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Home  Magazin  Horst und Frank Sander  Auflassentscheidungen im Blickpunkt 

Auflassentscheidungen im Blickpunkt

Unter welchen Voraussetzungen gelingt ein Wettflug?

Kaum ein Thema hat in den letzten Jahren für solch einen Wirbel gesorgt wie die Betreuung unserer gefiederten Athleten auf dem Weg zum Auflassort und die Bedingungen unter denen unserer Tiere aufgelassen werden bzw. werden sollten.


Die Flutleitung beginnt spätestens mit dem Einkorben!
Der Verband gibt für je gefahrene 100 km eine Stunde
Ruhezeit vor.

Ich kann mich noch gut erinnern, dass vor gar nicht all zu langer Zeit bei manchem Flugleiter ein paar Anrufe und ein Blick aus dem Fenster genügt haben, um über einen möglichen Auflass zu entscheiden. Hier hat sich glücklicherweise in den letzten Jahren Entscheidendes verändert.

Nicht zuletzt der Druck, der in der Öffentlichkeit erzeugt wurde, hat dazu beigetragen. Heute gibt es vielseitige Angebote, welche die jeweiligen Flugleiter nutzen können, um unsere Tiere sicher nach Hause zu lotsen.

Vorab muss ich aber klarstellen, dass der Job des Flugleiters mit Sicherheit der schwierigste in der Brieftaubenwelt ist. Lässt man die Tauben wegen einer unsicheren Wetterlage nicht starten hagelt es Proteste, lässt man die Tauben starten und es gibt einen schweren oder zumindest etwas anspruchsvolleren Flug und einige Tiere bleiben vielleicht aus oder erreichen ihr Ziel zumindest wesentlich später, sieht es hingegen nicht viel besser aus.

Besonderes Fingerspitzengefühl bedarf es bei den Auflassentscheidungen im Rahmen der Herbstreise, da die Jungtiere sehr unerfahren sind und behutsam an ihre zukünftigen Aufgaben herangeführt werden sollen.

Vom Verband werden inzwischen besondere Schulungen angeboten, die den Flugleitern als Wegweiser bei ihren Entscheidungen dienen sollen, aber, und das darf nicht vergessen werden, nicht zuletzt werden hier auch Auflagen erfüllt die von staatlichen Stellen gemacht werden um zu verhindern dass eine allzu große Regelungsdichte uns unserer Möglichkeiten bei der Ausübung unseres Hobbies beraubt. Wir Züchter stehen zunehmend nicht nur unter Beobachtung der Öffentlichkeit, sondern auch staatliche Stellen nehmen unsins Visier.

Es gilt also verlustreiche Flüge zu vermeiden. Nicht zuletzt ist auch ein Teil unseres stetigen Mitgliederschwundes damit zu begründen, dass viele Züchter nach einem verkorksten Flugwochenende oder nach mehreren schlechten und verlustreichen Flügen die Flinte ins Korn werfen und dem Brieftaubensport auf nimmer Wiedersehen den Rücken kehren.

Es liegt also auch in unserem eigenen vitalen Interesse eine Zufriedenheit der Züchter zu erreichen, die sie nicht nur bei der Stange hält, sondern im Gegenteil zu begeisterten Züchtern werden lässt, die diese Begeisterung auch auf andere übertragen und somit für unser Hobby auch eine positive Außenwirkung erzeugen können.

Viele Untersuchungen in den letzten Jahren hatten die Bedingungen während des Transportes als Untersuchungsgegenstand. So gibt es eine Studie des Niederländischen Verbandes über die Klimabedürfnisse von Tauben während des Transportes auf die ich hier Bezug nehmen möchte.

In der ersten Phase der Untersuchungen des Projektes “Klimabedürfnisse von Tauben während des Transportes" war die Frage: Was ist für Tauben auf dem Transport die beste Umgebungstemperatur?

