|
Der Nachtflieger von Bordeaux
Sieg für die Schlaggemeinschaft Menne und Töchter
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Taubensport Rauschende Schwingen" ist dabei, Sie monatlich über
die Highlights und Höchstleistungen im internationalen Taubensport zu
informieren. Wir berichten von der Elite, von den Newcomern und den kleinen Züchtern
im Taubengeschehen. Über den neuen Top-Schlag Menne und Töchter
informierten wir Sie bereits in unserer November-Ausgabe 1997. Aus diesem Grund
beschränken wir uns nun auf das Wesentliche in der Vorbereitung.
Zum Auftakt in die deutsche Weitstreckensaison stand am 12. Juni 1998 der
Flug Bordeaux auf dem Flugplan. In Zusammenarbeit mit dem niederländischen
Verband (N. P. O.) und der Abteilung Limburg organisierte die deutsche
Vereinigung Freunde der Internationalen Weitstrecke" mit Sitz in
Stolberg bei Aachen die deutsche Teilnahme. Der Auflaß von insgesamt mehr
als 10 000 Tauben erfolgte am Freitag um 13.30 Uhr bei sehr schönem Wetter
und westlichen Winden. Es sollte keiner Taube möglich sein, den
Heimatschlag am Auflaßtag zu erreichen.
Der Nachtflieger
|
 Fabienne
|
Als am Freitag das Startzeichen gegeben wurde, waren viele Teilnehmer recht
skeptisch. Es herrschte in Deutschland ein kräftiges Sturmtief, kommend aus
westlichen Richtungen, mit Gewittern und kräftigen Regenschauern, also überhaupt
nicht einem Flugwetter entsprechend. Die Tauben hatten allerdings das Glück
während eines kurzen Hochdruckeinflusses, das sich von Südfrankreich näherte,
gestartet zu werden. Dieses sommerliche Hoch erreichte in der Nacht zum
Sonnabend auch Westdeutschland. Als Friedhelm Menne in der Nacht zum Fenster
hinaus schaute, sah er den wolkenlosen Himmel und einen strahlenden Mond. Der
Mond schien so hell, daß dies die beste Voraussetzung für Tauben war,
die auf Nachtflug trainiert waren. In dieser Nacht stand in Hamminkeln alles auf
erhöhte Alarmbereitschaft! Bereits kurz nach 4 Uhr am Sonnabendmorgen wurde
die Nacht zum Tag, die gesamte Familie, bestehend aus Vater Friedhelm, Mutter
Ulrike und die Töchter Raphaela (14), Simone (16) und Fabienne (9),
versammelte sich im Garten, um gespannt auf die Heimkehr der Tauben zu warten.
An dieser Stelle sei bemerkt, daß die Tiere der Familie Menne auf
diesem Flug unter den deutschen Teilnehmern eine der weitesten Strecken fliegen
mußten. Die Schlagvermessung beträgt von Bordeaux bis Hamminkeln-Brünen
exakt 932,962 Kilometer.
|
 Raphaela
|
Am Sonnabendmorgen war es noch ziemlich kalt, in dicken Jacken und in
Wolldecken eingehüllt, frühstückte die gesamte Familie Menne in
ihrem Garten. Die Felder waren bedeckt von tiefliegendem Frühdunst.
International war zu diesem Zeitpunkt (gegen 6.45 Uhr) noch keine Taube
gemeldet. Plötzlich um 6.52 Uhr ein Aufschrei; eine dunkle Taube setzte
tief über die nebligen Felder kommend zur Landung an. Friedhelm erkannte
den Vogel sofort, es war der jährige Vogel 287". Innerhalb
weniger Sekunden war der Vogel konstatiert mit der Endzeit 6.53 Uhr.
Die Aufregung an diesem Morgen erreichte den Höhepunkt, als man die
deutsche Meldestelle bei Aachen anrief und erfuhr, daß noch keine andere
Taube eingetroffen war. Dies war besonders verwunderlich, da der 287"
eine der weitesten Entfernungen in der BRD zurücklegen mußte. Schon
jetzt war klar, daß der 287" seinen Vorsprung nur durch
Nachtflug erbringen konnte.
