|
Vorbereitung auf die neue Saison
Tierarzt René Becker über die medizinische Vorsorge
|

Tierarzt René Becker |
Mit Beginn des Monats
März geht es in die entscheidende Phase der gesundheitlichen Vorbereitung für
die bevorstehende Saison. Spätestens jetzt sollten die Tauben regelmäßig „auf
dem Flügel“ sein, um die nötige Kondition aufzubauen. Hilfreich dabei ist unser
bereits wiederholt angesprochenes Eisenpräparat, dessen Gabe hilft, die nach der
langen trainingsfreien Zeit erniedrigten Blutwerte auf ein höheres Niveau zu
heben. Es wird zu Beginn des Freifluges über acht Tage zu einer Mahlzeit täglich
über das Futter verabreicht. Zum Anfeuchten wird dazu flüssige Hefe verwendet.
Diese unterstützt den Stoffwechsel und liefert wichtige Vitamine für den
Formaufbau.
Häufig werden wir zu
Beginn der Freiflugperiode mit starkem Hecheln der Tauben konfrontiert. Die
Ursache ist vielfach in der mangelnden Kondition und einem übermäßigen Gewicht
zu suchen. Die von vielen Züchtern befürchtete Atemwegserkrankung ist nur
teilweise die tatsächliche Ursache.
Nichts desto Trotz
sollte im Rahmen der Frühjahrsuntersuchung das Vorhandensein relevanter
Krankheitserreger abgeklärt werden. Die für März empfohlene Generaluntersuchung
beinhaltet alle notwendigen Untersuchungen dieser Art. Wir empfehlen für diese
Kontrolle mehrere Tauben und eine Sammelkotprobe mitzubringen. Der Kot wird
neben der parasitologischen Untersuchung auf Kokzidien und Würmer zusätzlich
einer bakteriologischen Untersuchung und vor allen Dingen einem Chlamydientest
unterzogen.
Gerade die Chlamydien
als Erreger der Ornithose sorgen durch Ausbrüche in der Reise häufig für starke
Leistungseinbrüche. Dies geht nicht immer mit typischer Symptomatik einer
Ornithose (nasse Augen, grauen Nasen) einher. Vielmehr finden wir meist nur
stark gerötete Rachen und ein Nachlassen der Trainings- und Wettflugleistung.
Daher ist ein Abklären des Vorhandenseins des Erregers und – falls erforderlich
– eine Behandlung von großer Wichtigkeit.
Die Tauben werden
zunächst einer adspektorischen Untersuchung unterzogen, d. h. wir nehmen jede
Taube in die Hand, beurteilen Gewicht, Gefiederqualität, Zustand der Muskulatur,
Befall mit Ektoparasiten etc. Der Kropf- und Kloakenabstrich erlaubt neben der
Kontrolle des Trichomonadenbefalls eine Beurteilung des Zustandes der
Schleimhäute. Hier sind bakterielle Befälle erkennbar, die in der Saison für
Leistungs- und Formschwankungen sorgen und von den Züchtern gern als Atemwegs-
und Luftwegserkrankungen bezeichnet werden. Die Symptomatik ist uns allen
bekannt: Weit geöffnete Kehle, Schleimansammlungen im Bereich des Gaumensegels,
verklebte Gaumenspalte.
Daran an schließt sich
die bakteriologische Untersuchung mit einem Rachen- und Kloakenabstrich. Nun
lassen sich bakteriologische Befälle verifizieren und die Befunde erlauben eine
Beurteilung hinsichtlich einer Behandlung. Der durchgeführte Resistenztest gibt
Aufschluss über die Wahl des richtigen Medikamentes. Abschließend führen wir
eine Endoskopie des Rachenraumes und der Nasenhöhle durch.
Speziell bei der
Endoskopie der Nase lassen sich im Einzelfall schwerwiegende Befunde erheben.
Nicht selten finden wir massive Beläge aus eingetrocknetem Schleim und Staub.
Vorrangig die Tauben, die in der Winterperiode nicht die Möglichkeit zum
Freiflug hatten und sich dabei nicht regelmäßig in einer Voliere aufhalten
konnten, weisen diese Befunde im Frühjahr auf. Der von uns seit langem
eingesetzte Schleimlöser und die pflanzlichen Produkte sind jedoch nur begrenzt
in der Lage, diese Probleme zu lösen.
Aus diesem Grunde
setzen wir Nasentropfen ein, die diese Beläge lösen. Die Tropfen werden Anfang
April – vorrangig in Kombination mit einer Atemwegskur – eingesetzt. Man gibt
zwei Tropfen in jedes Nasenloch und massiert die Tropfen rd. zehn Sekunden ein,
so dass der Wirkstoff tief in das Naseninnere vordringt. Man setzt die Tauben
nun in ihre Zelle oder in den Korb. In zehn Minuten befreit sich die Taube zu
einem großen Teil selbst von dem nun aufgelösten Schleim. Durch Druck auf die
Nasenflügel tritt der noch verbliebene Schleim aus den Nasenlöchern und der
Gaumenspalte hervor und kann mit einem Watteträger entfernt werden. Diese
Behandlung kann mehrmals in der Saison, jedoch immer mehrere Tage vor einem
Flug, vorgenommen werden, allerdings nicht häufiger als im Abstand von zwei
Wochen.
Nachdem alle Befunde
erhoben wurden und nach weiteren drei Tagen die bakteriologischen Ergebnisse
vorliegen, treten wir mit jedem Züchter in Kontakt und besprechen die Details,
auf deren Basis ein Behandlungsplan erstellt wird – auch unter Berücksichtigung
der individuellen Saisonplanung (Züchten von Jungtieren, trockene Witwerschaft,
etc.). Weiterhin sprechen wir Empfehlungen für die medizinische Untersuchung in
der Reise aus, die wir auch für jeden Sportfreund in einem Behandlungsplan
zusammenfassen. Dieser befreit jedoch nicht gänzlich von Kontrollen.
Die Untersuchung sollte
am besten Mitte März erfolgen, um zum einen nahe genug am Reisebetrieb zu sein,
zum anderen, um etwaige Fristen und Abstände bei u. U. notwendigen Behandlungen
einzuhalten. Sehr häufig treten nach langen Perioden des Festhaltens
Schleimhautinfektionen im Rachenbereich auf. Diese sind bei einem sonst guten
Allgemeinbefinden und bereits durchgeführten Trichomonadenbehandlungen
idealerweise Ende März bis Anfang April zu behandeln, d. h. spätestens zu diesem
Zeitpunkt sollten die Untersuchungsergebnisse vorliegen.
Ist diese Behandlung
abgeschlossen, sind die Trichomonaden bekämpft und waren die Ergebnisse der
Kotprobenuntersuchung negativ, sollten die Tiere in der optimalen Verfassung für
die Flüge sein. Die o. g. Behandlung mit den Nasentropfen ist nun die einzig
noch verbleibende Maßnahme, die Anfang April durchgeführt werden sollte. Zum
Zeitpunkt der Vorflüge – nach den ersten Korbaufenthalten – kann man dann in
einen Behandlungsrhythmus mit Blick auf die Trichomonaden einsteigen.
Vergessen Sie nicht, im
Vorfeld die Ektoparasiten (sprich: Federlinge, etc.) zu behandeln, damit die
Tauben nicht in ihrer Ruhephase gestört werden. Dazu verwenden wir unsere
Nackentropfen oder Frontline-Spray.
René Becker, prakt. Tierarzt
|