Gleichzeitig wurde eine Antwort auf zwei wichtige Nebenfragen gesucht. An erster Stelle wurde untersucht, ob diese optimale Temperatur für junge und alte Tiere dieselbe ist und an zweiter Stelle wurde ermittelt, welchen Einfluss die Verfügbarkeit von Wasser auf die optimale Umgebungstemperatur hat. Im Ergebnis erwiesen sich Tauben als weniger widerstandsfähig gegen hohe Umgebungstemperaturen als bis heute angenommen. Wenn Tauben nicht die Möglichkeit haben, Wasser aufzunehmen und Temperaturen von 39° C und höher ausgesetzt sind, sterben die ersten Tiere schon nach weniger als acht Stunden. Als Todesursache wurde bei der Untersuchung nicht nur Austrocknung festgestellt, auch Unruhe im Korb kann in warmer Umgebung für Überhitzung der Vögel mit tödlicher Folge verantwortlich sein und zwar lange bevor die Austrocknungsgrenze erreicht ist.


Eine entscheidende Rolle beim Gelingen eines
Wettfluges spielen immer die Konditionen
während des Transportes im Kabinenexpress.

Die optimale Umgebungstemperatur für Tauben unter Transportbedingungen liegt zwischen 25 und 32° C. Diese optimale Umgebungstemperatur ist für Jung- und Alttauben gleich. Junge Tauben sind nicht empfindlicher gegenüber hohen Umgebungstemperaturen als alte Tauben, sie produzieren allerdings pro Gewichtseinheit Körpergewicht fünf Prozent mehr Wärme. Das bedeutet in der Praxis, dass ein Korb mit Jungtauben und ein Korb mit Alttauben, die beide gleich schwer sind, verschiedene Wärmemengen produzieren.

Wenn die Belüftung für beide Körbe dieselbe ist, wird die Temperatur im Korb mit den Jungtauben höher sein, als die Temperatur im Korb mit den alten Tauben.

Die Begründung, dass mehr junge Tauben in einen Korb gesteckt werden können, da sie leichter bzw. kleiner sind stimmt also nicht: Nicht die Höhe des Gewichts ist also von Bedeutung, sondern die pro Gewichtseinheit z. B. Kilogramm produzierte Wärmemenge.

Haben die Tauben nicht die Gelegenheit Wasser aufzunehmen, entstehen bei Umgebungstemperaturen über 32° C große Probleme: die Wärmeproduktion nimmt zu, die Körpertemperatur erhöht sich, der Gewichtsverlust steigt stark an und das Blut wird dicker: die Tauben trocknen aus. In einem Zeitraum von 24 Stunden bei 39 ° C steigt dieser Gewichtsverlust auf ca. 17 Prozent.

Die Untersuchung des Körpers zeigt, dass dieser Gewichtsverlust hauptsächlich aus Wasser besteht. Für jeden Grad über 32° C muss eine Taube im Laufe eines Tages 5 g zusätzlich zu ihrem normalen Tagesbedarf von 10 bis 15 Gramm Wasser aufnehmen können. Um ein Austrocknen zu verhindern, hat also eine Taube bei 36° C 20 Gramm Wasser pro Tag mehr nötig, als eine Taube, die bei 29° C gehalten wird.
Fortgesetztes Verabreichen von Wasser verhindert viele nachteilige Folgen von hohen Umgebungstemperaturen: Wärmeproduktion, Körpertemperatur und Konsistenz des Blutes bleiben normal. Doch auch Tauben die bei Hitze genügend zu trinken haben, müssen nachteilige Folgen verarbeiten: Diese Tauben werden mehr Wasser aufnehmen und festhalten, als das bei normaler Umgebungstemperatur der Fall wäre.

Weiterhin geht aus der Untersuchung hervor, dass die Folgen der Austrocknung, die durch Wassermangel am ersten Tag entstanden sind, nicht dadurch aufgehoben werden können, dass am zweiten Tag Wasser gegeben wird. Tauben die einen Tag lang bei hoher Umgebungstemperatur ohne Wasser gesessen haben, nehmen im Vergleich zu Tauben, die die ganze Zeit Wasser zur Verfügung hatten, am nächsten Tag 10 bis 15 Gramm Wasser mehr auf das im Körper gespeichert wird.

