|
Taubenflügel während des Fluges
Unterschiede zwischen der Kurz- und der
Langstrecke
|

Preissiegerin bis knapp 800 km und zweimal Zweite
von Niort. Dies ist ein voller Flügel für die Mittelstrecke.
Damit ist ein starker Antrieb nach vorn erreicht. Merken
Sie sich diesen breiten Hinterflügel und auch die Breite
der Federn durch den ganzen Flügel. Die letzten Federn
werden etwas kürzer bei einer Mittelstreckentaube. |
Ich habe in den vergangenen 28 Jahren viele Artikel unter
verschiedenen Namen verfaßt, um die unterschiedlichsten Aspekte von
Renntauben und Taubensport im allgemeinen zu erklären, und ich meine,
daß es jetzt an der Zeit ist, diese Ideen, die ich auf vielen Schlägen
gesammelt habe, neu zu beurteilen. In meinem letzten Artikel „Cheshire
News“ habe ich die Flügel und die diesbezüglichen Theorien kurz berührt
und, wie versprochen, will ich jetzt mehr ins Detail gehen,
hauptsächlich für jene Anfänger, welche in den vergangenen 10 bis 20
Jahren mit unserem schönen Sport begonnen haben.
Evolution der Vögel
Es gibt keinen Zweifel, der Vogelflug hat einen enormen Schritt voran
gemacht seit den Tagen des ersten fliegenden Vogels – dem Archaeopteryx
–, dessen Fossilien im Kalkstein des südlichen Deutschland im Jahre 1861
gefunden worden sind. Das Fossil soll 140 Millionen Jahre alt sein – wie
sie das festgestellt haben, weiß ich nicht –, aber diese Fossilien haben
den Ornithologen einen Einblick über die ersten fliegenden Vögel
gegeben. Diese ersten flugfähigen Tiere kann ich noch nicht Vögel
nennen, weil sie sowohl Merkmale von Reptilien als auch von Vögel
hatten. Es bleibt zu vermerken, daß sich diese neue Tierart (der
Vorläufer des Vogels) in den nächsten 25 Million Jahren kaum veränderte.
Aber als sie anfing sich zu verändern, haben sich verschiedenste Arten
entwickelt.
Die Entwicklung von Vögeln über diesen enorm langen Zeitraum zeigt
eine bewunderungswürdige Leistung der Natur auf, denn hier entstanden
die bemerkenswertesten Lebewesen unserer Erde. Sie sehen alles von oben,
aus der Luft, und können außerdem in allen möglichen Biotopen unserer
Kontinente überleben. Im Laufe der Zeit haben sich die verschiedensten
Vogelarten entwickelt, und bei jeder Art haben sich ihre Flügel den
neuen Gegebenheiten angepaßt.
Der Flügel der Brieftaube
|

Ein Kurzstreckenflügel. Als diese Taube über 480 km
ausprobiert worden ist, hat sie etwas länger gebraucht
um nach Hause zu kommen und ist nie wieder über das
Meer geschickt worden. Aber falls man eine Taube
über das Wasser schickt, welche nicht dafür geeignet
ist, darf man sie für zukünftige Kurzstreckenrennen
nicht mehr einzusetzen. In Kurzstreckenrennen hat
dieser Vogel mehrere Preise gewonnen inklusive einem
2. Konkurs auf einem Bezirksflug. Auf meinen Reisen
habe ich festgestellt, daß diese Art von Flügel im Laufe
eines Rennens immer schneller wird. Wenn Sie die
Flügel von einem Sperber anschauen, werden Sie
merken, daß der Hinterflügel sehr schmal ist und selbst
die ersten Federn sich schneller verjüngen als bei vielen
anderen Vogelarten. Merken Sie, daß die Hauptfedern
bei Kurzstreckentauben verhältnismäßig länger sind
gegenüber denen der Mittel- und Langstreckentauben. |
Auch die Brieftaube fällt dabei nicht aus dem Rahmen, allerdings hat
sie sich über die Jahre stark verändert, dies mußte sie auch, um jede
Distanz zu fliegen. Was dem einen Taubenzüchter gefällt, paßt nicht zu
einem anderen, und aus diesem Grund kann auch kein Taubenzüchter eine
Mannschaft haben, die alle Eventualitäten abdeckt. Wenn dies möglich
wäre, dann wäre der Taubensport keine Herausforderung mehr. Der Flügel
einer Brieftaube ist nur ein Teil des Ganzen, welcher normalerweise
perfekt für den Zweck, schnell und lange zu fliegen entwickelt ist. Es
hat über die Jahre viele Theorien gegeben, und durch Zuchtauslese haben
wir heute Tauben, die sich für jede Distanz eignen. Erfahrene Züchter
haben Tauben nach ihrer Vorliebe gezüchtet.