Die nächste Taubenmeldung ging in der Meldestelle bei Willi Johnen in Übach-Palenberg
kurz nach 7 Uhr ein. Der Sportfreund Michael Mahr aus Aachen konstatierte seine
Siegertaube um 7.07 Uhr bei 827 km, die Taube hatte also fast 100 km weniger zu
fliegen als der 287" von Friedhelm Menne. Die erste Errechnung ergab,
daß die Schlaggemeinschaft Menne und Töchter mit mehr als einer
Stunde Vorsprung den Sieg gegen die deutschen Konkurrenten erringen!
Optimales Training als Jungtier
Man startet die Reise mit ca. 80 Jungtauben. Zunächst mit kurzen
Entfernungen beginnend, mit 20 km vom Schlag entfernt, werden die Jungen
gestartet. Dies steigert man in 20- und 50-km-Schritten. Mit der ersten Runde
ist man besonders vorsichtig, da aufgrund der Erfahrung diese schneller
wegkommen als die zweite und dritte Zucht.
Das gesamte Trainingsprogramm hat bei den Mennes einen erhöhten
Stellenwert. Die Tauben sollen bereits als Jungtiere lernen, sich aus der Masse
zu lösen, um die Angst zu verlieren, alleine zu fliegen. Bis 1997 war die
Familie derartig motiviert, daß Freitag nachmittags die Tiere eingefangen
wurden und über Nacht mit dem Privat-Pkw bis zu Frankreichs Westküste
gefahren wurden.
|
 Simone
|
Für die drei Menne-Töchter war dies immer ein tolles Abenteuer,
die ganze Nacht durchzufahren, in den Sanddünen bei Dipé
(Westfrankreich) am Sonnabend zu frühstücken, im Meer zu baden, die
Tauben anschließend aufzulassen und im sogenannten Wettrennen mit den
Tauben die Heimreise anzutreten.
Regelmäßig, wenn sich eine Gelegenheit ergibt und Friedhelm in
Richtung Südwesten unterwegs ist, nimmt er seine Tauben mit, um diese zu
trainieren. Im vergangenen Herbst war die Familie Menne wieder einmal in
Richtung Belgien unterwegs, um bei einem Züchter im belgischen Mol ein paar
Tauben zu erwerben.
Auch an diesem Tag nahm Friedhelm seine 75 Jungtauben mit und ließ
diese mittags um 13 Uhr bei 30 Grad im Schatten auf. Ein belgischer Züchter
war damals Augenzeuge dieses Privattrainings. Beim Auflaß sagte dieser
Herr: Von Deinen Tauben siehst Du heute keine mehr wieder." Um 18.30
Uhr am selben Tag erreichte der Menne-Clan das heimische Brünen, und der
erste Weg war natürlich der Weg zum Taubenschlag. Ergebnis: Nur eine Taube
war da, es war der 287", also der heutige Bordeaux-Sieger".
Am späten Abend dieses Tages erreichten noch weitere sieben andere Junge
den Heimatschlag. Am anderen Tag trudelten allerdings rasch die übrigen
Tiere ein, verloren gingen nur vier Stück.
Weiterhin erzählte Friedhelm Menne von seiner Fahrt nach Blankenheim in
die Nordeifel am Ende der Eifelautobahn. Ziemlich weit oben auf den Bergen
sollten die Tiere an einem anderen Morgen gestartet werden.