Diese Feststellungen sollten zu folgenden Empfehlungen für die Praxis führen:

  1. Die Umgebungstemperatur (d. h. die Temperatur im Kabinenexpress) sollte für Tauben nicht höher als 32° C sein. In dem Moment, in dem die natürliche Ventilation im Kabinenexpress nicht mehr für ausreichend Kühlung sorgt (bei Stillstand oder langsamerem Fahren), sollte eingegriffen werden, indem mehr Luft zugeführt wird z. B. indem man einen Ventilator zusätzlich einbaut und/oder Jalousien und Türen öffnet. Wichtig ist, dass die Tauben niemals ungeschützt der prallen Sonne ausgesetzt werden dürfen. Wenn die Außentemperatur nicht erlaubt, dass diese Temperatur eingehalten werden kann, wird empfohlen über eine Absage des Transportes nachzudenken.
  2. Die Faustregel, dass mehr Jungtauben in einen Korb gesteckt werden können, weil sie leichter sind als alte Tauben ist so nicht richtig und darf auch nicht befolgt werden. Dieses Vorgehen sorgt für zusätzliche Hitzebelastungen bei den Jungtauben.
  3. Sofern es möglich ist, muss den Tieren ständig Wasser zur Verfügung stehen. Es ist selbstverständlich, dass dieses Wasser bei jedem Transport erneuert wird und nicht verunreinigt sein darf. Wichtig ist, dass alle Tauben die Möglichkeit haben, das Wasser aufzunehmen: die Umgebung muss beim Tränken ruhig sein, so dass alle Tiere wagen, zur Wasserrinne zu gehen. Außerdem müssen die Tauben genügend Zeit zum Trinken haben. Als Notlösung wird vorgeschlagen, dass den Tauben alle vier Stunden mindestens eine halbe Stunde lang die Möglichkeit gegeben wird Wasser aufzunehmen. Auch hier muss berücksichtigt werden, dass die Besatzdichte in der Transportbox eine große Rolle spielt, denn je weniger Tiere in einer Box sind um so schneller und weniger hektisch, begleitet um Standortkämpfe zwischen den Tieren, kann Wasser aufgenommen werden. Manch eine Taube wird sich vielleicht nach dem ersten Versuch bis zur Tränke vorzuarbeiten entnervt aufgeben, wenn sie sich nicht ohne Probleme gegen die “Tränkrinnenbewacher” durchsetzen konnte.
  4. Die Bestimmungen im Transportreglement, dass zwei Stunden vor dem Auflass kein Wasser mehr gegeben werden darf, ist nicht richtig und muss geändert werden. (Anmerkung des Autors: Ich bin mir nicht bewusst, dass es eine solche Regelung in Deutschland gibt).
  5. Aus Untersuchungen an anderen Tierarten ging immer hervor, dass die Aufnahme von Futter den Wasserbedarf erhöht. So sollte niemals Futter gegeben werden, ohne dass Wasser aufgenommen werden kann.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Nutzung der durch die verschiedenen meteorologischen Dienste zur Verfügung stehenden Informationsquellen, mit deren Hilfe eine zuverlässige Wetterprognose abgegeben werden kann.

Auch eine Reihe von schönen Sommertagen, wie wir sie in der letzten Zeit hatten, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Wetter in unseren Breiten meist launisch und unvorhersagbar ist. Das Wettergeschehen ist seinem Wesen nach chaotisch. Schon geringe Störungen der Atmosphäre – es heißt sogar der Flügelschlag eines Schmetterlings – kann die langfristige Wetterentwicklung beeinflussen und jede Vorhersage zunichte machen. Dabei ist es jedoch entscheidend, wo und wann eine Störung auftritt. Denn das chaotische Verhalten des Wetters und somit auch seine Störungsempfindlichkeit sind nicht immer und überall gleich stark ausgeprägt. Das hat eine Untersuchung von Meteorologen, Physikern und Computerwissenschaftlern ergeben. Die Forscher haben weltweite Wettervorhersagen analysiert, die der nationale Wetterdienst alle 24 Stunden berechnet und zur Verfügung stellt. Jede dieser Prognosen erstreckt sich über einen Zeitraum von acht Tagen und besteht aus einer Haupt- und fünf Kontrollvorhersagen. Während die Hauptvorhersage aufgrund aktueller Wetterdaten aus aller Welt berechnet wird, fließen in die Kontrollvorhersagen Daten ein, die sich geringfügig von den gemessenen Werten unterscheiden. Je instabiler und chaotischer das Wettergeschehen ist, desto mehr weichen die Kontrollvorhersagen voneinander ab. Dadurch lässt sich mit den Kontrollvorhersagen die Treffsicherheit einschätzen. Für ihre Analysen haben die Wissenschaftler aus der Flut der prognostizierten Wetterdaten die Vorhersagen für die Windrichtung und die Windgeschwindigkeit in etwa fünf Kilometer Höhe ausgewählt. Dazu teilten sie die Weltkarte in 1100 mal 1100 Quadratkilometer große Regionen ein, in denen jeweils an 25 gleichmäßig verteilten Punkten Windprognosen vorlagen. Aus den Unterschieden zwischen der Hauptvorhersage und den Kontrollvorhersagen haben die Forscher für jede der Regionen berechnet, wie chaotisch dort die Winde wehen und wie sich deren Stärke und Richtung ändern.

