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Habicht-Abwehr: Dank "Rotschwänzchen"
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 Willi Hertel
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Nach seinem Nationalflug-Sieg ab
Brive 2004 durfte ich unseren Sportfreund Hermann Winter aus der RV Frankfurt
aufsuchen und über ihn berichten. Nicht jede Interview-Begegnung blieb mir so
nachhaltig in Erinnerung wie diese – insbesondere seine Habicht-Abwehr. Er hält
seine Tauben gar nicht so weit weg vom Zentrum der Großstadt Frankfurt, in einer
Gartenkolonie und somit inmitten eines beachtlich großen Grünbereichs mit
Bäumen, Sträuchern und allem möglichen Bewuchs, das in dieser Form auch irgendwo
auf dem Lande sein könnte. Auf den ersten Blick Natur pur, wo die Haltung von
Brieftauben beneidenswert idyllische betrieben werden könnte. Doch weit gefehlt,
denn auch in dieser Umgebung fühlte und fühlt sich der Habicht sichtlich wohl.
Er schoss sich auf die Tauben von Sportfreund Winter ein, sein Schlag wurde bald
zum Luderplatz und jeder Freiflug zum Horror.
Nun ist aber unser Züchterkollege
von Beruf Metzger und von da her war ihm die farbliche Kennzeichnung von Tieren
bekannt. Mit Sicherheit ist auch jedem von uns der Spruch von den gezeichneten
Schafen bekannt, auf den ich später noch einmal zu sprechen komme. Heute werden
die Tiere, die zum Schlachthof gehen, mit einer ungefährlichen Farbe aus der
Spraydose gekennzeichnet. Wer auf dem Lande zuhause ist und einmal eine größere
Schafherde beobachten kann, der wird darin farblich unterschiedlich
gekennzeichnete Tiere feststellen. Dies geschieht wegen der
Eigentumsverhältnisse, denn nicht immer gehören alle Tiere in der Herde dem
Schäfer, der sie mit betreut.
Aus ähnlichen Beweggründen,
nämlich sein Eigentum Tauben kenntlich zu machen und in Verbindung damit einen
Versuch zu starten den Habicht abzuschrecken, sprühte Sportfreund Winter mit
roter Tierfarbe große Punkte unter die Flügel seiner Tauben. Und siehe da, es
funktionierte. Er konnte beobachten, dass der Habicht Tauben angriff und im
letzten Moment (vermutlich als er durch die artfremden Farbe irritiert wurde)
von seinem vermeintlichen Opfer abließ. So wie von dem dortigen
RegV-Vorsitzenden zu erfahren war, wurde
- inzwischen
das Auftragen der Farbe dahingehend perfektioniert, dass in eine Pappe ein
kreisrundes Loch geschnitten wurde und als Schablone dient und
- mehrere
Sportfreunde in der Region gleiches ebenso erfolgreich praktizieren. Von einem
Sportfreund aus dem Großraum Freiburg war zu hören, dass er seinem im
Schwarzwald wohnenden Bruder Jungtauben auf den Hof gegeben hat und diese von
dem Habicht so weggepflückt wurden, wie sie nach draußen gingen. Der Spuk war ab
sofort vorbei als die nachgereichten Tauben, auch weißfarbige Jungtiere, mit
solch roter Farbe befleckt wurden.
Die Begegnung mit Sportfreund
Winter war auch für mich eine Fortbildungsveranstaltung, denn auch dort wo ich
zuhause bin, leiden die Brieftaubenzüchter unter der Greifvogelplage. Bis dahin
kannte ich die farbliche Kennzeichnung der Reisetauben zwar schon von meinen
Belgienbesuchen, aber dort zeichneten Züchter ihre Tiere unter dem Flügel mit
Farbpulver, um sie so bei der Heimkehr leichter in der Luft zu erkennen und von
fremden Tauben unterscheiden zu können. Waren sie erkannt, wurde mit der
Trillerpfeife das Kommando zum Landen und Einspringen gegeben. Nachdem der
"Winter-Bericht" in der "Brieftaube" erschienen war, fragten viele interessierte
Sportfreunde bei mir nach und holten sich noch zusätzliche Informationen. Auch
ich habe mir eine solche Spraydose mit roter Farbe besorgt und meine Erfahrungen
gesammelt, die durchweg positiv sind:
Vorteile 1.)
