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Augenmethode macht Furore
Ein Spezialist in der Augenbewertung, Wolfgang Große Ophoff
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Wolfgang Große Ophoff bei der Bewertung.
Uwe Stoffel machte die Augenfotos.
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Besonders im Frühjahr zur Anpaarungszeit nutzen
die Taubenliebhaber die unterschiedlichsten Bewertungsmethoden, um
ihre Tauben so günstig wie nur möglich, zu verpaaren. Während
unserer Schlagreportagen im vergangenen Jahr wurden wir mehrmals auf
einen Züchter aufmerksam, der durch seine Fähigkeiten in der
Bewertung von Augentheorien für Furore sorgte. Verschiedene Schläge
aus dem Ruhrgebiet ließen nämlich ihre Zuchttauben
bewerten, um sie später optimal zu verpaaren. Einige dieser Schläge
zeigten später erhebliche Leistungssteigerungen. Der Züchter
Wolfgang Große Ophoff ist mittlerweile durch seine
Bewertungsmethode, recht populär geworden. Wir haben versucht,
das Wissen dieses Sportfreundes zu ergründen.
Einleitung
Stellt man die alljährliche Masse an verkauften
Ringen den daraus folgenden Leistungstauben gegenüber, so wird
jedem Züchter bewußt, daß wir eigentlich nicht
richtig züchten. Jeder Züchter kann nur ein Bruchteil an
wirklichen Leistungstauben züchten. Tatsache ist allerdings, daß
aufgrund einiger Klassifizierungstheorien eine größere Möglichkeit
geschaffen wurde, die erstrebte As-Taube zu züchten. Wenige von
den angeblichen Kennern konnten die aussagekräftigen Werte zum
Wettfliegen und Züchten, wie sie sich im Auge einer Taube zeigen,
benennen. Einige Personen betitelten sich als Fachmann, konnten aber
trotzdem von der Sache nichts vermitteln. Man sollte auch davon
ausgehen, daß der sogenannte "Augen-Spezialist" mit
seinen Tauben auf höchsten Niveau reisen sollte.
Die Kenntnisse
In den Jahren 1987 und 1988 erwarb Wolfgang Große
Ophoff in verschiedenen Lehrgängen alle wichtigen Kenntnisse zur
Augenklassifizierung. Seine Lehrväter waren die englischen
Gutachter Brian Vickers und Bill Woodall. Besonders mit Brian Vickers
besuchte er sehr viele in- und ausländische Spitzenschläge.
Die heutigen Kenntnisse von Sportfreund Ophoff beruhen auf der
kontinuierlichen Unterstützung, die er von Brian Vickers auf den
vielen Exkursionen erfahren hat. Es ist eine schwierige Sache, diese
Taubenbewertung durch besondere Kennzeichen der Augen vorzunehmen.
Viele andere Sportfreunde sind daran gescheitert.
Die Iris
Die Iris ist das wichtigste Kriterium zur
Augenbewertung. Bei der Beurteilung des Auges sind fünf Aspekte
zu beachten:
- die Iris
- der Korrelationskreis
- der Korrelationskreis
- die Entfernungslinien
- die Geschwindigkeitslinien
Die Iris ist das Hauptmerkmal bei der Augentheorie.
Schwierig ist die Bewertung einer gebrochenen oder unregelmäßigen
Iris. Es wird damit keine Iris gemeint, die in der Nähe des
Korrelationskreises die Farbe wechselt, sondern eine Iris, die auf
einer Seite hervorragt und auf der anderen Seite abflacht. Werden
Tauben mit einer schwachen und starken Iris zusammengepaart, werden
wahrscheinlich gute und schlechte Tauben aus diesem Paar gezüchtet.
Aus 95 Prozent aller Bewertungen des Auges sind bereits 90 Prozent in
der Iris zu erkennen. Der Schlüssel der Augentheorie von Brian
Vickers basiert auf dem Grundsatz, daß Farbaugen bedeutungslos
sind. Es soll daher bei der Verpaarung auch nicht auf die Farben
geachtet werden.
Der Korrelationskreis soll nur einen kleinen Hinweis
auf die Entfernungs- und Geschwindigkeitsbegabung geben. Bei einem
Zuchttier soll ein wohlgeformter Kreis von der Qualität der Taube
Auskunft geben. Die Mindestqualität einer guten Reisetaube soll
eine vollständige und ununterbrochene Iris sein. Die Dichte der
Iris soll auch Merkmal für höhere Wettflugfähigkeiten
darstellen. Hinsichtlich der Flugfähigkeit werden fünf
verschiedene Punktwertungen vorgenommen. Eine Taube mit zweifelhaften
Fähigkeiten erhält 9,15 Punkte, der absolute Spitzenfliegen
erhält 9,5 Punkte.
