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Ein fliegender Neandertaler
Bis vor etwa 30.000 Jahren zogen die „Neandertaler“ genannten Urmenschen
durch die eisige Tundrenlandschaft im Gebiet des heutigen Deutschland. Sie
widerstanden allen Unbilden der Witterung – Eis, Schnee, Kälte, Sturm, Regen,
Hitze – und waren die erfolgreichste Menschenform der Geschichte, denn sie
existierten mehr als 300.000 Jahre. Wir „Jetzt-Menschen“ haben es dagegen erst
auf schlappe 150.000 Jahre gebracht. Und wir sind viel verzärtelter,
empfindlicher und anfälliger gegen Zipperlein als diese Kraftpakete, deren
Muskelmasse der eines heutigen „Mister Universum“ entsprach. Von der Existenz
der Neandertaler erfuhr die Welt erstmals im Jahre 1856, als man das Skelett
eines solchen Vorzeit-Menschen im Tal des Flüsschens Düssel, etwa 10 Kilometer
östlich von Düsseldorf, fand. Dieses Tal trägt den Namen des bekannten
Kirchenlieder-Dichters Joachim Neander (1650 – 1680), der es wegen seiner
Naturschönheiten oft aufsuchte.

Doch was hat das alles mit Brieftauben zu tun? Nun – wir befinden uns hier nicht
in einem anthropologischen Seminar sondern im Internet-Taubenschlag. Sie werden
daher schon vermutet haben, dass es sich bei unserem „Neandertaler“ um eine
Brieftaube handelt. Hier die Auflösung des Rätsels:
Ein merkwürdiger Name
Vor einigen Wochen haben wir an dieser Stelle über den
Super-Jährigen „Mister 100 Prozent“ 0110-06-514 berichtet. Der Bericht erregte
großes Interesse am Züchter dieses Ausnahmevogels, Werner Roth aus Schwarzenbek
bei Hamburg. Und der besitzt noch eine Wundertaube: Den „Neandertaler“
04587-99-468. Den wollen wir Ihnen vorstellen.
Doch warum hat Werner Roth diesen Vogel „Neandertaler“
genannt? Es gab mehrere Gründe: Der „468“ ist ein Kraftpaket – wie ein
Neandertaler, noch im Alter ein Superflieger und unverwüstlich. Er ist
wetterunempfindlich – wie ein Neandertaler: Ob es stürmt, nebelig ist oder
„Ziegelsteine regnet“, der „Neandertaler“ flog immer Spitze! Und: Seine Mutter
kommt aus dem Neandertal!
Eine interessante Abstammung
Werner Roth ist kein Freund der großen Namen. Er holt sich die Tauben da, wo
Reiseleistung und Zuchtqualität im Mittelpunkt steht. Deshalb finden sich in der
Abstammung des „Neandertalers“ kaum Namen, die „man heute so auf dem Schlag
hat“. Aber Superleistung, die findet sich schon: Der Vater, 04587-88-150, war
ein Spitzenflieger der Sonderklasse, der nach bereits drei Reisejahren in den
Zuchtschlag wechselte. Dort brachte er manchen „Guten“, doch das wahre As, den
„Neandertaler“ zeugte er erst mit 11 Jahren – da hatte Werner Roth die beste „Passerin“
für ihn gefunden.
Diese war die 02539-96-699 vom Schlage H.&S. Goebel aus Haan – am Neandertal!
Sie hatten durch Zufall davon erfahren, dass der Vitesse-Spieler Karel Valckx
aus dem antwerpischen Grobbendonk im Winter 1994/1995 dem Taubensport „adé“
sagen musste.
In Deutschland kannte kein Mensch diesen Züchter, in Belgien aber war er schon
lange Geheimtipp bei den „Großen“ unseres Sports. Unter den 37 Tauben, die
seinen Winterbestand ausmachten, saßen 21 Athleten, die mindestens einen 1.
Konkurs geflogen hatten! Herausragende Taube war der „Oude Blauwe“ B83-6548621,
der bis 1990 über 100 Preise mit 27x 1. Konkurs errang. Seinen Ursprung hatte
dieser Ausnahmevogel in Tauben des seinerzeit auf den Preisflügen der Union
Antwerpen gefürchteten Bäckermeisters Gaston Bierinckx. Fast alle Tauben auf dem
Schlage Valckx waren Kinder, Enkel oder Urenkel des „Oude Blauwe“ und/oder
seiner Nestschwester. H.&S. Goebel gelang es, diesen Vogel ans Neandertal zu
„entführen“. Noch bis 1997 zeigte er auf dem Zuchtschlag, was in ihm steckte.
Sein bester Sohn in Haan war der „Pottmann“ 02539-95-683, der fünfmal den prall
mit 5-Mark-Stücken gefüllten RV-Pott nach Hause flog. Noch heute ist sein Sohn
„277“ einer der herausragenden Zuchtvögel des Schlages.
Werner Roth, der Mann mit dem feinen Näschen für Spitzenflieger, bekam Wind von
der Sache. Er sicherte sich eine Vollschwester des „Pottmann“, die 02539-96-699.
