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Der Sonne entgegen, wenn der Start gelingt.
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 Willi Hertel
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Gedanken zu einem Auflass, am Beispiel der RVen Zeitz-Weißenfels und Jena.
Ein Taubenauflass ist immer wieder eine Faszination, nicht nur für einen rein
zufällig vorbeikommenden Frühaufsteher, sondern auch für einen eingefleischten
Brieftaubenzüchter. Zumindest mir geht dies so, und wenn die Klappen fallen
wünsche ich mir in meiner Begeisterung, dass ein jeder Sportfreund sich
zumindest einmal im Leben einen Auflass ansehen sollte. Wie viele von uns waren
noch nicht ein einziges Mal Zeuge eines solchen Spektakels? Ein solches Erlebnis
fesselt, es schafft eine noch intensivere Verbindung an unser wunderschönes
Hobby.
Am Pfingstsamstag war es wieder einmal soweit. Nur 20 Kilometer von meinem
Wohnort entfernt standen in Alsfeld die beiden Fahrzeuge der beiden RVen
Zeitz-Weißenfels und Jena. Mein Wecker tat pünktlich um sechs Uhr seinen Dienst.
Als ich aus dem Bad kam, war der Kaffe schon durchgelaufen und so war ich
bereits Viertel vor Sieben am Ort des Geschehens. Der Fahrer der RV Z-W steckte
im Mittelgang des Fahrzeuges und kontrollierte noch einmal die Wasserstände in
den Rinnen. Sein Kollege aus der RV Jena musste dies von außen tun, denn dieses
Fahrzeug neuerer Bauart hat keinen Mittelgang, dafür aber eine optimale
Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Raumes in seinem Aufbau. Ebenso betreute
er die Tauben in seinem relativ kleinen Anhänger. Ein weiterer Unterschied
zwischen Alt und Neu zeigte sich später beim eigentlichen Auflass. Während am
Kabi der RV Z-W die Klappen gleichzeitig fielen und alle Tauben wie eine Traube
in die Freiheit stürmten, verlief gleiches am moderneren Fahrzeug der RV Jena
deutlich "geordneter", denn durch das Geraldy-System verließen dort die Tauben
wie eine lange Perlenkette die Boxen. Per einmaligem Knopfdruck öffneten sich
automatisch die Boxen reihenversetzt und nacheinander in kurzer Folge, so dass
die Tauben beim Verlassen des Kabinenexpresses kaum untereinander Kontakt
bekamen.
Das den Tauben angebotene Wasser sollte an diesem Tag – so wie bei allen
Pfingstauflässen in diesem Jahr – besonders wichtig sein, denn die stabile
Großwetterlage war mit Wind aus östlichen Richtungen verbunden. Und genau dieser
Ostwind ist dafür bekannt trocken zu sein und auszutrocknen, den Tauben großen
Durst zu bereiten. Wer einmal an warmen Ostwind-Tagen bei der Ankunft seiner
Tiere darauf achtet, wird erkennen, dass auch für seine Tauben Durst schlimmer
als Heimweh ist. Nach ihrer Ankunft suchen sie erst einmal die Tränke auf, wobei
der Hals bei der Wasseraufnahme immer länger wird. Erst danach fliegen sie die
Zelle an.
Sehr oft ist bei solchen Wetterlagen (wir hatten über Pfingsten schon bis an
die 30 ° Celsius und wie erwähnt Wind aus Osten, vom trockenen Festland) auch
der berühmt-berüchtigte stahlblaue Himmel festzustellen. Der Normalbürger schaut
an solchen Tagen nach oben und spricht von einem wunderschönen Tag mit herrlich
blauem Himmel; der erfahrene Brieftaubenzüchter hingegen bezeichnet die gleiche
Feststellung als gefährlich für seine Reisetauben (dazu mein persönlicher Rat:
An solchen Tagen nie die Jungtauben trainieren) und hofft auf aufkommende
Wolken. Diese sind aber eher bei Strömungen aus Südwesten zu erwarten, weil sie
von der Seeseite her zu uns kommen und somit feuchtere Luft zu uns bringen.
An diesem Pfingstsamstag hatten wir nun diesen stahlblauen Himmel, wegen dem
natürlich noch nie ein Preisflug abgesagt wurde und auch nie abgesagt werden
wird – er wird lediglich als "nicht ideal" registriert. Aber es fiel mir
wettertechnisch noch etwas auf: Auf der Fahrt zum Auflassplatz kam ich aus
westlicher Richtung – und weil nun einmal die Sonne im Osten aufgeht, schien sie
mir grell in die Augen. Keine angenehme Sache, wie jeder Autofahrer ebenso weiß
wie der Taubenzüchter, der seine Tauben aus Richtung Sonne zurück erwartet und
versucht dorthin zu sehen. Mir stellt sich die Frage, wie die gleichen Umstände
von den Tauben empfunden werden, offensichtlich ähnlich, denn schließlich macht
sich der Falke die "Blendung" durch die Sonne zu nutze, denn aus der Sonne
kommend greift er ja auch nicht selten an.
Zurück zum Auflass. Bereits um sieben Uhr zeigte an diesem 10. Mai das
Thermometer 10 Grad und um diese Zeit hatten zuhause die beiden Flugleiter über
eine Stunde am Telefon gesessen und ihre Kontakte zu ihren Ansprechpartnern zur
Wetterabfrage genutzt. Den heißesten Draht hatte Sportfreund Hartmut Serfling
von der RV Zeitz-Weißenfels natürlich zu seinem Fahrer Peter Werner, der diesen
Job schon einige Jahre ausübt und in diesem Jahr einen neuen Reisebegleiter
einarbeitet. Das gleiche galt auch für den Flugleiter der RV Jena, den
Sportfreund Dietmar Rotter, der in seinem Fahrer "Hansi" Reichelt auch einen
über nunmehr drei Jahre erfahrenen Mann am anderen Ende der Leitung hat.