Der Korrelationskreis
Bei den meisten Tauben fällt der
Korrelationskreis vom Rand der Iris ab. Dieser Kreis enthält auch
die wichtigen Geschwindigkeits- und Entfernungslinien. Die
Entfernungslinien befinden sich um den Kreis herum, die
Geschwindigkeitslinien sind quer an der Seite zu erkennen. Die Breite
des Korrelationskreises spielt keine bedeutende Rolle, lediglich in
der Zucht ist dafür zu sorgen, daß diese Kreise gezüchtet
werden. Man sollte daher nicht zwei Tauben mit einem schwachen
Korrelationskreis zusammensetzen. In der Augenbewertung ist es
besonders schwer, Inzucht gezogene Tiere zu klassifizieren.
Inzuchtaugen haben meist eine zu flache Iris, somit gehen Fähigkeiten
verloren. Im Prinzip sollen nur Gute an Gute verpaart werden mit dem
Ziel, eine Geschwindigkeits- oder Kilometerbegabung zu vererben.
Ein Augenkenner
Wolfgang Große Ophoff ist nicht nur ein
Fachmann der Augenbewertung, sondern auch ein ausgezeichneter Spieler.
Er wurde mehrmals erster RV-Meister mit Jung- und Alttauben. 1998 war
er 13. Verbandsmeister im 2. Bezirk. In der Saison 1999 wurde auf dem
Nationalflug Orléans der Sieg in der Zone III errungen.
Angefangen hat er vor rund 20 Jahren mit mittelmäßigen
Reiseerfolgen. Nachdem er die Augenklassifizierung von Brian Vikkers
erlernt hatte, konnte er durch gezielte Paarungen deutlich bessere
Reisetauben züchten. Für ihn zählt in erster Linie, wie
kann es anders sein, das gute Auge. Natürlich setzt sich der
Erfolg der einzelnen Taube wie ein Puzzle aus folgenden Punkten
zusammen:
- Züchter,
- Schlag,
- Gesundheit.
Praktische Anwendung
Als Hilfsmittel für eine richtige
Taubenaugenbewertung sollen eine Lichtquelle und eine Lupe mit
15facher Vergrößerung vorhanden sein. Der natürliche
Sonnenschein bietet optimalen Lichteinfluß für die
Bewertung der Augenzeichen. Wolfgang Große Ophoff mag es, wenn
beim Sonnenlicht die Pupille der Taube ganz klein wird und zu zittern
anfängt. Dieses Zittern der Pupille beschreibt er als eine
hervorragende Eigenschaft einer Spitzentaube. Meistens sind diese
Tauben auch die sogenannten "Wringer-Typen", welche sich mit
allen Kräften wehren, wenn man sie in die Hand nimmt. Sportfreund
Große Ophoff ist der Meinung, daß er zu 95 Prozent die
guten Tauben bei einem Schlagbesuch herausfindet. Von den guten Tauben
gibt es aber nur wenige, die auch gute Vererber sind. Diesen Vererbern
gibt er in seiner Bewertung das Prädikat "Inzucht". Um
dieses Merkmal zu identifizieren, müssen verschiedene Merkmale im
Auge vorhanden sein. Um gute Reisetauben zu züchten, wird stets
vermieden, Tauben mit gleichen Farbaugen zu verpaaren. Auch werden bei
dieser Methode keine Tauben mit schwarzen Wertringen verpaart.
Ein Vogel vererbt seine Fähigkeiten den
weiblichen Nachkommen, eine weibliche Taube hingegen den männlichen
Artgenossen. Hier sollte man davon abraten, die Jungvögel einer männlichen
As-Taube zu kaufen. Die umgekehrte Logik trifft natürlich auch
zu. Eine bevorzugte Paarung ist, das Preisträgervatertier mit
seiner Tochter zu paaren, einen Sohn aus dieser Paarung mit einem
hochkarätigem As-Weibchen einer völlig anderen Linie zu
kreuzen. Wenn man anschließend eine Tochter aus der letzten
Paarung wieder an das Preisträgervatertier verpaart, sollen die
daraus folgenden Tiere nicht gerade schlecht sein.
Hilfsmittel
Die Augenbewertungsmethode ist in den vergangenen 20
Jahren praktisch erprobt worden. Züchter, die diese Methode
erlernt haben und später umsetzen konnten, haben in erheblichem
Maße davon profitieren können. Es gab aber auch einige
Neugierige, die an diesem Prinzip gescheitert sind. Die
Augenbewertungsmethode obliegt dem Fingerspitzengefühl des
einzelnen Profis und ist niemals zu 100 Prozent aussagefähig. Wir
sollten allerdings den "Hut abnehmen" vor Fachleuten wie
Wolfgang Große Ophoff, die dieses Augensystem verstanden haben.
Während eines Schlagbesuches haben wir erlebt,
wie schnell und präzise der Augenfachmann Große Ophoff die
guten von den schlechten Tieren trennen konnte. An dieser Stelle möchten
wir uns auch für die Mitarbeit von Uwe Stoffel bedanken, der die
folgenden Augenfotos mit einer speziellen Kamera für uns
aufgenommen hat.
Redaktion
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