Es stellte sich heraus, dass das chaotische Verhalten des Windes in den gemäßigten Zonen wesentlich schwächer ausgeprägt ist als in den tropischen Breiten. Im Übrigen wehen die Winde auf der Nordhalbkugel stetiger und weniger chaotisch als auf der Südhalbkugel. Nach Meinung der Wissenschaftler lassen sich die derzeitigen Wetterprognosen nur durch eine enorme Erhöhung der Rechnerkapazitäten noch vital verbessern. Ob angesichts der Kosten jemals solche Systeme installiert werden können und ob wir Brieftaubenzüchter dann Zugriff darauf haben werden ist unwahrscheinlich.

Desto wichtiger ist es aber neue Instrumente zu finden und zu installieren, die es den örtlich zuständigen Flugleiternermöglichen, auf die kurzfristig jedoch möglichen Wettervorhersagen einzugehen und dementsprechend zu disponieren.

Die Reisevereinigung Herne 1900 e. V. geht hier meines Wissens bereits neue, innovative Wege, die sicherlich auch für weitere RVen interessant sein dürften. Um diese neuen Instrumente einmal einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen habe ich mit dem Flugleiter und gleichzeitigem Vorsitzenden der Reisevereinigung Herne, Michael Peil, ein Interview geführt:

Herr Peil, bitte beschreiben Sie einmal das Prinzip des flexiblen Reiseplan!


Michael Peil, RV – Vorsitzender und einer von
zwei Flugleitern der RV Herne

In der RV Herne wird erst seit 2002 ein so genannter flexibler Reiseplan praktiziert, wir sind also noch in einer Erprobungsphase. Kern dieses Konzeptes bildet eine Auflass-Ort-Kommission (AOK) – die dem Auflassleiter die gesamte Woche zuarbeitet. Drei Sportfreunde beobachten die Wetterprognosen und Vorhersagen über den Zeitraum der gesamten Woche, um Tendenzen festzumachen. Interessant wird es besonders ab donnerstags, da erst zu diesem Zeitpunkt die Wetterprognosen zu Wettervorhersagen – d. h. mit einer gewissen Sicherheit werden. Freitag abends schließen sich die drei Sportfreunde der AOK kurz, vergleichen und diskutieren ihre unabhängig voneinander erarbeiteten Ergebnisse und kommen dann zu einer Empfehlung, welcher Flug am Wochenende durchgeführt werden soll.

Beispiel: Flug laut Reiseplan 520 km. Wetterprognose für den Auflasstag sagt am Auflassort oder großen Teilen der Strecke Regen voraus, der einen Auflass dort verhindert. Die AOK empfiehlt die Distanz des Fluges auf eine Entfernung zu verringern, aus der ein Flug ohne Gefahr für die Tauben im Hinblick auf den Tierschutzgedanken möglich ist.

Weiteres Beispiel: Es ist ein 400-km-Flug angesetzt – die Tauben haben bereits Erfahrungen im laufenden Reisejahr mit 400-km-Flügen gesammelt und sind gut eingeflogen. Die Wettervorhersage sagt stabiles Hochdruck-Wetter mit idealen Flugbedingungen voraus – die Empfehlung der AOK lautet: 400 km nicht durchzuführen, sondern auf 500 km fahren und dort den Auflass starten.

Dieses System ist mit Sicherheit ausbaufähig – man denke an RVen, welche sich beispielsweise die Option offen halten, je nach Witterung am Samstag oder auch Sonntag zu reisen – diesen Weg sind wir bis auf wenige Ausnahmen (noch) nicht gegangen, da die Züchter dieses noch sehr kritisch beachten. Aus meiner Sicht muss dieses aber in naher Zukunft praktiziert werden, um erfolgreich und ohne Verluste reisen zu können! Beispiel Flugwochenende 7. Juni 2003 – Wetterprognose – Sonntag Gewittergefahr für den Nachmittag – Störungen durch Ozon – Inversionswetterlage – Spannungen in der Luft – Flug ab 278 km. Wetter bis in den Nachmittag hinein stabil – und wie erwartet (!) leider sehr schwierig. Die Prognose für den Montag, 8. Juni war bedeutend besser – hier gilt es in Zukunft auszuweichen – im Hinblick auf das Wohl unserer Tauben und die Zufriedenheit unserer Züchter!

