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Fliegender Hochzeitsservice
Bei diesem ungewöhnlichen und höchst dekorativem Einsatz von
Brieftauben bekommt das Wort Auflaß" eine völlig neue
Bedeutung. Vor der Kirche, vor dem Standesamt, zur Hochzeitsfeier im eigenen
Haus oder auf der Terrasse eines Restaurants
, der Fliegende
Hochzeitsservice" ist für alle Hochzeitsgäste, vor allem aber für
das Brautpaar, ein Augenschmaus der ganz besonderen Art und gleichzeitig der
letzte Kick in Sachen purer Romantik.
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In
einem üppig mit Rosen, bodenlangen Schleifen und Efeu geschmückten
Korb finden ca. 15 weiße Brieftauben Platz. Wenn sich dann das Brautpaar,
eventuell mit den Angehörigen, um den Korb zum Foto plaziert hat, muß
es noch einen Moment der Person Aufmerksamkeit schenken, welche sich diese hübsche
Überraschung ausgedacht und als Hochzeitsgeschenk gemacht hat.
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In
der Regel hat das Brautpaar (jedenfalls, solange die Tauben sich im Korb ruhig
verhalten) nicht die leiseste Ahnung, was es gleich erwartet. Hat man dann den
meist selbstgefundenen Versen, die von ewiger Verbundenheit, Frieden in der
Partnerschaft und Glück für das weitere Leben handeln, gelauscht,
werden die Brautleute gebeten, den Korb zu öffnen. Steigen dann einzeln
oder in kleinen Gruppen die schneeweißen Tauben aus dem Korb auf, raunt
ein Aaah"- und Oooh"-Gestaune durch die Menge.
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Gerne werden den Brautleuten auch jeweils eine Taube direkt in die Hand
gegeben, die dann den anderen vorausgeschickt werden. Unter einsetzendem Applaus
und dem Klicken zahlreicher Fotoapparate wird so der eben geschworenen
Zusammengehörigkeit letzter symbolischer Ausdruck verliehen. Aufmerksam
beobachtet man dann noch einige Minuten den Schwarm, der über der
Hochzeitsgesellschaft seine Kreise zieht.
Schließlich haben sich die Tauben orientiert und ziehen einheitlich in
Richtung Heimat ab, die meist in nicht allzu großer Entfernung liegt. Da
es gerade bei wirklich reinweißen Brieftauben meist schwierig ist, Tiere
von solcher Flugqualität zu züchten, die etwa einem ständig
regionalen oder nationalen Preisflieger gleichkommt, werden die Tiere in der
Regel wöchentlich 50 bis 60 km vom heimischen Schlag entfernt zum
Trainingsflug aufgelassen.
Die weißen Brieftauben finden ihren Ursprung in einer Kreuzung
zwischen einer sehr hellblauen Brieftaube und einer in Statur unserer Tiere ähnelnden
weißen Haustaube. Nach und nach wurden immer nur die hellsten Nachkömmlinge
miteinander verpaart, so daß etliche Generationen später nur weiße
Tauben folgten, ausgestattet mit dem Navigationssinn einer Reisebrieftaube.
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Bei
vielen dieser schönen Exemplare ist aber immer noch ein Resterbgut der
Haustaube zu vermuten. So wird also beim Fliegenden Hochzeitsservice"
niemals in Linie gezüchtet. Der Stamm wurde vor drei Jahren durch ein
einziges Paar gegründet, entstanden bei einem norddeutschen Züchter.
Die ersten Jungtauben wurden sogleich mit dazugekauften Tieren aus Belgien,
Holland und England gekreuzt. Heute zählt die Schlaganlage ca. 50 blütenweiße
Flieger, wovon ein Großteil im regelmäßigen Einsatz ist, immer
wieder die Hoffnungen, Friedens-, Glück- und Segenswünsche vieler
jungvermählter Paare in den Himmel zutragen.
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Achim Gresch
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