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Cordoba-Rennen 1998
Erstmals deutsche Beteiligung in Argentinien
Die Ergebnisse
In der Provinz Villa Carlos Paz bei Cordoba, etwa 650 km
entfernt von der Hauptstadt Buenos Aires, findet seit sechs Jahren ein
internationales Jungtaubenrennen mit dem Namen "Colombodromo Internacional
Centro Republica" statt. Dieses Rennen ist im südamerikanischen Raum
und besonders in Argentinien sehr populär.
 Die
deutsche Reisegruppe bei einer der vielen Ausflüge.
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Zur diesjährigen Veranstaltung wurden mehr als 1100
Tauben eingesandt; alleine die Züchter aus der Bundesrepublik beteiligten
sich mit 53 Tauben. Jeder Züchter konnte einzelne Serien von jeweils vier
Tauben übersenden und mußte dafür 200 Dollar zahlen. Von den
vier Tauben erhielten jeweils zwei Tiere den Reservestatus; erst wenn alle Vorflüge
überstanden wären, hatte der Züchter die Möglichkeit, am
Einsatztag für die restlichen Tiere zu zahlen.
Ein besonderes Spiel
Das Einsatzgeschehen in Cordoba verlief völlig anders,
als wie wir es in Europa kennen. Alle noch vorhandenen Tiere wurden züchter-
und serienweise in Ausstellungskäfigen präsentiert. Das Einsatzlokal
glich daher einer riesigen Taubenausstellung. Zum Endflug in Villa Carlos Paz
blieben genau 902 Tauben übrig, und diese wurden alle zur Schau gestellt.
Jeder Züchter konnte nun seine eigenen Tauben aus den Käfigen nehmen
und persönlich einsetzen. Eine Kontrollkommission erfaßte schließlich
die Tauben und setzte sie in die Transportkabinen. Für jede bezahlte Serie
von zwei Tauben erhielt man jeweils ein Einsatzformular.
Wenn ein Züchter Tauben verloren hatte, konnte er andere
Tiere auswählen, für die der Züchter nicht bezahlt hatte. In
einem Beispiel sieht dies folgendermaßen aus: Wenn der Züchter XY
vier Tauben mit einer Startgebühr von 200 Dollar eingesandt hatte, aber
leider keine Taube mehr auf dem Schlag war, so konnte er nun zwei Tiere
aussuchen, für welche er nicht zahlen wollte. Am Einsatztag sah dies so
aus, daß jeder Teilnehmer für sein bezahltes Startgeld zu 100 Prozent
beteiligt war und somit den Hauptgewinn von 14 000 Dollar gewinnen konnte.
Gastfreundlichkeit
 Martha
van Geel und Willi Ferchen übergeben einen Wettgewinn von 2000 Dollar
an den Sieger.
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Wenn auch immer wieder die eine oder andere Sache beanstandet
werden kann, was das Organisieren eines solchen Jungtaubenrennens anbelangt, so
kann man in puncto Gastfreundlichkeit kaum erwarten, noch mehr geboten zu
bekommen. Die angereisten deutschen wie auch holländischen und belgischen
Teilnehmer waren von der ersten Minute bis zur letzten späten (oder eher frühen)
Stunde von dem üppigen, ja fast erdrückenden Angebot überwältigt.
Ein so perfekt gestaltetes und im Detail überaus gelungenes, durchdachtes
Arrangement sucht sicher weltweit seinesgleichen. Die für ein "neuentdecktes"
Rennen dieser Art teilnehmende Schar an deutschen Züchtern war erstaunlich
groß. Um so vielfältiger waren die ausgetauschten Eindrücke.
Auch schwappte schnell die typisch spanische Nonchalance der südamerikanischen
Mentalität auf die deutsche Gruppe über. Obwohl der überall
auftretende "harte Kern" sich über die Jahre gut kennengelernt
hat, kamen sich bei den opulenten Mahlzeiten und gemeinsamen Ausflügen die
deutschen Züchter so nahe wie noch nie. Und dann war da noch die magische
Zahl "490". Das etwa eine Woche andauernde Programm für die
Teilnehmer, bestand aus sechs Nächten im ersten 4-Sterne-Hotel am Platz,
Vollpension inklusive. Getränke und mehrere Gänge zählende Menüs,
Grillpartys, Bustouren, Eintrittskarten, Shows und Galaabend, Präsente und
Urkunden gab es für unglaubliche 490 Dollar. Ein Preis, der hierzulande für
ein solches Überangebot nicht annähernd zu realisieren wäre.
Endflug über 500 km
Am Donnerstag, dem 3. Dezember 1998, fand der offizielle
Endflug im "Colombodromo Internacional Centro Republica" in Cordoba
statt. Der Auflaß der 902 Tauben in der Entere Rios Provinz, 500 km östlich
gelegen, erfolgte um 7.00 Uhr bei einer Temperatur von 30 Grad im Schatten. Auf
der Flugstrecke herrschte leichter Seitenwind, und die Temperaturen stiegen tagsüber
auf 40 Grad, außerdem mußten die Tiere streckenweise einige
Bergketten überqueren.
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 Die
Schlaganlage "Colobodromo Internacional Centro Republica" in
Cordoba.