Zum Beispiel Tauben mit einem Flügel für Kurzstreckenflüge – heute
können das bis 400 km sein. Vor mehreren Jahren wurde solch eine Distanz
als Mittelstrecke eingestuft, aber der Taubenzüchter hat heute, mit
besserem Wissen, die Kurzstrecken verlängert. Das gleiche gilt für die
Mittelstreckenflüge von 400 bis 650 km. Hat man seine Tauben von einem
650-km-Flug nicht am selben Tag zurück, dann stimmt etwas nicht. Bei den
Weitstreckenrennen, speziell jenen über 800 km werden, außer bei ganz
günstigen Wetterkonditionen, nur wenige Tauben am ersten Tag
konstatiert, aber es gibt auch Spezialisten, die von derartigen
Distanzen besser abschneiden. Ab 950 km kommen praktisch keine Tauben
mehr am ersten Tag nach Hause.
Der Verband „Central Southern“ hat die Devise: Bei Tagesanbruch wird
geflogen, ohne Rücksicht auf das Wetter. Es gibt aber nur wenige Tauben,
die Flüge wie Pau an einem Tag schaffen können, selbst bis zur
englischen Südküste beträgt die kürzeste Distanz zwischen 800 km und 840
km. Ich habe mich oft gefragt, wie viele Tauben es wohl versuchen, des
Nachts über das Meer zu fliegen, doch ihr Ziel nie erreichen. In
Großbritannien wird meist über Land geflogen, und es gibt für die
meisten Züchter genug Rennen ohne daß ihre Tauben über das Wasser
fliegen müssen.
|

Hier wird ein Flügel gezeigt, der jeden Vogel unter die
Sieger bringen wird, von 640 km bis 720 km, aber
keinesfalls weiter. Dieser Vogel hat Preise in Klub,
Kreis und Bezirk bis zu den klassischen Rennen bis
650 km gewonnen. Er hat einen guten Hinterflügel, der
etwas größer ist als bei einem echten Sprinter, und er
wird jede Renngeschwindigkeit mitgehen können.
Merken Sie: Die Stufe zwischen den Federn Nummer
sieben und acht und auch die kleinen Lücken zwischen
den letzten vier Hauptfedern müßten auffallen. Dieser
Flügel wird bei guten Kurz- und Mittelstreckentauben
gefunden. |
Man kann normalerweise auf der Nord- oder Südroute mehr als 300 km
fliegen. Jene Züchter, die in Zentralengland leben, haben den Vorteil,
daß sie ein gutes Rennen über Land fliegen können, bevor ihre Tauben im
letzten Drittel über den Ärmelkanal fliegen. Die südenglischen Züchter,
welche ein Nationalrennen starten, müssen ihre Tauben sehr früh am Tag
bekommen, wollen sie mit vorne dabei sein. Wir haben vor ein paar Jahren
einen Schlag bei Blandford während eines Rennens von der Insel Guernsey
besucht, und haben die Probleme miterlebt, mit denen die südlichen
Züchter konfrontiert sind. Was wir uns merken müssen ist, daß die
Geschwindigkeit eines Rennens auch die Sieger beeinflußt genauso wie der
Wind, und aus diesen Gründen gibt es sehr viel zu berücksichtigen, will
man erfolgreich Tauben für Kurz-, Mittel- oder Langstrekkenrennen
trainieren.
Flügeltheorien
Und warum sollte dies sein? An einem schweren Renntag mit
Geschwindigkeiten unter 1600 m/min finden wir diejenigen Züchter, die
auf der Langstrecke erfolgreich sind, hoch in den Siegerlisten. Bei der
Zucht macht es einen erheblichen Unterschied, wie wir hier unsere Tauben
zusammenpaaren, und wir sollten deshalb sehr kritisch mit unserer
Zuchtauswahl umgehen. Wir sollten nie die Fehler machen und eine Taube
als einen „Allrounder“ deklarieren, wenn er nur einen Sieg auf der
Langstrecke über das Land und nie über das Meer geflogen ist.