Was ist unter dem Begriff Inversionswetterlage zu verstehen?

Inversionswetterlage nennt man eine austauscharme Wetterlage, bei der die normalen Luftverhältnisse umgekehrt sind: wärmere Luft unten, kältere Luft oben und bei der kein oder fast kein Wind weht. Es findet also keinerlei Luftdurchmischung mehr statt. Vielmehr legt sich die warme Luftschicht wie ein Deckel über die kältere Luftschicht am Boden. In dieser kälteren Luftschicht sammeln sich immer mehr Schadstoffe an, weil sie nicht nach oben entweichen können. Diese Wetterkonstellation beeinträchtigt in hohem Maße die Orientierungsfähigkeit unserer Brieftauben. Selbst bei ?optisch? schönstem Sommerwetter mit Sonnenschein kommt es aufgrund von Inversionen zu extrem schwierigen Flügen. Auch hier gilt es möglichst keine Auflässe durchzuführen.

Wer gab den Anstoß zur Einführung des flexiblen Reiseplans und der AOK bzw. welche Ereignisse brachten Sie dazu über die bisherige Praxis nachzudenken?

Ausschlaggebend war ein Antrag im Herbst 2001 mit dem die Diskussion in Gang gebracht wurde – einstimmig wurde ein Arbeitskreis innerhalb der RV beauftragt, einen Plan auszuarbeiten, welcher ohne Rücksicht auf Verbandsauszeichnungen und übergeordnete Meisterschaften zu nehmen nur ein Ziel hatte – keinen Kilometer zu viel fahren, keine Taube z viel verlieren – Sicherheit auf allen Ebenen – ein hohes und erstrebenswertes Ziel – leider nie ganz zu erreichen. Diese Entscheidung wurde in der RV einstimmig beschlossen – im Bewusstsein sich dadurch auch in der Gemeinschaft mit anderen RVen notfalls zu isolieren, da diese den Weg nicht beschreiten wollten.

Erstes Resümee: Das Reisejahr 2002 begann dann auf einer für die Tauben neuen Richtung auch sehr schwer – bis 2001 im Osten änderte man in 2002 nicht nur mit den Alttauben die Reiserichtung (Südost =>Passau), sondern auch das System der Reise. Die ersten drei Preistouren verliefen nicht wie gewünscht – unverhältnismäßig lange Konkurszeiten und leider auch Verluste, die eigentlich vermieden werden sollten. Doch dann schien der Knoten zu platzen – unbeirrt hielten die Züchter zu “ihrer AOK” in der Überzeugung, dass das System richtig sei – man setzte den Weg fort – und das auch mit Erfolg – am Ende des Reisejahres mit den Alttauben konnte man auf zwei erfolgreiche 520-km-Flüge auf der neuen Südostrichtung zurückblicken, die an Tagen stattfanden, die eigentlich nicht vorgesehen waren – aber das Wetter passte. So gesehen also ein erster Schritt auf dem richtigen Weg , allerdings noch lange nicht am Ziel…

Welche Punkte sind grundsätzlich entscheidend für das Gelingen eines Fluges?

Da gibt es mit Sicherheit viele verschiedene Faktoren. Der für mich wichtigste aus der Sicht des Flugveranstalters ist das Zusammenspiel des Teams – AOK, Auflassleiter und Fahrer. Nur im harmonischen Zusammenspiel kann erfolgreiche Arbeit erfolgen. Die AOK nimmt wie oben beschrieben einen entscheidenden Part ein – der Auflassleiter hat in gemeinsamer Teamarbeit mit dem Fahrer den verantwortungsvollsten Part, ihm obliegt das Wohl unserer Tauben. So ist es einerseits unerlässlich vom Fahrer die Bedingungen am Auflassort zu erhalten, andererseits aber mit Hilfe moderner Technik – beispielsweise dem Internet und Videotext die Wetterverhältnisse auf der Strecke abzufragen und entsprechende Schlüsse daraus zu ziehen. Allerdings ist es ebenso wertvoll versierte Züchter auf der Strecke als “Posten” mit in die Planung einzubeziehen. Nur wenn ein Zusammenspiel dieser Faktoren gelingt, gelingt auch der Flug.

