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Brian Vickers und Pete Pobor

Die Augenzeichen von Brieftauben
Systemvergleich und Erfahrungsbericht
"Verabscheue das Minderwertige, verschmähe Unfähigkeit,
hasse das Mittelmäßige und Gewöhnliche aber dulde das
Kolossale und Du wirst ein Sieger sein. Wenn Du diese Haltung nicht
ausfüllen kannst und Du mit der Bedeutungslosigkeit zufrieden
bist, wird Dich der Wettbewerb als Verlierer bestätigen."
(Pete Pobor)

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5960b |

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806 |

950 |

zerbrochen |

Perle 1 |

Perle 2 |

Auge 1 |

Auge 2 |

Auge 3 |

Auge 4 |

Vergleich |
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Die vorstehenden Augenfotos wurden freundlicherweise
von Herrn Pobor zur Verfügung gestellt. Die Bezeichnung "Perle",
bedeutet lediglich, daß es sich um ein "Glasauge"
handelt. Das Foto "Perle 2" zeigt ein -nach Pobor- nicht zur
Zucht geeignetes Auge, obwohl Geschwindigkeitslinien zu sehen sind.
Der Wertring wird mit #1 bewertet. Die übrigen Augen sind alles
sehr gute Zucht- und Reiseaugen. D. h. alle besitzen eine
Wertringbreite der Stufe #3 und #4. Mit #1 und #2 wird nicht gezüchtet,
da dabei -nach Pobor- zuviel "Ausschuß" anfällt.
Seit mehr als zehn Jahren beschäftige ich mich
unter anderem auch mit den Augenzeichen von Brieftauben um das Zucht-
und Reisepotential unseres Bestandes zu sichern bzw. zu erhöhen.
Ich bin mir bewußt, daß jedes
Augenzeichen-System wissenschaftlich, aus Sicht der Vererbungslehre,
nicht haltbar ist. Durch meine eigenen Erfahrungen bin ich jedoch zu
dem Schluß gekommen, daß man bei der Zucht von
Leistungstauben die Augenzeichen berücksichtigen sollte. Mehr als
70 % der von mir betrachteten wirklich guten Vererber haben, unabhängig
vom System (Pobor oder Vickers) qualitativ hochwertige Augenzeichen.
Warum dies so ist ? Darüber läßt sich trefflich
streiten! Als ausgesprochener Praktiker, halte ich mich an Fakten.
Zu meiner Reputation hinsichtlich selbst errungener
Erfolge (Schlaggemeinschaft F. u. S. Bänziger) u. a. 1.
Bezirksmeister des Verbandes, etliche erste Konkurse und Erfolge
abgegebener Tauben im In- und Ausland (u. a. 1., 2.,9. Platz
Kuwait-Derby 1996), habe ich Herrn Obster geeignete Unterlagen
vorgelegt.
Im folgenden werden die wesentlichen Unterschiede der
Augenzeichensysteme von Brian Vickers, England, und Pete Pobor, USA,
vorgestellt und erörtert, wobei ich eigene Erfahrungswerte
einfließen lasse.
Gemeinsamkeiten:
Beide Systeme haben das Ziel das Zucht- und/oder
Reisepotential einer Taube ausschließlich anhand der
Augenstruktur zu bestimmen. Die Farbe der Augen, gleich ob Farb- oder
Glasauge, ist dabei kein Wertkriterium. Meines Erachtens werden körperliche
Mängel von Tauben mit starken Zuchtaugen ebenfalls dominant
vererbt. Die Leistungstaube benötigt als Athlet aber auch einen
leistungsfähigen Körper. Deshalb messe ich persönlich
dem Körperbau und der Vitalität der Taube ebenfalls einen
hohen Stellenwert bei.
Beide Systeme legen ihren Aussagen sowohl die
Struktur bzw. Aufbau der Iris und die Beschaffenheit des Wertrings
(Korrelationskreis, Pupillenring) zugrunde.
Es ist allerdings darauf hinzuweisen, daß sich
das Taubenauge bis zu einem Alter von drei Jahren stets verändert.
In aller Regel wird der Irisaufbau stärker und der Wertring
breiter.
Das Brian Vickers System:
Bei Vickers erfolgt 90-95 % der Gesamtbewertung
anhand der Struktur und des Aufbaus der Iris. Kurz: je üppiger,
desto wertvoller. Wobei mit sehr vielen Abstufungen gearbeitet wird
