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International
Stefan De Scheemaecker: Wir haben Zukunft mit unserer Zuchtstation...
Die Natural-Zuchtstation in St. Antonius-Zoersel im Raum Antwerpen in
Belgien ist seit mehr als einem halben Jahrhundert ein Begriff in der Welt des
Taubensports. "Warum wird denn dann im TaubenMarkt berichtet?", wird der
Kritiker jetzt vielleicht fragen. Weil sowohl der Inhaber als auch der
Geschäftsführer bereit waren, ein aktuelles Interview zu geben, dessen Inhalt
auch für die Taubenzucht des einzelnen Sportfreundes von besonderem Interesse
sein dürfte. So viele Zuchtpaare wie in der Natural-Zuchtstation gibt es
nirgendwo auf der Welt. Und allein schon aus dieser Tatsache heraus können und
werden wertvolle Erkenntnisse bezüglich Taubenhaltung, Zucht, Versorgung,
Gesundheitsvorsorge und so weiter gewonnen. Der Herausgeber von TaubenMarkt/Die
Sporttaube, Uwe Kreutzfeldt, und sein Chefredakteur Hans Brühl hatten sich daher
auf den Weg gemacht, für unsere Leser einige Hintergrundinformationen zu
bekommen.
TaubenMarkt: Vielleicht beginnen wir zur Einstimmung unserer Leser mit etwas
Zahlenmaterial...
Natural: Das können wir gerne tun. Es sind jährlich ca. 22 000 Jungtauben,
eine Anzahl Jährige sowie die fünfjährigen Zuchttauben, die wir verkaufen. Also,
rund 25 000 Tauben gehen jährlich von uns aus in die Welt! Im Jahre 1956 haben
wir angefangen, und da hieß die Zuchtstation "Die goldenen Ringe". So heißt sie
eigentlich immer noch, denn die hier gezogenen Jungtauben bekommen einen
goldfarbenen Ring, der allerdings nicht aus reinem Gold besteht, an das andere
Bein. Der Tipes-Ring passt über diesen Erkennungsring, bei anderen
elektronischen Ringen muss er entfernt werden.
TaubenMarkt: Wir haben eben schon Zahlen gehört. Wie viele Zuchtpaare sind
denn zurzeit hier?
Natural: Es fast 4300 Zuchtpaare in der Zucht....
TaubenMarkt: Und aus einem dieser Paare kann ich mir selbst oder ein anderer
Interessent dann Junge aussuchen...
Natural: Das geht leider nicht, jedenfalls nicht bei den Jungtauben. Wir
haben weltweit bestimmt 5000 Kunden. Jeder Kunde wird auf gleiche Weise
behandelt. Das ist sehr wichtig. Während unserer Tage der offenen Tür, die
jährlich stattfinden, bieten wir Jährige Tauben zum Kauf an und auch auf den
großen Veranstaltungen im Ausland, zum Beispiel in Kassel. Da kann jemand dann
Tauben auch in die Hand nehmen. Bei den Jungtauben kann sich ein Sportfreund
dann die Rasse auswählen, die Farbe und das Geschlecht. Diese Wünsche versuchen
wir nach Möglichkeit zu erfüllen, können aber Farbe und Geschlecht nicht
garantieren.
TaubenMarkt: Wann beginnt Ihr denn mit der Zucht?
Natural: Auch für uns gibt es keine Verbandsringe vor dem 1. Januar des neuen
Jahres. Wir beginnen daher mit der Zucht am 25. November. Dann kann die erste
Zucht um den Neujahrstag herum geringt werden. Sie wird fast komplett nur in
Belgien verkauft. Die Leute reisen hier früh mit den Jungen, ab ca. 15. Mai, und
wollen deshalb möglichst frühe Junge haben.
TaubenMarkt: Ich hatte schon mal gehört, dass die Belgier bei Euch nichts
kaufen...
Natural: Das stimmt überhaupt nicht. Das erzählen vielleicht einzelne
"berühmte" belgische Taubenzüchter, da sie nicht zugeben können oder wollen,
dass sie bei uns Tauben erwerben. Aber wir haben sehr viele kleine Züchter in
Belgien, die wir sogar als Stammkunden bezeichnen können. Für diese Leute ist
der Preis der Tauben auch wichtig. Und die Gesundheit. Vor Jahren wurden noch
auf dem Lierer Taubenmarkt viele Jungtauben von reisenden Züchtern verkauft.
Dann kamen die Probleme mit der Geflügelpest. Heute stehen auf dem Lierer Markt
meistens nur noch Verkäufer, die ausschließlich für den Markt züchten. Kauft ein
Sportfreund hier bei uns, weiß er drei Sachen: Die Tauben sind guter Abstammung,
sie sind gesund und der Preis stimmt. Sollte doch etwas schief gehen, bekommen
die Käufer einen Gutschein für eine Ersatztaube.
TaubenMarkt: Wir sind ja nun jetzt im Computer-Zeitalter. Plant Ihr die Zucht
über Computerprogramme und druckt auch die entsprechende Abstammung?
Natural: Also das ist folgender Maßen. Von den ca. 4300 Zuchtpaaren haben wir
ca. 1500, von deren Nachkommen wir die Abstammung drucken. Diese werden im
Ausland verkauft, allerdings zu einem anderen Preis als die Jungtauben ohne
Abstammung, die wir immer noch für 23 Euro plus einmalige Frachtkosten von 22
Euro anbieten. Zunächst muss man feststellen, dass wir von den Jungen auch eine