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Zu dem Taubenrennen in Villa Carlos Paz wurden im Juli 1998
etwa 1100 Tauben aus Südamerika sowie aus Belgien, Holland, Spanien und
Deutschland angemeldet. Auf den Vorflügen gingen nur rund 200 Tauben von
den 1100 eingesandten Tieren verloren. Allerdings war auffallend, daß von
den Tauben aus Europa nur noch etwa 50 Prozent vorhanden waren. Am Vorabend des
Endfluges erfuhren die angereisten Züchter aus Europa, daß ihre
Tauben an einer Paramyxo-Virusinfektion erkrankt waren und deshalb getötet
werden mußten. Die anwesenden Züchter aus Holland, Belgien,
Deutschland und Spanien waren sehr enttäuscht darüber, erst einen Tag
vor dem Einsatz diese Information zu erhalten, schließlich waren Züchter
dabei, die erst jetzt erfuhren, daß keine ihrer Tauben am Rennen
teilnehmen würde. Zur Problematik: Alle Tiere aus Übersee wurden zunächst
zur Verbandsstelle des argentinischen Verbandes nach Buenos Aires gesandt. Auf
dem Schlag des Präsidiums wurden die Tiere gesammelt und erst einige Zeit
später ins 650 km entfernte Cordoba gebracht. Während des Aufenthaltes
in der Hauptstadt müssen sich die Tauben mit dem Paramyxo-Viruserreger
infiziert haben.
 Deutsche
Züchter während ihres Taubeneinsatzes
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Nachdem auf dem Reiseschlag in Cordoba die Tauben geimpft
wurden, brach anschließend die Krankheit aus. Diesen Fehler haben
mittlerweile die Verantwortlichen eingesehen; zukünftig wollen sie alle
Tiere direkt bei der Ankunft impfen. Von den 53 eingesandten deutschen Tauben
blieben schließlich noch 21 Stück für den Endflug übrig.
Gegen Mittag des Flugtages versammelten sich mehrere hundert
Gäste zum Barbecue auf dem schattigen Gelände neben dem "Colombodromo
Internacional". Hier wurden die Gäste erneut bestens kulinarisch
betreut. Während alle Gäste der Ankunft der Siegertauben
entgegenfieberten, wurden verschiedene Wetten abgeschlossen. Auf die drei ersten
bestimmten Tauben wurden insgesamt 4000 Dollar gewettet. Die Sportfreunde Willi
Ferchen und Engelbert Heun aus Deutschland organisierten diese große Wette
und verteilten auch das Geld an die Sieger. Viele kleinere Wetten möchten
wir erst gar nicht erwähnen, allerdings zeigt dies, daß der
Brieftaubensport in Latein- und Südamerika ziemlich an Bedeutung gewinnt.
Die Durchführung des Fluges verlief höchst professionell:
- Konstatieren mit dem Tipes-System von Diehl Ident
- Direkte Videoübertragung der Ergebnisse
- Unmittelbare Beobachtung der Ankunft vor Ort.
Unter einer 20 Meter langen bedachten und abgezäunten Fläche
konnten alle Züchter die Ankunft der Tauben "live" miterleben. Es
gab um 14.25 Uhr einen großen Aufschrei, als gleichzeitig zwei dunkle
Tauben zur Landung ansetzten. Sämtliche argentinischen Sportfreunde, welche
an den Tischen saßen, stürmten in voller Hektik zum Aussichtspunkt,
um die ersten Tiere zu sehen.
 Wieder
einmal tolle Stimmung unter den Gästen.
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Die Siegertaube war rasch ermittelt, der Züchter hieß
Carava E. Hijos und stammt aus einer Provinz bei Buenos Aires. Dieser Züchter
konnte die Taubenankunft nur von der Straßenseite aus beobachten, da er
kein Geld hatte, das Eintrittsgeld für die Grillfeier zu bezahlen. Nachdem
die ersten beiden Tiere konstatiert waren, folgte eine mehr als zweistündige
Pause, bis eine weitere argentinische Taube den Schlag anflog.
Insgesamt erreichten am Auflaßtag nur acht einheimische
Jungtiere den Derby-Schlag, davon waren zwei Tauben nicht bezahlt, so daß
diese aus der Wertung genommen wurden. Nebenbei sei bemerkt, daß von den
902 eingesetzten Tieren lediglich ca. 80 nicht bezahlt waren, aber trotzdem
mitflogen. Die Züchter dieser Tauben hatten lediglich Anspruch auf den
eventuellen Versteigerungserlös von 50 Prozent.
Die Käufer der übriggebliebenen Tauben, für
die die Züchter nicht zahlten, hatten ebenfalls keinen Anspruch auf den
Versteigerungserlös, konnten aber alle Preise gewinnen.
Die Züchter Horst und Renate Müller aus Esslingen
bei Stuttgart sandten beispielsweise vier Jungtauben nach Argentinien. Da jedoch
am Einsatztag keine Müller-Taube auf dem Schlag war, konnte man für
das bezahlte Startgeld zwei andere Tauben aussuchen. Mit einer argentinischen
Taube wurde schließlich der 26. Preis gewonnen.
Der internationale Konkurs konnte allerdings am zweiten Tag
um 13.00 Uhr beendet werden, da zu diesem Zeitpunkt ca. 200 Tauben heimgekehrt
waren. Die anwesenden deutschen Züchter waren überrascht darüber,
daß am Vormittag des zweiten Flugtages die Tauben wirklich "Schlag
auf Schlag" einfielen. Wahrscheinlich hatten die Jungtauben am Auflaßtag
zu große Probleme mit den tropischen Temperaturen.
Vielleicht war auch das Trainingsprogramm nicht optimal, denn
die Tiere wurden zuvor nur bis 250 km gespielt. Auf der späteren Auktion
brachten die Tauben Erlöse zwischen 120 und 800 Dollar, die besten Erlöse
erbrachten natürlich die Tiere aus Europa.
Rolf Schlömer
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