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Blickpunkt Reiserichtung
Richtungswechsel auf Grund von Auflassbeschränkungen
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Horst Heuter |
In diesem Sportjahr sind, aufgrund der Auflassbeschränkungen in
Frankreich, viele TG zu einem Richtungswechsel gezwungen. Die meisten
Vereinigungen haben sich hierbei möglichst nahe an der alten Richtung
orientiert. Einige haben einen radikalen Einschnitt vorgenommen.
Manchmal weil sie es so wollten und manchmal weil sie nicht anders
konnten. Der Züchter kommt in aller Regel ganz gut klar mit diesem
Richtungswechsel, aber wie sieht die Sache bei den Tauben aus?
Nachdem die ersten Vorflüge gelaufen sind und in einigen
Reisevereinigungen sogar schon mit den Preisflügen begonnen wurde,
konnten erste Erfahrungen bezüglich des Richtungswechsels gewonnen
werden. Hier kann ich die Erkenntnisse aus unserer Transportgemeinschaft
“Wurmtal” anführen. Durchaus vergleichbar mit anderen Gemeinschaften!
Bislang reisten wir SW, z.B. Orleans und mit dem Endflug Poitiers. In
diesem Jahr geht die Reise entlang der Grenzen zu Belgien und
Frankreich. Das ist die kleinstmögliche Richtungsänderung! Nach drei
hervorragend verlaufenen Vorflügen sind kaum nennenswerte Verluste zu
melden. Die meisten Züchter haben nicht eine einzige Taube verloren.
Trotz einer immer noch schwierigen Wetterlage und trotz
Richtungswechsel. Aha, es geht doch! Auch der erste Preisflug ist
reibungslos verlaufen und die Tauben fanden scheinbar mühelos ihren Weg
zum heimischen Schlag.
Eine auffällige Bestätigung uralten Wissens war allerdings, dass die
“alten Recken”, hier besonders die drei, vier und fünfjährigen Tauben
sich recht schwer taten. Im letzten Jahr noch satt zweistellig und sogar
mit voller Preiszahl, kamen sie in diesem Jahr mit dem Richtungswechsel
selbst bei den Vorflügen nicht klar. Regelmäßig trafen diese einstigen
Garanten am Ende der Truppe ein. Und scheinbar wollen sie sich keines
Besseren besinnen. Wie lange soll man warten und hoffen ob sie nicht
doch plötzlich “anfassen”? Vielleicht bis es zu spät ist?
Auffällig war auch, das unser erfahrener Flugleiter hervorragende
Arbeit geleistet hat! Trotz einer schwierigen Wetterlage und trotz
Richtungswechsel ist es ihm gelungen, unsere Tauben schnell und
unbeschadet nach hause zu bringen. So was macht Freude und gibt uns
Züchtern die nötige Ruhe im Hinblick auf die kommenden Flüge.
Die kommenden Flüge. Wohin geht die Reise? Unser weitester Flug
dieser Reiserichtung ist Lörrach bei Basel, knapp 400km. So wie bei uns,
sieht es in vielen Transportgemeinschaften und Regionalverbänden aus.
Sie können die Bedingungen zur Vergabe der Verbandsauszeichnungen nicht
erfüllen! Noch nicht. Sollte Frankreich die Grenze ab 1. Juni für
Tiertransporte nicht öffnen, dann wird das auch so bleiben. Es sei denn,
die Vergabebedingungen werden geändert. Das ist vom Verbandsvorstand
angekündigt worden.
Denken wir positiv! Frankreich öffnet ab 1. Juni die Grenze. In
diesem Fall werden die Vergabebedingungen nicht geändert. Sowohl unsere
Transportgemeinschaft, als auch unser Regionalverband 411 haben dann
gerade den weitesten Flug ab Lörrach (400km) hinter sich. Wenn nun
zurück auf die alte Reiserichtung gewechselt wird dann ist der nächste
Flug Orleans(450km). Orleans ist in direkter Linie 430km von Lörrach
entfernt. Das wäre also ein erneuter Richtungswechsel in einem Winkel
von fast 90°! Ob die Tauben sich wohl bei uns bedanken werden? Ist das
im Sinne der Kreatur? Wie viele Hoffnungsträger werden da wohl auf der
Strecke bleiben? Wollen wir im nächsten Jahr nicht auch noch reisen?
Vergabebedingungen hin, Vergabebedingungen her, an dieser Stelle ist
verantwortungsbewusstes Handeln verlangt! Trotzköpfigkeit und
Tunnelblick, eine einseitige Betrachtungsweise und Zwänge aus bestimmten
Ecken helfen uns mit Sicherheit nicht weiter. Ein erneuter Wechsel der
Reiserichtung und das mitten in der Saison, wird für viele Züchter das
unweigerliche Aus bedeuten. Zumindest bei einem derart extremen
Richtungswechsel! Die Gründe liegen auf der Hand. Entweder sie machen
das Spielchen nicht mit, oder sie haben kaum noch Tauben um an der Reise
teilzunehmen. So kann es kommen, denn das sind die Erkenntnisse aus
vielen Jahrzehnten Taubensport! Das ist alles nichts Neues!
Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen vor Ort die richtigen
Entscheidungen treffen! Wenn alle Dämme brechen haben wir ja auch noch
eine ROK! Diese wird mit Sicherheit wissen das wir, gerade in diesem
Jahr, im Blickpunkt des öffentlichen Interesses stehen. Und niemandem
kann daran gelegen sein einen Drahtseilakt zu vollziehen!
Ich wünsche Ihnen alles Gute und sicher wird der Morgen noch besser
als das Heute!
Horst Heuter
Anmerkung der Redaktion:
Aufgrund einiger Hinweise muss bemerkt werden, dass andere
Transportgemeinschaften mit ähnlichem Richtungswechsel weniger
erfolgreiche Flüge hatten. Es soll nicht der Eindruck erweckt werden,
dass ein solcher Richtungswechsel pauschal unproblematisch verläuft.
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