Sie wurde Stammmutter des Roth-Schlages und ist verantwortlich für eine ganze
Reihe von 1. Konkurssiegern. Unter anderem ist sie auch Mutter des
„Neandertaler“.
Eine sensationelle Leistung
Der „Neandertaler“ wurde jung nicht gereist. Praktisch untrainiert war sein
erstes Reisejahr als Jähriger nicht das Beste. 6 Preise standen am Ende des
Jahres 2000 in der Siegerliste. Doch dann legte der Vogel los: 61 Preise bis
2006, darunter ein 1. Konkurs gegen 2330 Tauben im Jahre 2002 und noch ein 1.
Konkurs gegen 2759 Tauben im Jahre 2004, außerdem 8., 9., 13., 16., 18., 20.,
24., 25., 27., 28., 33., 34., 35., 37., 38., 39., 42., 45., 48., 54., 56., 61.,
69., 70., 75., 76., 92., 92., 97., 98. Konkurs gegen gemittelt 2236 Tauben! Von
seinen 61 Preisen flog er insgesamt 52 im ersten Zehntel der eingesetzten Tauben
– von 100 bis über 700 Kilometer. Wer kann auch so eine Taube vorweisen?
Phänomenal: Der „Neandertaler“ wurde von Jahr zu Jahr besser. Sein letztes
Reisejahr 2006 war mit 13 Preisen bei 13 Einsätzen auch gleichzeitig sein
bestes! Ende 2006 wanderte er nämlich in den Zuchtschlag – aber nur deshalb,
weil Werner ihm den Wechsel der Reiserichtung nicht zumuten wollte: Die RV
Lauenburg schwenkte vom Südwesten zum Osten.
Eine Neandertaler-Dynastie
Obwohl der „Neandertaler“ bis 2006 als Witwer flog, und es so nur recht wenig
Nachzucht gab, hat Werner Roth auf dem breiten Rücken dieses Vogels schon eine
ganze Dynastie von Top-Tauben aufgebaut. Eigentlich wäre die Nachzucht des
„Neandertalers“ einen eigenen Artikel wert, doch wir wollen uns hier nur auf die
ganz aktuellen Leistungen des Jahres 2007 beschränken. Wie oben erwähnt
wechselte die RV Lauenburg – beginnend mit der Jungtierreise 2006 – die
Reiserichtung vom Südwesten zum Osten. Das einzige Jungtier aus dem
„Neandertaler“ im Jahre 2006 war der „Matador II“ 04587-06-580. Er fliegt 9
Preise in 2007, davon 6x bis zum 100. Konkurs und war Miterringer sämtlicher
Meisterschaften sowie der Goldmedaille. Er ist übrigens Produkt einer
Linienzucht: Seine Mutter ist die 02539-02-442, die H.&S. Goebel aus den Linien
„Oude Blauwe“, 27x 1. Konkurs, Roodhooft, Alte Goebel-Rasse, Huyskens-Van Riel
und Gebr. Janssen züchteten.
Auch das beste Jungtier des Schlages Werner Roth in 2007, der 04587-07-951,
kommt aus der „Neandertaler-Dynastie“: Seine Mutter ist die 04587-04-1018, eine
Tochter des „Neandertalers“. Sein Vater ist „Blauwe As II“ B04-6359820 von
Raymond Van den Bruel – der Mann, der mit einem Gesamtbestand von 27 Tauben 2.
nationaler Meister Belgiens 2005 wurde. Der „Blauwe As II“ flog jährig bereits
1.,2.,2.,7.,9.,10. usw. Konkurs und gewann die 2. Nationalmeisterschaft für
Raymond Van den Bruel mit.
Der „951“ ist übrigens schon wieder ein „100-prozentiger“: In der RV fliegt er
5/5 Preise und im CFB Hamburg 6/6 Preise!
Die Neandertaler leben also weiter …
Abstammung des „Neandertaler“ 04587-99-468
Vater: 04587-88-150, Spitzenflieger, oben beschrieben; Linie Henk van
Boxtel / Leen Boers. Seine beiden Großväter sind der Nl79-1574693 (original Henk
van Boxtel aus den Linien „Jonge Merckx“ und „Bange van 67“ der Gebrüder
Janssen) und der 09911-81-315, den Heinz Meier (Rahden) aus den Eltern des
„Mirage“ (1. Konkurs gegen 150.000 Tauben) von Leen Boers züchtete. Die beiden
Großmütter des „150“ stammen aus Janssen-Nachzuchten.
Mutter: 02539-96-699, original H.&S. Goebel, Stammmutter des Schlages
Roth.
Großvater: B83-6548621 „Oude Blauwe“ 27x 1. Konkurs. Original Karel
Valckx.
Großmutter: 02539-93-342
Urgroßvater: B89-6485370, original André Roodhooft, Sohn “Geschelpte
Hengst”
Urgroßmutter: 01063-82-1364, original Raymund Hermes, Tochter „Piet“ x
Nl995
Heiko S. Goebel
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