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Stillstehen
Hab' keine Angst, langsam zu gehen, hab' nur Angst, stillzustehen
Es ist uns nicht zum ersten Mal aufgefallen, dass ein bisschen Hygiene vielen
Unannehmlichkeiten vorbeugen kann. Kürzlich noch sagte meine Frau zu mir: "Sieh'
zu, dass du deine Futtertische gründlich reinigst, denn sie sind seit dem Ende
der letzten Saison nicht mehr sauber gemacht worden." Auf jedem Reiseschlag sind
bei uns direkt unter den Einflügen innen im Schlag Futtertische angebracht, die
hoch- und runtergeklappt werden können. Darauf werden die Tauben nach dem
Freiflug am Haus, den privaten Trainingsflügen und den Preisflügen gefüttert. Da
wir das Futter auch noch ziemlich oft mit Futterergänzungsprodukten präparieren,
ist es nicht ausgeschlossen, dass sich auf den Stellen, wo gefüttert wird,
langsam aber sicher ein Belag, eine Fettschicht, absetzt. Nach einiger Zeit hat
man dann das Problem, dass sich dort Schimmel und Bakterien entwickeln. Meine
Frau und ich haben also gemeinsam diese Tische abgenommen und gründlich mit
heißem Wasser und einem Spülmittel abgewaschen. Mit einem scharfen breiten
Stemmeisen haben wir dann noch die Oberfläche der Tische bearbeitet.
Unglaublich, was für eine schmutzige Brühe da herunterkam. "Du musst nicht mehr
drauf füttern", sagte meine Frau, "nur noch etwas Kleinsämereien, wenn die
Tauben hereinkommen." Ja, ich glaube, dass viele Züchter es mit der Hygiene auf
ihrem Schlag nicht allzu genau nehmen. Ich habe hier schon früher darüber
geschrieben. Aber ich halte es für so wichtig, dass ich es nochmals in
Erinnerung bringen will. Vor allem die Futterrinnen sind ganz sicher von
Schimmelsporen und anderen unerwünschten Bakterien befallen. Das kann auch nicht
anders sein. Man feuchtet das Futter mit Öl oder einem anderen Präparat an, gibt
dann Bierhefe, Winmix, Optimix, Tempo 60 oder dergleichen darüber, um die Körner
abzutrocknen, aber das Gemisch bleibt doch noch immer etwas klebrig. Die
normalen Futterrinnen sind nur sehr schwer sauber zu halten, sodass sich schnell
Schimmel und andere für unsere Tauben gefährlichen Mikroorganismen bilden
können. Seit etwa vier Jahren ist bei uns eine Infektion über die Futterrinnen
praktisch ausgeschlossen. Wie geht denn das? werden Sie jetzt fragen. Nun, wir
haben auf allen Reiseschlägen spezielle Futterrinnen von einem deutschen
Hersteller stehen. HERWI-Futterrinnen (Hermann Wienekamp) mit Plastikeinsätzen
(siehe Fotos). An jedem Wochenende, wenn die Tauben unterwegs sind, waschen wir
diese Einsätze mit heißem Wasser aus und lassen sie danach ein paar Stunden an
der Sonne trocknen. Tauben sind wie wir: Sie essen auch lieber von einem
sauberen Teller als aus einem nur flüchtig sauber gemachten Trog. Diese
Futterrinnen sind ihr Geld doppelt und dreifach wert. In Belgien sind sie nur
bei der Firma NATURAL erhältlich. Sieg oder Niederlage hängen in unserem
Taubensport manchmal von Kleinigkeiten ab, und gerade die machen den Unterschied
zwischen Triumph oder Listentod.
Wir vom BLUE HEAVEN LOFT sind gestartet. Alte und jährige Tauben sind am 1.
Mai von Momignies (110 km) geflogen. Das Ergebnis war nicht berauschend. Wir
betrachten das auch als letzten Trainingsflug. Wir haben vor allem auf die Art
und Weise, wie sie nach Hause kamen, geachtet, und das entsprach unseren
Erwartungen. 35 Tauben innerhalb von zehn Minuten mit einer Geschwindigkeit von
um die 1.200 m/min. Ja, es hieß arbeiten, und der Wind wehte kräftig aus
ostnordöstlicher Richtung.
