartet (!) leider sehr
schwierig. Die Prognose für den Montag, 8. Juni war bedeutend besser
hier gilt es in Zukunft auszuweichen im Hinblick auf das Wohl unserer
Tauben und die Zufriedenheit unserer Züchter!
Was ist unter dem Begriff
Inversionswetterlage zu verstehen?
Inversionswetterlage nennt man eine austauscharme Wetterlage, bei der
die normalen Luftverhältnisse umgekehrt sind: wärmere Luft unten,
kältere Luft oben und bei der kein oder fast kein Wind weht. Es findet
also keinerlei Luftdurchmischung mehr statt. Vielmehr legt sich die
warme Luftschicht wie ein Deckel über die kältere Luftschicht am Boden.
In dieser kälteren Luftschicht sammeln sich immer mehr Schadstoffe an,
weil sie nicht nach oben entweichen können. Diese Wetterkonstellation
beeinträchtigt in hohem Maße die Orientierungsfähigkeit unserer
Brieftauben. Selbst bei ?optisch? schönstem Sommerwetter mit
Sonnenschein kommt es aufgrund von Inversionen zu extrem schwierigen
Flügen. Auch hier gilt es möglichst keine Auflässe durchzuführen.
Wer gab den Anstoß zur Einführung des
flexiblen Reiseplans und der AOK bzw. welche Ereignisse brachten Sie
dazu über die bisherige Praxis nachzudenken?
Ausschlaggebend war ein Antrag im Herbst 2001 mit dem die Diskussion
in Gang gebracht wurde einstimmig wurde ein Arbeitskreis innerhalb der
RV beauftragt, einen Plan auszuarbeiten, welcher ohne Rücksicht auf
Verbandsauszeichnungen und übergeordnete Meisterschaften zu nehmen nur
ein Ziel hatte keinen Kilometer zu viel fahren, keine Taube z viel
verlieren Sicherheit auf allen Ebenen ein hohes und erstrebenswertes
Ziel leider nie ganz zu erreichen. Diese Entscheidung wurde in der RV
einstimmig beschlossen im Bewusstsein sich dadurch auch in der
Gemeinschaft mit anderen RVen notfalls zu isolieren, da diese den Weg
nicht beschreiten wollten.
Erstes Resümee: Das Reisejahr 2002 begann dann auf einer für die
Tauben neuen Richtung auch sehr schwer bis 2001 im Osten änderte man
in 2002 nicht nur mit den Alttauben die Reiserichtung (Südost =>Passau),
sondern auch das System der Reise. Die ersten drei Preistouren verliefen
nicht wie gewünscht unverhältnismäßig lange Konkurszeiten und leider
auch Verluste, die eigentlich vermieden werden sollten. Doch dann schien
der Knoten zu platzen unbeirrt hielten die Züchter zu ihrer AOK in
der Überzeugung, dass das System richtig sei man setzte den Weg fort
und das auch mit Erfolg am Ende des Reisejahres mit den Alttauben
konnte man auf zwei erfolgreiche 520-km-Flüge auf der neuen
Südostrichtung zurückblicken, die an Tagen stattfanden, die eigentlich
nicht vorgesehen waren aber das Wetter passte. So gesehen also ein
erster Schritt auf dem richtigen Weg , allerdings noch lange nicht am
Ziel
Welche Punkte sind grundsätzlich
entscheidend für das Gelingen eines Fluges?
Da gibt es mit Sicherheit viele verschiedene Faktoren. Der für mich
wichtigste aus der Sicht des Flugveranstalters ist das Zusammenspiel des
Teams AOK, Auflassleiter und Fahrer. Nur im harmonischen Zusammenspiel
kann erfolgreiche Arbeit erfolgen. Die AOK nimmt wie oben beschrieben
einen entscheidenden Part ein der Auflassleiter hat in gemeinsamer
Teamarbeit mit dem Fahrer den verantwortungsvollsten Part, ihm obliegt
das Wohl unserer Tauben. So ist es einerseits unerlässlich vom Fahrer
die Bedingungen am Auflassort zu erhalten, andererseits aber mit Hilfe
moderner Technik beispielsweise dem Internet und Videotext die
Wetterverhältnisse auf der Strecke abzufragen und entsprechende Schlüsse
daraus zu ziehen. Allerdings ist es ebenso wertvoll versierte Züchter
auf der Strecke als Posten mit in die Planung einzubeziehen. Nur wenn
ein Zusammenspiel dieser Faktoren gelingt, gelingt auch der Flug.