Nur wenige Tage nach dem Absetzen
meiner Jungtiere, nehme ich sie alle in die Hand, wobei ich solche Aktionen
scherzhaft "Visite" nenne. Dabei kann man sehr leicht feststellen, ob alle gut
Futter aufgenommen und auch die Tränke gefunden haben. In diesem Jahr gehörte zu
dieser Überprüfung ein weiterer Punkt: Die Kennzeichnung aller Jungtiere, aber
nicht nur mit dem Namensring, sondern zusätzlich mit roter Tierfarbe. Warum,
kann ich noch nicht einmal sagen, vermutlich weil es für mich bequemer war,
sprühte ich ihnen die Farbe unter und über den Schwanz. Die Truppe sah schon
lustig aus. Ab diesem Moment waren sie meine "Rotschwänzchen".
Das wichtigste, was ich dieser
Aktion abgewinnen kann, ist die Tatsache, dass sie offensichtlich als
Habicht-Abschreckung gewirkt hat. In diesem Jahr gingen mir am Haus nicht so
viele verloren wie in den vergangenen Jahren. Zwar sind einmal an einem Freitag,
als die Jungen schon bald zwei Monate flogen, drei Tiere aus nicht bekannten
Gründen am Schlag verloren gegangen, aber von den 34 zum ersten Preisflug
gesetzten Jungtieren war nach Abschluss der Herbstreise noch 33 anwesend. Eines
war hängen geblieben und wurde von mir geholt, ein Jungvogel kam vom letzten
Preisflug nicht zurück.
Vorteil 2.)
Einen weiteren Pluspunkt, den ich
der farblichen Kennzeichnung meiner Jungtauben abgewinnen konnte, stellte ich
täglich bei der Vollzähligkeitsüberprüfung meiner Lieben fest. Wenn sie nach dem
täglichen Training einsprangen und ihre Köpfe im Futtertrog verschwanden, war
beim ersten Blick über die Schwänze wunderbar zu erkennen, ob eine fremde Taube
mit dabei war.
Vorteil 3.)
Mit dem Tag des
Jungtauben-Endfluges baue ich alljährlich die Voliere vor den Schlag. Dann hat
der Habicht sowieso keine Chance und meine Tauben können ohne sich einer
Lebensgefahr auszusetzen beinahe täglich baden, was dem Verlauf der Mauser und
der Gesundheit der Tauben offensichtlich hilfreich ist. Ohne dass ich diese
Jungtauben in die Hand nehmen musste, konnte ich den Federwechsel der
"Rotschwänzchen" wunderbar
verfolgen.
Zu Beginn meines Berichtes habe
ich schon einmal den bekannten Spruch "Gezeichnete Schafe frisst der Wolf auch"
angedeutet. Jeder Anwender sollte sich darüber im Klaren sein, dass die rote
Farbe an der Taube keine Ritterrüstung darstellt. Trotzdem sprechen die mir
bekannt gewordenen und selbst gemachten Erfahrungen für sich. Und wenn der
Habicht durch die Abwehrmaßnahme aufgrund dieser Farbezeichnung auch nur von
einer meiner Tauben abgelassen hat, sehe ich dies schon als Erfolg an. Bisher
war es ein absolut zufrieden stellender Versuch, der in den nächsten Jahren
seine Fortsetzung finden wird.
Mit einem sportlichen "GUT FLUG"
Willi Hertel
Anmerkung: Die Farbe ist über die Taubenklinik des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter zu beziehen.
Erschienen in „Die Brieftaube“, Folge 50/07, vom 15. Dezember 2008
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