(9.10, 9.15, bis 9.50). Vickers liest aus dem Wertring
(Korrelationskreis) die Fähigkeit die Geschwindigkeits- und/oder
die Entfernungsbegabung zu vererben. Wobei die Breite des Wertrings
keine Rolle spielen soll.
Persönlich konnte ich beobachten, daß
Tauben, die sowohl Weitstrecken- als auch Geschwindigkeitslinien im
Wertring besitzen naturgemäß über relativ breite
Wertringe verfügen (müssen), sonst würde wohl auch der
Platz für die beiden Merkmalsausprägungen fehlen.
Bei so mancher Spitzentaube sind mir die
Geschwindigkeitslinien aufgefallen, allerdings lag die Häufigkeit
bei etwa 50 %, so daß ich dieses Merkmal nicht überbewerten
würde. Bei schwarzen Wertringen sind diese Zeichen ohnehin nicht
zu erkennen. Ich möchte jedoch nicht für mich in Anspruch
nehmen, ein Experte des Vickers- oder Pobor-Systems zu sein. Das
Zittern der Pupille betrachtet Vickers als hervorragende Eigenschaft.
Diese Feststellung habe ich allerdings auch schon gemacht.
Die Farben der Wertringe werden in gelb, weiß,
grau und schwarz unterschieden, wobei schwarze Wertringe nicht
(untereinander?) verpaart werden sollen. Ich selbst strebe stets nach
Ausgleich, deshalb versuche ich möglichst auch unterschiedliche
Wertringfarben aneinander zu paaren.
Sogenannte Bullaugen (Scheckaugen) werden nicht
bewertet. D. h. sie werden auch nicht verworfen. Einer unserer Stammvögel
besitzt Scheckaugen.
Das Pete Pobor System:
Herr Pobor hat mir mitgeteilt, daß die zu
seinem Aufsatz in der Zeitschrift "Rauschende Schwingen" veröffentlichten
Augenfotos (so auch die Fotos im "Magazin" des
Internet-Taubenschlages) nicht von Pobor-Tauben stammen. Er hat sich
darüber auch etwas geärgert, was verständlich ist, wenn
man die Augen seiner Asse mit den abgebildeten vergleicht. Keines der
abgebildeten Augen entspricht auch nur annähernd einem
Pobor-Zuchtas, weil die abgebildeten Augen alle sehr schmale Wertringe
besitzen, die Pobor nicht in der Zucht einsetzt, weil diese seiner
Meinung nach viel zu viel "Ausschuß" produzieren. Das
zweitunderste Bild entspricht nach dem Pobor-System einem
ausgesprochenen "Nur-Reise-As". Für Pobor ist die
Breite des Wertrings das allesentscheidende Wertkriterium. Je breiter
desto besser die Eignung alle Entfernungen an der Spitze zu fliegen.
Aber auch die Struktur bzw. Aufbau der Iris determinieren die Qualität,
vor allem den Zuchtwert (ähnlich wie beim Vickers-System). Es
gibt bei Pobor allerdings nicht einmal halb so viele Abstufungen wie
bei Vickers.
Unter der Adresse
www.pigeonparadise.com
gibt es auf der Homepage einen Link "Articles by Pete Pobor"
dort sind originale Augen von Pobor-Tauben zu sehen.
Auch bei den Bullaugen (Scheckaugen) kann man laut
Pobor wenigstens die Breite des Wertrings erkennen. Aus eigener
Erfahrung kann ich berichten, daß man auch bei den Scheckaugen
Unterschiede in der Irisstruktur und beim Wertring sehen kann. Die
Farbe der Wertringe sowie irgendwelche Zeichen im Wertring oder
Muskeln um die Pupille hält er für völlig unbeachtlich.
Viele in seinem Buch abgebildeten Zucht-Asse besitzen schwarze
Wertringe. Allerdings sieht er gerne ein Auge in welchem Bewegung ist.
Pobor behauptet, daß nur das rechte Auge der
Taube Auskunft über den Zucht- und Reisewert einer Taube geben
kann. Auch ich habe festgestellt, daß das rechte Auge sowohl in
Bezug auf die Iris als auch auf den Wertring eine ausgeprägtere
Struktur aufweist als das linke.
Bei unseren besten Zucht- und Reisetauben habe ich in
keinem Fall einen schmalen Wertring festgestellt. Die Breite der