Anzahl für uns behalten. Diese dienen der Weiterzucht und der Erhaltung der
Rasse. Denn wir geben ja die Fünfjährigen ab. Im Oktober sind die Schläge
gereinigt und desinfiziert sowie die Tauben gegen Paratyphus geimpft. Dann
kommen in jedes Taubenhaus 12 oder 24 Vögel. Zur leichteren Unterscheidung
beispielsweise in eines nur gehämmerte, in ein anderes nur blaue Vögel. Sie
können dann die Nistzellen in Besitz nehmen. Ist diese Unterscheidung wegen der
Rassenzugehörigkeit nicht möglich, bekommen die Weibchen einen bunten
Kennzeichnungsring an. Ich muss noch dazu sagen, dass die Tauben vorher schon
beobachtet wurden, ob sie für die Zucht körperlich einwandfrei sind. Sonst
werden sie aussortiert. Die Tauben dürfen sich am 25. November frei paaren. Wenn
das erste Ei gelegt ist, wird über dieses Paar eine Karte ausgefüllt, die die
Ringnummern der Eltern enthält. Die Karten hängen in den Schlägen, so dass wir
später die Abstammung nachvollziehen können. Diese Arbeit gilt nur für die eben
genannten 1500 Paare. Bei den anderen werden die Ringnummern nicht
aufgeschrieben. Wenn wir das wollten, müssten wir vier bis fünf Leute
einstellen, und die Jungtauben würde das Doppelte kosten. Außerdem darf man
nicht vergessen, dass die Taube entweder fliegt oder nicht fliegt. Die Taube
selbst fliegt und nicht die Abstammung! Der Taubenzüchter hat sein Budget und
achtet auf den Preis.
TaubenMarkt: Wir haben eben etwas gehört von der Erhaltung der Rassen. Kauft
Ihr auch etwas hinzu?
Natural: Wir haben für jedes Jahr auch ein gewisses Budget, um Tauben hinzu
zu erwerben. Wir sprechen die uns interessierenden Leute an, ob wir Junge, die
unseren Rasse-Vorstellungen entsprechen, bekommen können. Aber wir nehmen keine
Jungen direkt aus dem Nest, sondern sie müssen ca. drei Monate alt sein. Dann
ist die Taube körperlich so, wie sie später bleibt. Sind die Jungen jünger, kann
sich noch zu viel ändern. Wir brauchen für uns Tauben, die gut in der Hand sind
und die bekannten äußerlichen Qualitäten aufweisen. Bei der Auswahl werde ich
immer noch von Andre Roodhooft beraten, obwohl er in Rente ist. Voriges Jahr
haben wir Koopman-Tauben und Van-Loon-Tauben hinzu geholt. Und bei einer ganz
neuen Sorte brauchen wir auch drei Jahre, um die Nachzucht zu beurteilen. Wir
haben hier noch Stichelbaut-Tauben. Um diese aufzufrischen, haben wir Tauben von
Leuten hinzu genommen, die ebenfalls Stichelbaut-Tauben hatten, z. B. Pol Bostyn
oder Sylvere Toye. Wir versuchen die alten Linien anzubieten, wobei wir diese
gelegentlich auffrischen. Und enge Familienzucht wird nicht praktiziert.
TaubenMarkt: Wenn jetzt ein Züchter im In- oder Ausland ganz gewaltige
Erfolge mit Euren Tauben haben sollte, kauft ihr diese zurück?
Natural: Nein, er bekommt ein Diplom und wir machen damit Werbung. Aber bitte
nie vergessen, dass auch bei uns mehr schlechte als gute Tauben gezogen werden.
Doch es sind auch viele gute dabei. Denn sonst wäre es unmöglich, von 1956 an
mit unserem System zu bestehen. Immerhin sind seither rund anderthalb Millionen
Tauben gezogen und verkauft worden. Wenn nichts dabei war, kauft ein Züchter
höchstens zwei Mal, kein drittes Mal. Also muss etwas dabei gewesen sein, sonst
hätten wir nicht so viele Stammkunden.
TaubenMarkt: Eine solche massenhafte Taubenhaltung bringt doch auch ganz
bestimmt Probleme der Gesunderhaltung mit sich. Insbesondere von Tribünenflügen
wissen wir, dass in manchen Jahren viele Tiere verendet sind. Dürfen die Leser
Euer Rezept wissen?
Natural: Selbstverständlich! Wenn wir Tauben hinzu holen, gehen sie zuerst in
Quarantäne. Dazu haben wir extra einen Schlag, der auf der anderen Straßenseite
steht und diese keinesfalls in Kontakt mit den Tauben der Zuchtstation kommen.
Der Tierarzt untersucht. Sie müssen Salmonellen- und Wurmfrei sein. Kokzidien
und Trichomonaden sind eigentlich harmlos, werden aber trotzdem bekämpft. Die
Tauben müssen absolut in Ordnung sein. Manche haben durch die vielen
Antibiotika-Gaben keine natürliche Resistenz. Im Oktober wird dann mit den
anderen gegen Paratyphus geimpft. Vor der Impfung wird keine Kur gegen
Salmonellen durchgeführt.
Sind die Tauben in der Station, wird mit allen anderen gemeinsam nach der
Paarung eine Kur gegen Trichomonaden gemacht. Wegen der vielen Tauben geht das
nicht über das Futter, sondern über das Wasser, und weil es Winter ist, sieben
Tage lang. Kotproben lassen wir immer wieder vornehmen.
Anfang Januar wird eine zweite Kur – auf ca. 10 Tage alten Jungen - gegen