|
Menne und Töchter Hörster
Weg 26 46499 Hamminkeln-Brünen Tel.: 0 28 56/440 Fax: 0 28
56/10 43 | |
An diesem Tag herrschte allerdings tiefliegender Nebel, trotzdem wurde das
Startzeichen erteilt, man vermutete bessere Wetterverhältnisse über
dem Nebel. Nach dem Auflaß waren die Tiere rasch verschwunden, auf dem
halben Heimweg war das Wetter nicht besser. Ergebnis: Alle Tauben erreichten am
selben Tag den Schlag! Seit Beginn der Reisesaison 1998 werden die Tauben wöchentlich
in der RV Mekkenheim zu Trainingszwecken eingekorbt. Diese Reisevereinigung
liegt ca. 130 km vorgelagert, die Menne-Tiere müssen grundsätzlich die
letzten mehr als 100 km alleine fliegen. Alle Jungtauben werden bis Orleans (540
km) gespielt.
|
 Friedhelm Menne mit
Frau (Fotos R.Schl.)
|
Das Spiel
Ende März werden die Reisetauben angepaart und bleiben auch für
den Rest der Saison zusammen. Das erste Gelege wird großgezogen, die Eier
des zweiten Geleges werden durch Gipseier ersetzt und nach dem Überbrüten
weggenommen. Speziell für den Bordeaux-Flug wurde ein drittes Gelege
ausgebrütet; mit einem Neststand von zwei bis vier Tage alten Jungen wurde
eine Mannschaft von 34 Tauben eingekorbt.
Während der Reisesaison wird eine spezielle Mischung der Firma Dacapo
gefüttert. Es ist eine besondere Zusammenstellung, die weitgehend auf die
Powermischung basiert, also wenig Hülsenfrüchte, dafür ein
wesentlich erhöhter Kohlenhydrateanteil. Die Tiere werden täglich
damit satt gefüttert.
14tägig werden die Tiere abwechselnd gegen Trichomonaden und
Mycoplasmose behandelt. Zweimal wöchentlich wird über das Trinkwasser
Volamin gegeben und weiterhin das Produkt Dynamik mit dem Inhalt von Vitaminen,
Eiweiß, Spurenelementen und Mineralien. Nicht nur in Deutschland machen
die Menne-Tauben gegenwärtig Furore, sondern auch in China. Beim letzten
China-Rennen in Peking gewannen die Menne-Tauben von 967 am Endflug
teilnehmenden Tauben die Plätze 21, 30, 41, 47, 102 und 117. Nebenbei sei
bemerkt, daß Friedhelm Menne nur acht Tauben nach China sandte.
|
Konstatierzeiten der SG Menne ab Bordeaux 1998: Auflaß: Freitag, 12 Juni 1998, 13.30 Uhr, Schlagvermessung
932,962 km
|
1. 6.53 Uhr 1. Preis 2.
10.00 Uhr 3. 10.02 Uhr 4. 10.09 Uhr 5. 10.37 Uhr 6. 10.38 Uhr 7.
10.46 Uhr 8. 11.06 Uhr 9. 11.12 Uhr 10. 11.17 Uhr 11. 11.25 Uhr 12.
11.30 Uhr 13. 11.36 Uhr |
14. 11.38 Uhr 15. 11.45 Uhr 16.
11.49 Uhr 17. 11.57 Uhr 18. 11.58 Uhr 19. 12.26 Uhr 20. 12.34
Uhr 21. 12.44 Uhr 22. 12.50 Uhr 23. 12.51 Uhr 24. 12.52 Uhr 25.
13.18 Uhr 26. 13.24 Uhr | | |
|
Bordeaux 1998 Erste Meldung in Deutschland: 6.53
Uhr Menne und Töchter, Hamminkeln 932 km; 7.07 Uhr Michael Mahr, Aachen bei
827 km; 7.25 Uhr Paulus, Erkelenz bei 863 km; 7.33 Uhr, 8.08 Uhr, 8.10 Uhr,
Gebr. Freialdenhoven aus Aldenhoven bei 848 km; 7.50 Uhr SG Stoffel-Große
Ophoff, Dorsten bei 949 km; 8.29 und 8.30 Uhr, Herbert Kremer, Jülich bei
851 km; 8.37 Uhr Willi Johnen, Übach bei 841 km. | |
Die Redaktion
|
|