Wie handhaben Sie das Tränken und
Füttern der Tiere während eines Transportes?
Gefüttert wird grundsätzlich nicht es sei denn es sollte wirklich
ein mehrtägiger Kabiaufenthalt vorkommen, dann mit Mais und
handelsüblichem Mischfutter. Beim Tränken legt unser Fahrer sehr großen
Wert darauf, mindestens zweimal zu tränken. Zuerst bei Licht direkt bei
der Ankunft am Auflassort dann recht früh am Morgen des Auflasses. Ich
selbst war sehr skeptisch, ob die Tiere denn sofort bei der Ankunft
trinken musste mich aber selbst vor Ort eines Besseren belehren
lassen.
Wie sieht für Sie das Reiseprogramm der
Zukunft aus?
Gute Frage kann ich allerdings nicht beantworten sicherlich ist
ein Aspekt der Tierschutzgedanke und somit geht ein flexibler Reiseplan
schon in die richtige Richtung was allerdings das starre
Meisterschaftssytem des Verbandes und auch der RVen angeht, habe ich
noch keine konkreten Vorstellungen, denke aber, dass auf jeden Fall dem
geänderten Freizeitverhalten und dem Familienleben ein breiterer Raum
eingestanden werden muss, ansonsten geht unser schönes Hobby seinem Ende
entgegen?
Gab es größeren Widerstand oder
Ablehnung in der Züchterschaft (Akzeptanzprobleme)?
Probleme gab es vor allem mit der Vorstellung der Züchter in der Art
was soll das Ganze, ich habe für 400 km gefüttert ihr fahrt nur auf
150 km. Dieses Denken war nur schwierig aus den Köpfen zu bekommen. Das
größte Problem ist, andere RVen im Regionalverband zu überzeugen.
Wie bewerten Sie die vom Verband
angebotenen Schulungen und die Checkliste für Flugleiter?
Guter Service steckt viel Arbeit hinter denke ich, vor allem für
Neulinge ein absolutes Muss! (Anmerkung des Verfassers:) Die vom Verband
ausgegebene Zielformulierung für die Durchführung der
Flugleiterschulungen lautet wie folgt:
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Zufriedene Züchter und eine stetige
Jugendförderung sind das Motto der RV Herne. |
Die Lehrgangsteilnehmerinnen und Teilnehmer planen die Durchführung
eines Brieftaubenübungs- und Brieftaubenwettfluges. Sie haben Kenntnis
über die Transportfahrzeiten und die vorgeschriebenen Pausen- und
Ruhezeiten der Fahrer. Sie kennen die Auflssorte und besitzen ein
aktuelles Anschriftenverzeichnis mehrerer Kontaktleute auf der von den
Tauben zu überfliegenden Strecke. Sie beurteilen die Großwetterlage,
legen die Auflassentfernung fest und bestimmen den Fahrplan
einschließlich der Ladezeiten (Einsatzzeiten). Sie haben Kenntnis über
das Füttern und Tränken der Reisetauben vor dem Auflass. Sie kennen die
Wichtigkeit der Belüftung des Transportfahrzeuges während des
Transportes der Tauben. So sandesspezifische und durch Erlass
erforderlich kennen sie die Desinfektionsvorschriften, die entweder vor
oder nach dem Wettflug durchgeführt werden müssen.
Unter Berücksichtigung der aktuellen Wettersituation ermessen sie
mögliche Auflasszeiten. Sie führen Flugsimulationen durch und ermitteln
die voraussichtliche Flugzeit. Nach Abwägung aller Risiken entscheiden
sie sich für eine Auflasszeit. Sie beschreiben die
Witterungsverhältnisse am und um den Auflassort, die Flugstrecke sowie
am Zielort.
Sie protokollieren die aktuelle
Flugsituation und den Flugverlauf.
In der Checkliste für Flugleiter werden in Form eines Kataloges
bestimmte Entscheidungshilfen für Flugleiter angeboten. Für den einen
oder anderen Züchter ist es sicherlich interessant hier einen Einblick
zu nehmen, nicht zuletzt im Hinblick auf die Organisation und
Durchführung von privaten Vor- und Trainingsflügen insbesondere in der
Vorbereitungsphase der Jungtiere:
- Ist die Sonne voll zu sehen? Sind bei Bewölkung blaue Stellen zu
sehen und kommt die Sonne zwischendurch heraus?