Wie handhaben Sie das Tränken und Füttern der Tiere während eines Transportes?

Gefüttert wird grundsätzlich nicht – es sei denn es sollte wirklich ein mehrtägiger Kabiaufenthalt vorkommen, dann mit Mais und handelsüblichem Mischfutter. Beim Tränken legt unser Fahrer sehr großen Wert darauf, mindestens zweimal zu tränken. Zuerst bei Licht direkt bei der Ankunft am Auflassort – dann recht früh am Morgen des Auflasses. Ich selbst war sehr skeptisch, ob die Tiere denn sofort bei der Ankunft trinken – musste mich aber selbst vor Ort eines Besseren belehren lassen.

Wie sieht für Sie das Reiseprogramm der Zukunft aus?

Gute Frage – kann ich allerdings nicht beantworten – sicherlich ist ein Aspekt der Tierschutzgedanke und somit geht ein flexibler Reiseplan schon in die richtige Richtung – was allerdings das starre Meisterschaftssytem des Verbandes und auch der RVen angeht, habe ich noch keine konkreten Vorstellungen, denke aber, dass auf jeden Fall dem geänderten Freizeitverhalten und dem Familienleben ein breiterer Raum eingestanden werden muss, ansonsten geht unser schönes Hobby seinem Ende entgegen?

Gab es größeren Widerstand oder Ablehnung in der Züchterschaft (Akzeptanzprobleme)?

Probleme gab es vor allem mit der Vorstellung der Züchter in der Art – was soll das Ganze, ich habe für 400 km gefüttert – ihr fahrt nur auf 150 km. Dieses Denken war nur schwierig aus den Köpfen zu bekommen. Das größte Problem ist, andere RVen im Regionalverband zu überzeugen.

Wie bewerten Sie die vom Verband angebotenen Schulungen und die Checkliste für Flugleiter?

Guter Service – steckt viel Arbeit hinter – denke ich, vor allem für Neulinge ein absolutes Muss! (Anmerkung des Verfassers:) Die vom Verband ausgegebene Zielformulierung für die Durchführung der Flugleiterschulungen lautet wie folgt:


Zufriedene Züchter und eine stetige
Jugendförderung sind das Motto der RV Herne.

Die Lehrgangsteilnehmerinnen und Teilnehmer planen die Durchführung eines Brieftaubenübungs- und Brieftaubenwettfluges. Sie haben Kenntnis über die Transportfahrzeiten und die vorgeschriebenen Pausen- und Ruhezeiten der Fahrer. Sie kennen die Auflssorte und besitzen ein aktuelles Anschriftenverzeichnis mehrerer Kontaktleute auf der von den Tauben zu überfliegenden Strecke. Sie beurteilen die Großwetterlage, legen die Auflassentfernung fest und bestimmen den Fahrplan einschließlich der Ladezeiten (Einsatzzeiten). Sie haben Kenntnis über das Füttern und Tränken der Reisetauben vor dem Auflass. Sie kennen die Wichtigkeit der Belüftung des Transportfahrzeuges während des Transportes der Tauben. So sandesspezifische und durch Erlass erforderlich kennen sie die Desinfektionsvorschriften, die entweder vor oder nach dem Wettflug durchgeführt werden müssen.

Unter Berücksichtigung der aktuellen Wettersituation ermessen sie mögliche Auflasszeiten. Sie führen Flugsimulationen durch und ermitteln die voraussichtliche Flugzeit. Nach Abwägung aller Risiken entscheiden sie sich für eine Auflasszeit. Sie beschreiben die Witterungsverhältnisse am und um den Auflassort, die Flugstrecke sowie am Zielort.

Sie protokollieren die aktuelle Flugsituation und den Flugverlauf.