Die Tauben sehen gut aus. In der letzten Aprilwoche haben wir den Kot nochmals
bakteriologisch untersuchen und einen Abstrich nehmen lassen bei sowohl den
Reisetauben als auch den Jungtauben 2011 sowie den Spätjungen von 2010, mit
denen wir jetzt wieder experimentieren. Als ich das Ergebnis der Untersuchung
bekam, habe ich doch kurz die Stirn gerunzelt. Hier nun in groben Zügen das
Ergebnis der Untersuchung. Alle Tauben waren frei von Würmern, frei von
Kokzidien und negativ in Bezug auf Paratyphus. Bei einigen wurden kaum
nennenswert Trichomonaden festgestellt. Aber bei allen Tauben wurden
hämolytische Staphylokokken und Streptokokken gefunden. Nicht übermäßig viel,
aber sie waren doch vorhanden. Bei den Weibchen gab es sogar einen Hinweis auf
E.Coli. Und was sagte der Mann der Wissenschaft? "Wenn sie gut trainieren (und
das machten sie), sollte ich nichts tun." Aber mit diesen Gedanken im Kopf
konnte ich nicht leben. Ich war unruhig und habe mich dann entschieden, eine
Behandlung durchzuführen. Fünf Tage hintereinander. Ich gehe lieber auf Nummer
sicher. Die Untersuchung hatte auch ergeben, dass alle Erreger nur auf
Chloramphenicol und/oder Sulfa-Thrimethoprim ansprachen. Mit dem Letzteren haben
wir gute Erfahrungen. Man kann es beim Apotheker oder Tierarzt kaufen. Der Name
des Produktes ist EMDOTRIM von der Firma Ecuphar (siehe Foto). Wenn man das am
Anfang der Mauser zwei bis drei Wochen lang in einer Dosis von 3 ml pro Liter
Wasser gibt und täglich erneuert, wird man sehen, dass die Tauben damit gut
fahren und das die Mauser und das Nachwachsen der Federn einwandfrei verlaufen.
Es gibt bei der Mauser auch keine Unterbrechung. Meistens erleben wir, dass die
Tauben während der ersten zwei Wochen ganz normal mausern, doch dann sieht man,
dass plötzlich etwas schief läuft. Man findet weniger Federn, der Kot ist nicht
gut gebunden. Der Grund dafür kann eine Störung im Stoffwechsel sein. Für
gewöhnlich löst sich das Problem von selbst, ohne dass man eingreift. Das
Einzige, was man feststellt, ist, dass das Ende der Mauser etwas verzögert wird.
Kürzlich haben wir die Verdunkelung bei den alten und jährigen Tauben
aufgehoben und sind sofort zu zwei Mal am Tag Training am Haus übergegangen.
Morgens zwischen 6 und 8 Uhr und abends zwischen 17 und 19 Uhr. Am 1. Mai haben
wir also von Momignies gespielt. Einige Stunden nach dem Flug haben wir ihnen
draußen auf der Terrasse ein Bad zur Verfügung gestellt. Sowohl Männchen als
auch Weibchen haben davon eifrig Gebrauch gemacht, und sie sind danach auch
schnell wieder in die Luft gegangen. Seit dem 3. Mai haben wir auch das Training
intensiviert, und zwar müssen sie jetzt sowohl morgens als auch abends 90
Minuten trainieren. Wir haben sie auch heute wieder auf 30 km weggebracht. Es
waren nur 10° Celsius und der Wind blies mit Stärke 2 bis 3 aus Ostnordost.
Alles verlief perfekt, und mit ihren täglichen 180 Minuten Training müssen sie
sicherlich bereit sein für den nächsten Sonntag. Wir werden sie noch bis auf
Toury (376 km) bringen, aber sie zuvor am Sonntag, dem 8. Mai, von Soissons (210
km) fliegen lassen. Toury folgt am 15. Mai, und wahrscheinlich fliegen die
Weibchen am 22. Mai von Vierzon. Die Männchen kommen dann noch einmal nach Toury.
Ich entscheide das erst am Einsatztag. Am 28. Mai steht dann der nationale
Bourges-Flug für alte und jährige Tauben auf dem Programm. Auf dieses Datum
arbeiten wir hin. Das wird übrigens die erste Konfrontation auf nationaler
Ebene. Flüchten kann man dann nicht mehr.
Am Wochenende bekommen wir eine merkliche Wetteränderung, der Wind wird endlich
zum Süden drehen. Zeit also, um die Jungtauben allmählich mit dem großen Korb
vertraut zu machen und sie auch schon mal auf einen Katzensprung von zu Hause
wegzubringen. Es gibt also in den kommenden Tagen Arbeit genug. Meine Frau wird
also wieder mal helfen müssen, aber das macht sie immer, auch ungefragt. Wir
Männer haben vielleicht das Feuer erfunden, aber die Frauen bemühen sich, es in
Gang zu halten. Sie hören wieder von uns, bevor die Sieger vom Nationalflug
Bourges bekannt sind.
The Lost Son
Blue Heaven Loft
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