Trichomonaden gemacht. Die Jungen sollen etwas mitbekommen davon. Denn die
Tauben müssen gesund weggehen, und wir können sie ja nicht monatelang Absetzen
und alleine kuren. Im Mai wird diese Maßnahme nochmals vorgenommen. Mit vier
Kuren im Jahr sind wir ausreichend dabei. Aber beobachtet und geprüft wird
fortwährend.
Sehr, sehr wichtig in der Gesunderhaltung sind folgende Punkte:
- Offene Schläge an der Vorderseite (Luft satt)
- Gute Orientierung Ost-Süd Ost
- Gitter auf dem Boden und in die Nistzellen
- Tränke und Futtertröge sind nicht zugänglich für fremde Tauben
- Ungeziefer (Mäuse) Bekämpfung mit Gift und Fallen
TaubenMarkt: Wie sieht es denn aus mit Beiprodukten und Vitaminen? Die Tauben
fressen doch aus dem Futtersilo und haben fließendes Wasser zur Verfügung.
Natural: Wir machen Folgendes: Jede Woche bekommen die Zuchttauben frischen
Grit und Vitamineral. Unter das Vitamineral wird Bierhefe gemischt. Dazu kommt
Nutri-Power in Pulverform, alles untereinander trocken gemischt, jeden Freitag
neu.
Im April wird selbstverständlich noch die Pflichtimpfung gegen Paramyxo
vorgenommen, während die Tauben züchten, egal auf welchem Neststand. Also die
Leute brauchen keine Angst zu haben, ihre Tauben zu Hause gegen Paramyxo zu
impfen. Bei unserer Menge Tauben hätten wir längst Nachteile festgestellt. Nur
bei der Paratyphus-Impfung sollten die Tiere anschließend drei Wochen Ruhe
haben.
TaubenMarkt: Wann macht Ihr denn Schluss mit der Zucht?
Natural: Wir können unmöglich gleichzeitig alles trennen. Im Juli beginnen
wir damit, nach und nach Weibchen zu entfernen. Die Jungen im Nest werden noch
gezogen. Dann werden Gipseier verteilt, so dass Ende August alle Paare
auseinander sind. Dann kommt das große Reinemachen!
TaubenMarkt: Dann noch ein paar Worte zu den Rassen. Wir sprachen von ganz
alten und welchen, die erst in den letzten Jahren gefragt werden.
Natural: Wichtig ist das Sie wissen dass wir keine reine Rassen zuchten und
verkaufen. Wir glauben nicht an die so genannte reine Rassen. Wir glauben an
eine laufende Grundblutlinie, die der Taubenzüchter selber anhand verständiger
Kreuzungen und einer strengen Selektion allmählich hat aufbauen können. Jeder
durch uns gelieferte Jungtaube ist mit einer Abstammungskarte versehen, in der
die Basisrasse erwähnt ist.
Auf unserer Angebotsliste stehen 38 verschiedene Basis - Rassen. Aber wir haben
ungefähr 40, wenn wir die weißen Tauben mit rechnen. Natural bietet aktuell
Jungtauben der Rassen J. AARDEN, MEULEMANS, BOSTIJN, PAUWELS, BRICOUX, ROOSENS,
M. CATTRYSSE, SION, DELBAR, J. SOONTJENS, DE SMET-MATTHYS, STICHELBAUT, DE
SCHEEMAECKER, J. THONE, J. & J. ENGELS, TOURNIER, FABRY, S. TOYE, GEERTS,
VANBRUAENE, GRONDELAERS, VAN DER ESPT, HOREMANS, VAN DYCK, J. HOUBEN, VANHEE,
HUYSKENS-VAN RIEL, VAN SPITAEL, JANSSEN, BROTHERS, VAN WANROY, VD ABEELE,
MARCELIS, L. WOUTERS.
Wir müssen uns an den Kunden orientieren. Der Chinese will etwas anderes an
Tauben wie der Taiwanese, der Belgier oder der Deutsche, ganz abgesehen von den
Osteuropäern. Wir werden in Zukunft auch sehr teure Tauben einkaufen und diese
in Einzelboxen zur Zucht einsetzen. Deren Junge können wir natürlich nicht für
23 Euro her geben. Doch das Prinzip bleibt die günstige Jungtaube guter
Abstammung ohne Pedigree. Und die Nachfrage danach ist ungebrochen. Es geht
darum, die unterschiedlichen Vorstellungen der Züchter zu erfüllen. Die Züchter,
die mit den Jungtauben reisen wollen, legen nicht so großen Wert auf die
Abstammungen. Viele Konkurrenten von uns – also neu gegründete Zuchtstationen -
sind wieder untergegangen, warum auch immer. Wir haben Zukunft mit unserer
Zuchtstation...
TaubenMarkt: Eine schöne Feststellung...
Natural: Drei Dinge bilden eine Einheit: Die Zuchtstation "Natural",
das Angebot an Futter und Beiprodukten der Firma "Natural Granen" und auch
unsere Taubenzeitung "Duifke lacht", allerdings in flämischer Sprache. Wir haben des
Weiteren zu bieten die jährlichen Tage der Offenen Tür, die in der Regel an den
Sonntagen im Februar stattfinden. Tausende Taubenliebhaber aus allen Ländern
Europas kommen dort hin. An diesen Tagen sind auch unser Taubenmuseum, der
Tauben-Laden und das Festzelt geöffnet. Kommen Sie und sehen sich alles an – Sie
werden diese Fahrt nicht bereuen!
TaubenMarkt: Meine Herren, TaubenMarkt/Die Sporttaube dankt für diese
aufschlussreichen Erklärungen und wünscht weiterhin viel Erfolg!
Natural Zuchtstation
R. Delbekestraat 165
2980 St. Antonius-Zoersel/Belgien
Tel. 0032 3 3830831