Wertringe dieser Tauben liegt wirklich oft über dem gängigen
Mittelmaß.
Auch kenne ich zwei Sportfreunde, die beide mit der
Nachzucht von zwei Vollbrüdern zum 1. nat. Bourges von Jan
Grondelaers sehr erfolgreich sind. Als ich diese Tauben das erste Mal
sah, viel mir sofort der ungewöhnlich breite Wertring auf!
Pete Pobor hat einen eigenen Stamm Tauben gezüchtet,
welche in USA, Australien und England in "Pobor-Studs" in
Takt gehalten und auf der Reise erprobt werden. Freddy Thienpont,
Belgien, der offensichtlich etliche Internetauftritte, auch von sehr
erfolgreichen Züchtern, organisiert hat, hat sich Pobor-Tauben
zugelegt, was mich persönlich auf das Pobor-System aufmerksam
werden lies.
Resümee des Systemvergleichs:
Insbesondere für "Einsteiger" in die
Augentheorie ist das Pobor-System wesentlich einfacher als das
Vickers-System. Ob es das bessere System ist kann und möchte ich
nicht beurteilen. Interessant finde ich die Tatsache, daß Pobor
breite Wertringe favorisiert und Vickers den Tauben mit vielen
Geschwindigkeitslinien und gleichzeitig vielen Weitstreckenlinien, was
anatomisch einen entsprechend breiten Wertring erfordert, ebenfalls
einen hohen Wert einräumt.
Ein Jahrzehnt unterwegs mit der Lupe:
Ich selbst habe meine ersten Erfahrungen im Jahr 1989
anhand des Vickers-Systems gemacht. Nachdem ich mich auf der
Brieftauben-Olympiade in Dortmund eingehend mit Bill Woodall (wohl ein
Partner von Brian Vickers) unterhalten und dessen 9.50/9.50 Tauben
betrachtete hatte, habe ich aufgrund dessen "Anleitung für
Einsteiger" lediglich eine Unterscheidung in starke, überdurchschnittliche
und schwache Augen mit ganzem oder unvollständigem Wertring
getroffen. Mit "schwachen" Augen züchte ich nur zum
experimentieren, allerdings bisher ohne nennenswerten Erfolg. Ich
versuche jedoch immer "überdurchschnittliche" und "starke"
Augen zu verpaaren, weil ich die Erfahrung gemacht habe, daß die
Jungtauben aus der Kombination "stark x stark" oft schon
ganz früh am Schlag verloren gegangen sind. Diese Kombination
mache ich jedoch im Sommer und setze die Jungtiere direkt in eine
Voliere um aus ihnen im folgenden Jahr zu züchten.
Ich bin nach über zehn Jahren Reise- und
Zuchtarbeit mit manuellen Auslesetechniken, u. a. mit der "Augentheorie",
davon überzeugt, daß es ohne Berücksichtigung der
Augenzeichen nicht möglich gewesen wäre, den Genpool, die
Leistungsstärke und Präpotenz von drei Ausgangstauben der
Jahrgänge 1968 und 1973 auf unserem Schlag so hoch zu verdichten,
wie dies heute der Fall ist. Die Tauben sind zu mehr als 90 %
miteinander verwandt. Die einstigen "Reise-Asse" vererben
ihre Fähigkeiten im In- und Ausland auf die folgenden
Generationen weiter, der Reiseschlag ist in Bezug auf die Zucht
vielleicht sogar wertvoller als der Zuchtschlag geworden. Allerdings
bin ich kein "Augenzeichenfanatiker". Für mich muß
eine schnelle und vererbungsstarke Taube auch einen
athletischen/aerodynamischen Körperbau und eine hohe Vitalität
besitzen. Allem voran geht natürlich, daß die Basistauben
aus einer außergewöhnlichen Leistungsfamilie von wirklichen
"Extratauben" entstammen. Ich bevorzuge dabei alte, bewährte
Taubenfamilien.
Fazit:
Alle bisherigen Ausführungen nützen jedoch
nichts, wenn die beiden wichtigsten Voraussetzungen für den
Erfolg im Brieftaubensport nicht erfüllt sind, Gesundheit und
Fitness des gesamten Bestandes. Denn eine alte Weisheit im
Brieftaubensport lautet: "Form schlägt Klasse"!!!!!
Friedrich Bänziger
Bei Fragen steht Ihnen der
Züchter-Stammtisch
zur Verfügung.
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