Wenn Sie eine Taube als einen „Allrounder“ klassifizieren wollen,
müssen Sie die Geschwindigkeit und die Distanz mit einbeziehen. Es ist
wahr, daß manche Züchter nie eine Taube über das Meer einkorben, wenn
diese gute Erfolge im Rennen über Land hatte, dies ist vernünftig, weil
eine solche Taube wahrscheinlich eine Kurzstreckentaube ist, und die
Flügeltheorie wird beweisen, daß sie die Weitstrecke nie erfolgreich
schaffen kann.
|

Eine echte Langstreckentaube mit einem sehr breiten
Hinterflügel, welcher das Fliegen einfacher macht, wenn
man extrem lange Zeit in der Luft bleiben muß. Bei
dieser Art von Flügel braucht die Taube weniger
Schwingenschläge um die lange Distanz der Reise zu
bewältigen. |
So, was haben wir bis jetzt über die Flügeltheorie gelernt? Daß die
Tageskondition eine große Rolle spielt. Ich kann mich noch erinnern, daß
ich ein 190 km-Rennen gewonnen hatte, während ich bei Foden Trucks in
Sandbach gearbeitet habe. Wir haben jeden Mittag herumgesessen und über
alles mögliche gesprochen. An einem Montag war ich sehr glücklich
dorthin gegangen, weil ich ja das Rennen am Samstag gewonnen hatte. Doch
der verstorbene George Stubbs korrigierte mich und dämpfte damit meine
Freude, als er sagte, daß man nie eine Taube als gut bezeichnen kann,
wenn sie nur mit Rückenwind gewonnen hat.
Egal wie sehr es mich damals auch verletzte, er hatte recht, und man
muß sich wundern, wie viele gute Züchter dies wissen und es trotzdem
niemanden weitererzählen. Zurück zur Flügeltheorie. Speziell: Welcher
Flügel paßt zu welcher Distanz?
Kurz- und Langstreckenflügel
Wenn man Vögel wie Adler, Geier und Bussarde genauer beobachtet, wie
sie hoch in die Luft steigen um ihr Futter zu suchen, stellt man fest,
daß sie alle breite Hinterflügel haben, um den Energieverbrauch auf ein
Minimum zu reduzieren. Wenn Sie Zugvögel ansehen, die weit fliegen
müssen, haben sie ausnahmslos breite Hinterflügel im Vergleich zum
Körper. In der Taubenwelt haben wir Züchter, die die Weitstrecke
bevorzugen. Diese züchten mit Absicht breite Flügel. Tauben ebenso wie
Zugvögel, wissen sehr schnell, daß sie einen weiten Weg vor sich haben,
und geben nicht alle ihre Energie bei einem schnellen Flügelschlag ab.
Das Problem, welches eine Kurzstreckentaube auf Grund ihres schnelleren
Flügelschlages hat, ist, daß sie nie die weiteren Distanzen schnell
bewältigen kann, weil sie zuviel Energie verbraucht. Ich habe mich mal
mit einem Züchter über eine seine Tauben und über die Flügeltheorie
unterhalten, und er hat die Bezeichnung „Hühnerflügel“ gebraucht und
sprach dabei von seiner besten 800- km-Taube, welche wiederum jenen
breiten Hinterflügel hatte, den eine Taube braucht, um weite Distanzen
zu bewältigen.
Es gibt viele Züchter, die gern auf der Weitstrecke fliegen würden,
aber selten Tauben nach Hause kriegen. Der Grund ist, daß sie ihre
Tauben erfolgreich auf kürzere Distanzen schickten und dann damit
züchten. Aber für die Weitstrecke muß man viel Geduld haben, wenn man
dauerhaften Erfolg haben will. Was die erfolgreichen
Langstreckenspezialisten machen, ist, daß sie nur mit Tauben züchten,
welche auf weiten Distanzen mehrmals Erfolge gezeigt haben. Eine ruhige,
gut gezogene Taube fliegt immer nach vorne. Es passiert manchmal, daß
eine Langstreckentaube Nachwuchs bekommt, die die Kurz- und
Mitteldistanz gut fliegen kann, aber wenn man die Abstammung genauer
nachforscht, sieht man, daß dies kein Einzelfall ist. Diese Tauben
werden selbst nicht unbedingt Langstrecken-Nachwuchs bringen, obwohl sie
selbst aus Langstrecken-Tauben stammen.
Eine Sache, die mich besonders aufregt, ist, wenn es auf
Taubenausstellungen einen Wettbewerb gibt mit dem Ziel, den passenden
Flügel für die jeweilige Distanz zu finden. Zuerst sollte man lernen,
ein aussagefähiges und richtiges Foto zu machen. Einen Flügel zu
fotografieren der ausgestreckt ist, hat einen Wert wie ein
Feuerschutzgitter aus Schokolade im Kinderzimmer. Wenn man fotografieren
will, soll man es auch richtig machen, dann gibt es auch keine Gefahr
von Fehlinterpretationen.
Les Parkinson
|
|