Natural-Zuchtstation-Geschäftsführer Eddy Prins, TaubenMarkt-Herausgeber Uwe
Kreutzfeldt und Natural-Inhaber Stefan De Scheemaecker auf der Zuchtstation
Natural St. Antonius-Zoersel/Belgien (April 2011)

Zur leichteren Unterscheidung kommen beispielsweise in ein Taubenhaus nur
gehämmerte, in ein anderes nur blaue Vögel.

In den Schlägen hängen Karten mit Daten und Nummern, so dass später die
Abstammung nachvollzogen werden kann.

Jede Woche bekommen die Zuchttauben frischen Grit und Vitamineral. Unter das
Vitamineral wird Bierhefe und Nutri-Power gemischt; Versorgung von außen.

Ein Blick über die Dächer der Zuchtstation. Allerdings sieht man wieder Erwarten
keine frei fliegenden Tauben - die Zuchttauben befinden sich in den Häusern.

Der Weg zwischen den Taubenhäusern, nun von der rückwärtigen Seite aus gesehen.
Im Hintergrund ist das Bürogebäude mit dem Taubenmuseum zu erkennen.

Die berühmte Luftaufnahme der Natural für die Sportfreunde, die sie (noch) nicht
kennen. Vieles wurde verbessert, doch die Grundstruktur ist seit 1955
unverändert.
Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift
TaubenMarkt/Die
Sporttaube
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