Quasi als Test ließen sich die beiden Fahrer ihre Auflassprotokolle von mir
unterschreiben. Diesmal war dies noch eine freiwillige Übung, die im nächsten
Jahr Pflicht werden soll. Die Kommission zur Koordination der Auflassplätze um
ihren Vorsitzenden Ernst Arnold arbeitet intensiv an ihrem Auftrag, in dem die
konzentrierte Festlegung der Auflassorte im Mittelpunkt steht. Dazu gehört aber
auch die Nennung der Sportfreunde, die in Zukunft als "Kontaktmann" vor Ort
(nach französischem Muster) den Fahrern den Auflass mit allen nötigen Daten
quittieren sollen. Sicherlich insgesamt ein Unterfangen, das den Flugleitern und
Fahrern (und nicht zuletzt unseren Tauben) hilfreich sein wird.
Schließlich fiel der Startschuss für die 1.620 Tauben der RV Zeitz-Weißenfels
um 07.10 Uhr und der für die über 2.600 Tiere der RV Jena um 07.25 Uhr. Die
Auflasszeit hatten die Flugleiter mit ihren Kollegen aus Osnabrück, die mit drei
RVen in Fulda standen und mit denen aus dem Ruhrgebiet, die mit 18.000 Tauben in
Hammelburg standen, abgestimmt. Es galt, eine Kollision dieser aus südöstlicher
Richtung heimfliegenden Schwärme mit den eigenen auf der Südwestrichtung
befindlichen Tieren, zu vermeiden. Die nötigen Informationen hatte man bei der
Verb.-Auflassberatung unter "wer steht wo?" eingeholt und mit den Kollegen die
Auflasszeiten abgesprochen.
Es waren jeweils Auflässe wie aus dem Bilderbuch. Die Tauben hatten bereits
fünf Stunden am Ort gestanden und sich offensichtlich schon im Kabi orientiert,
denn nachdem die Klappen gefallen waren, zogen sie nur eine einzige Schleife, um
dann zielstrebig in Richtung Heimat am Horizont zu verschwinden. Die
Flugverläufe waren unter Berücksichtigung des nicht gerade
orientierungsfreundlichen stahlblauen Himmels, des leichten Gegenwindes, der
Durst bereitenden trockenen Festlandsluft und des ständigen Blickes in die noch
relativ tief stehende Sonne, mehr als akzeptabel. Respekt vor der Leistung
unserer Brieftauben, sie leisten phantastisches – auch wenn sie keinen Preis
fliegen!
Ähnlich glatt wie der Flug in der RV Zeitz-Weißenfels, verlief er auch in der
RV Jena. Wie vom dortigen RV-Vorsitzenden und dem Flugleiter Dietmar Rotter zu
erfahren war, meldete sich von diesem 175 km-Flug die 1. Preistaube bei
Sportfreund Werner Dachrodt nach zwei Stunden Flugzeit zurück. Der Konkurs war
25 Minuten offen und genau in dieser Zeit liefen bei dem in Jena wohnenden
28jährigen Neueinsteiger Benjamin Mehlberg, vom Verein 09487, fünf seiner sechs
gesetzten Tauben über die Antenne. Ein Einstieg nach Maß: Den 1. Preisflug der
Saison 2008 wird er nicht vergessen. Glückwunsch!
Auch das sollte an dieser Stelle einmal gesagt werden: Seit 1993 zahlen die
Sportfreunde der RV Jena für jede zum 1. Preisflug gesetzte zusätzlich 10 €-Cent
in eine gesonderte Kasse. Als sportlicher Anreiz bekommt der
Besitzer der schnellsten Taube dieses Fluges einen Pokal und das eingenommene
Geld wird alljährlich eine Woche vor Weihnachten an die Kinderklinik Jena, der
Abteilung Kinder-Krebshilfe überwiesen oder überreicht. Die Flüge unserer
Brieftauben sind nicht nur etwas besonderes, man kann sie auch ins rechte Licht
rücken, wie abschließend dieses Beispiel zeigt. So wünsche ich allen
Sportfreunden nur solche Bilderbuch-Auflässe, wie die, die ich am Pfingstsamstag
beobachten durfte.
"Gut Flug"
Willi Hertel
Dieser Artikel erschien in "Die Brieftaube", Folge 21/08, vom 23. Mai 2008
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Ein solcher Taubenstart aus dem Kabinenexpress heraus vermittelt
Tatendrang – schon beim Auflass zeigen die Tauben ihren
unbändigen Willen, unbedingt nach Hause zu wollen.
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In nur wenigen Sekunden haben alle Tiere die Boxen verlassen. Danach
ziehen sie bei einem solchen Bilderbuchstart maximal noch
eine Schleife über dem Kabi, um danach zielstrebig in Richtung Heimat
abzuziehen.
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Noch ein Blick hinter den Tauben her lässt beim Beobachter so etwas wie
Fernweh aufkommen.
Man könnte neidisch werden über diese unendliche Freiheit und das Lied
"Über den Wolken …" anstimmen.
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Der Kabi der RV Jena ist neuerer Bauart. Die ihm eigene Technik
verhindert das große Gedränge, denn die Boxen gehen (automatisch
gesteuert) versetzt auf, aber immer noch so schnell, dass die „ausgebremsten“
Tauben gut Anschluss bekommen.
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Nach dem Auflass meldet Fahrer "Hansi" Reichelt seinem Flugleiter
Dietmar Rotter Vollzug:
"Der Auflass ist reibungslos verlaufen, die Tauben sind unverzüglich und
geschlossen abgezogen!"
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