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Das Wettfliegen mit Jungtauben
Eigentlich sollte ich nicht darüber schreiben. Ich gehöre
noch zu der alten "Sorte", die sich freut, wenn die Jungtauben munter
und vital und zu einem vernünftigen Zeitpunkt nach Hause kommen. Dieser
Ankunftzeitpunkt liegt auch weit außerhalb der normalen Konstatierzeit der
ersten Tiere, sie dürfen nur nicht erschöpft und verausgabt sein. Sie
müssen sich nach ein paar Ruhestunden wieder im alten Glanz befinden.
Meine abgezählten Jungtauben - so etwa 30 bis 40 Tiere -
bedürfen keiner übermäßigen Strapazen, um zu zeigen, was in
ihnen steckt. Das kommt von alleine, wenn sie jährig sind. Außerdem läßt
meine Anlage ein "Mehr" an Tauben auch nicht zu, worüber ich sehr
glücklich bin, denn so bin ich gezwungen, andere Maßstäbe
anzulegen, als viele meiner Züchterkollegen.
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 Hungrige
Jungtiere - bester Beweis für die Gesundheit
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Natürlich will ich nicht verhehlen, daß ich mich
freue, wenn ich eine frühe Taube habe, aber tieftraurig bin ich nicht, wenn
meine Flieger kleine Preise fliegen. Meistens höre ich bei der dritten
Preistour auf, weil nur der Großraum Frankfurt als Auflaßort in
Frage kommt. Dort ist das Chaos vorprogrammiert! Wenn die Jungtauben in einem
derartigen Karussel von abfliegenden Schwärmen geraten, ist es meistens
geschehen. Gegen dieses Durcheinander in der Luft gibt es zur Zeit noch keine
Mittel, es sei denn, der Fahrer wird ausgewechselt. Das kann man aber nicht
vorschreiben. In diesem Fall sind unsere Vorsitzenden gefordert. Von solchen
Chaos-Flügen ist es meistens für die Jungtauben sehr schwer, den Weg
alleine zurückzufinden, wenn sie im falschen Schwarm fliegen. Es sind doch
noch Kinder! Meistens sind sie verloren! Vielleicht findet sich ein ehrlicher
Melder, aber bei den negativen Reaktionen der meisten Züchter sind die auch
nicht mehr bereit, Tauben zu melden. Das Geschrei und Wehklagen ist gewaltig.
Darum meide ich diese Flüge der Jungtauben in und um Frankfurt/Main. Es
wird soviel Unsinn über das Reisen mit Jungtauben geschrieben und deren
Gesunderhaltung, daß einem die Haare zu Berge stehen. Da schreibt doch
Herr Siemer in der Zeitschrift "Die Brieftaube", Seite 580, daß
er die sogenannte Mooskrankheit mit Buttermilch bekämpft. Erst einmal muß
man diese Krankheit genau definieren.
In den meisten Fällen sind es doch Salmonellen und
Hexamiten oder es ist ein E. Coli-Befall. Dieses kann man aber nicht mit
Buttermilch bekämpfen. Das ist Unsinn in Reinkultur, Herr Siemer! Sicher
ist Buttermilch gesund und darmreinigend, aber dieses Krankheit ist damit nicht
in den Griff zu bekommen.
Die Massenankünfte bei den Jungtauben sehen in der
Preisliste recht imposant aus. In keiner Weise sagt es aber über den späteren
Reisewert einer Taube etwas aus. So haben wir in Mettmann einen Sportfreund, der
mit ein paar Tauben die Preisliste auf den Kopf stellt, beschränkt auf die
Leistungen der Jungtaubenreise. Im darauffolgendem Jahr ist der liebenswerte
Taubenfreund nach der achten oder neunten Tour in Urlaub gefahren. So ist das
mit den Jungtauben! Um es nochmal zu sagen: Meine Jungen müssen nur frisch,
vital und nicht allzu spät ihren Heimathafen erreichen. Um noch einmal auf
die Buttermilch zurückzukommen: Daß so etwas überhaupt
verbreitet wird!? Die Tierärzte müßten "Aua" schreien
und würden ab sofort zum staatlich geprüften Milchmann befördert
werden!
Dieter Janutta
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