- Beträgt die Sicht mindestens 5 Kilometer?
- Bei geschlossener Wolkendecke grau in grau ist kein Auflass
freizugeben!
- Bei tiefblauem Himmel insbesondere bei Jungtaubenvor- und
Preisflügen ist abzuwarten bis einige Wolken zu sehen sind.
- Kann am Auflassplatz selbst Leben in der Luft" festgestellt
werden, also fliegende Vögel etc. und deuten die Tauben durch ihr
Verhalten an, dass sie aufgelassen werden wollen?
- Die witterungsbedingt beste Zeit für den Auflass nutzen. In den
Monaten April, Mai, Mitte August und September ist ein früher Auflass
nicht die beste Zeit!)
- Beträgt die Temperatur am Auflassort und auf der Strecke mehr als
7° C?
- Nach abziehendem Gewitter sind mindestens 60 Minuten zu warten!)
Woher beziehen Sie die für den Auflass
notwendigen Informationen, haben Sie besondere Info-Quellen?
Siehe oben: Internet, Videotext, Wetteramt, Verbandvorhersage,
Streckenposten.
Wie sollte Ihrer Meinung die
Vorbereitung der Tiere am Einsatztag durch die Züchter aussehen?
Oje, viele Wege führen nach Rom es gibt bestimmt eine ganze Reihe
unterschiedlicher Methoden, die der eine für gut, der andere für
schlecht hält. Wichtig ist dass der Akku der Tauben gefüllt ist, dass
vor allem ausreichend Energie und Wasser gespeichert werden konnten.
Der Verband gibt vor für gefahrene 100
km eine Stunde Ruhezeit?
Diese Regelung hat mit Sicherheit ihren Sinn wir setzen zwar recht
früh ein jedoch mit dem Gedanken an einen möglichst ruhigen Transport
und ausreichend Ruhezeit am Auflassort.
Welches Futter wird bei längerem
Aufenthalt gegeben?
Mais und handelsübliches Mischfutter.
Anmerkung des Autors: Die Frage was man während des Transportes und
am Auflassplatz am besten füttert, ist sicher eine der strittigsten
Fragen.
Alle möglichen Lösungen wurden im Laufe der Zeit versucht. Die
Ernährungslehre kann uns hier den Weg zeigen. Man hat herausgefunden,
dass die Erhöhung des Eiweißgehaltes des Futters (viele Hülsenfrüchte)
den Durst stark ansteigen lässt. Die Erklärung findet man in dem was man
spezifisch dynamische Wirkung von Eiweiß nennt.
Es braucht, damit es verdaut werden kann, viel mehr Energie als Fett
(nicht zu verwechseln mit der Tatsache, dass Eiweiß bei seiner
Verbrennung wenig Energie und Oxidationswasser liefert). Diesen
besonderen Effekt können wir selbst erleben wenn wir übermäßig viel
Fleisch zu uns genommen haben. Setzt die Verdauung ein, wird einem warm
und man fängt an zu schwitzen.
Genauso geht es einer Taube nach der Aufnahme von eiweißreichem
Futter mit vielen Hülsenfrüchten. Die Folge ist ein erhöhtes Wärme- und
Durstgefühl. So etwas kann sicher nicht als sehr günstig bezeichnet
werden für eine Taube, die wenig später die schwere Aufgabe hat, den Weg
nach Hause zurückzulegen. Mais ist leicht verdaulich und enthält wenig
Eiweiß, eine bedeutende Menge Fett und viel Kohlenhydrate. Der Gehalt an
Kohlenhydraten im Mais bewirkt, dass die Fettreserven, die der
wichtigste Energielieferant während des Fluges sind, nicht gleich zu
Beginn des Fluges schon in Angriff genommen werden müssen.
Wie beurteilen Sie die Idee der Na
Vluchten im September und Oktober für Alt und Jungtauben die in den
Niederlanden praktiziert wird?
Kann man anbieten als Ergänzung habe aber zuwenig Erfahrung damit.
Herr Peil, ich bedanke mich für das Interview und wünsche das nötige
Glück bei den Auflassentscheidungen!
Guido Stüppardt
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