In der Checkliste für Flugleiter werden in Form eines Kataloges bestimmte Entscheidungshilfen für Flugleiter angeboten. Für den einen oder anderen Züchter ist es sicherlich interessant hier einen Einblick zu nehmen, nicht zuletzt im Hinblick auf die Organisation und Durchführung von privaten Vor- und Trainingsflügen insbesondere in der Vorbereitungsphase der Jungtiere:

  1. Ist die Sonne voll zu sehen? Sind bei Bewölkung blaue Stellen zu sehen und kommt die Sonne zwischendurch heraus?
  2. Beträgt die Sicht mindestens 5 Kilometer?
  3. Bei geschlossener Wolkendecke – grau in grau – ist kein Auflass freizugeben!
  4. Bei tiefblauem Himmel – insbesondere bei Jungtaubenvor- und Preisflügen – ist abzuwarten bis einige Wolken zu sehen sind.
  5. Kann am Auflassplatz selbst “Leben in der Luft" festgestellt werden, also fliegende Vögel etc. und deuten die Tauben durch ihr Verhalten an, dass sie aufgelassen werden wollen?
  6. Die witterungsbedingt beste Zeit für den Auflass nutzen. In den Monaten April, Mai, Mitte August und September ist ein früher Auflass nicht die beste Zeit!)
  7. Beträgt die Temperatur am Auflassort und auf der Strecke mehr als 7° C?
  8. Nach abziehendem Gewitter sind mindestens 60 Minuten zu warten!)

Woher beziehen Sie die für den Auflass notwendigen Informationen, haben Sie besondere Info-Quellen?

Siehe oben: Internet, Videotext, Wetteramt, Verbandvorhersage, Streckenposten.

Wie sollte Ihrer Meinung die Vorbereitung der Tiere am Einsatztag durch die Züchter aussehen?

Oje, – viele Wege führen nach Rom – es gibt bestimmt eine ganze Reihe unterschiedlicher Methoden, die der eine für gut, der andere für schlecht hält. Wichtig ist dass der “Akku” der Tauben gefüllt ist, dass vor allem ausreichend Energie und Wasser gespeichert werden konnten.

Der Verband gibt vor für gefahrene 100 km eine Stunde Ruhezeit?

Diese Regelung hat mit Sicherheit ihren Sinn – wir setzen zwar recht früh ein – jedoch mit dem Gedanken an einen möglichst ruhigen Transport und ausreichend Ruhezeit am Auflassort.

Welches Futter wird bei längerem Aufenthalt gegeben?

Mais und handelsübliches Mischfutter.

Anmerkung des Autors: Die Frage was man während des Transportes und am Auflassplatz am besten füttert, ist sicher eine der strittigsten Fragen.
Alle möglichen Lösungen wurden im Laufe der Zeit versucht. Die Ernährungslehre kann uns hier den Weg zeigen. Man hat herausgefunden, dass die Erhöhung des Eiweißgehaltes des Futters (viele Hülsenfrüchte) den Durst stark ansteigen lässt. Die Erklärung findet man in dem was man spezifisch dynamische Wirkung von Eiweiß nennt.

Es braucht, damit es verdaut werden kann, viel mehr Energie als Fett (nicht zu verwechseln mit der Tatsache, dass Eiweiß bei seiner Verbrennung wenig Energie und Oxidationswasser liefert). Diesen besonderen Effekt können wir selbst erleben wenn wir übermäßig viel Fleisch zu uns genommen haben. Setzt die Verdauung ein, wird einem warm und man fängt an zu schwitzen.

Genauso geht es einer Taube nach der Aufnahme von eiweißreichem Futter mit vielen Hülsenfrüchten. Die Folge ist ein erhöhtes Wärme- und Durstgefühl. So etwas kann sicher nicht als sehr günstig bezeichnet werden für eine Taube, die wenig später die schwere Aufgabe hat, den Weg nach Hause zurückzulegen. Mais ist leicht verdaulich und enthält wenig Eiweiß, eine bedeutende Menge Fett und viel Kohlenhydrate. Der Gehalt an Kohlenhydraten im Mais bewirkt, dass die Fettreserven, die der wichtigste Energielieferant während des Fluges sind, nicht gleich zu Beginn des Fluges schon in Angriff genommen werden müssen.

Wie beurteilen Sie die Idee der Na Vluchten im September und Oktober für Alt und Jungtauben die in den Niederlanden praktiziert wird?

Kann man anbieten als Ergänzung – habe aber zuwenig Erfahrung damit.

Herr Peil, ich bedanke mich für das Interview und wünsche das nötige Glück bei den Auflassentscheidungen!

Guido Stüppardt


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