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Medizinische Kontrolle auch zum Endflug hin
Tierarzt René Becker über die medizinische Vorsorge
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Tierarzt René Becker |
Die Reisesaison 2008
geht in die alles entscheidende Phase, denn die letzten Preisflüge stehen ins
Haus und die Meisterschaften werden nun entschieden. Für manch einen Züchter
geht es nach einer eher wechselhaften Saison, die durch ungewöhnliche
Windverhältnisse und vielerorts auch Richtungswechsel bestimmt waren,
insbesondere darum, einen erfolgreichen Abschluss mit einem guten
Endflug-Ergebnis zu erzielen. Allerdings stellt sich die Frage, wie die
bestehende Form konserviert bzw. durch eine gezielte Versorgung der Tiere die
Verfassung verbessert werden kann.
Die körperlichen
Belastungen haben sich Woche für Woche gesteigert und auch, wenn die kritische
Phase gegen Mitte der Saison erfolgreich gemeistert wurde, droht regelmäßig
neues Ungemach von Seiten der Gesundheit. Eine Kontrolle beim Tierarzt ist stets
eine gute Alternative. Dann können je nach Zustand entsprechende Maßnahmen
ergriffen werden. Besteht nicht die Möglichkeit zur Kontrolle, sollte man in
jedem Fall an dem zuvor mit dem Tierarzt festgelegten Vorsorgeplan festhalten.
Auch bei guten
Ergebnissen darf man gesundheitliche Kontrollen nicht vernachlässigen.
Zusätzlich sollte der gesteigerten Wirkstoffversorgung Rechnung getragen werden:
Die Energiereserven müssen vor den langen Flügen schnell wieder optimal gefüllt
werden, um den Belastungen Stand zu halten.
Eine erhöhte
Fettfütterung kommt in dieser Phase der Saison eine besondere Bedeutung zu.
Sämereimischungen, geschälte Sonnenblumenkerne und Erdnüsse sind die
bekanntesten Fettlieferanten. Zusätzlich empfehlen wir über das Futter vermehrt
Öle oder ähnliche Präparate hinzuzugeben. Wir setzen seit Jahren Lecithin ein,
welches durch seinen hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren – neben anderen
positiven Eigenschaften – ein hervorragender Energielieferant ist. Wichtig bei
der Verabreichung von Ölen oder fetthaltigen Futtermitteln ist, dass diese
optimal verwertet werden können. Aus diesem Grunde setzen wir parallel ein
carnitinhaltiges Präparat ein, das für einen optimalen Fettstoffwechsel und
schnelle Bereitstellung der Energie in den Körperzellen sorgt.
Nicht nur die
Fettversorgung in Phasen dieser hohen Belastung, auch die Versorgung mit anderen
wichtigen Wirkstoffen des Stoffwechsels (z. B. Vitamine), muss nochmals forciert
werden. Die hohe Stoffwechselaktivität fordert einen hohen Bedarf an Vitaminen
der B-Gruppe, die an einer ganzen Reihe wichtiger Stoffwechselvorgänge beteiligt
sind. Zur schnelleren Regeneration nach den Wettflügen setzen wir das
Elektrolytpräparat „Almalyt“ in Kombination mit „Catosal“ ein. Bei Flügen über
400 km kann man „Catosal“ zur Unterstützung des Stoffwechsels an den letzten
beiden Tagen vor dem Einsetzen verabreichen.
Zur individuellen
Extraversorgung setzen wir „Roborans“-Kapseln ein, die hochwertige Energieträger
enthalten und am Tag vor dem Einsetzen verabreicht werden. Von der
Elektrolyt-Gabe über die Tränke am Tag des Einsatzes und gerade bei heißem
Wetter sind wir abgerückt, da die Wasseraufnahme im Vergleich zu Tränken mit
klarem Wasser deutlich geringer ist. Die zusätzliche Elektrolytgabe wiegt den
Nachteil der geringeren Flüssigkeitsaufnahme u. E. jedoch nicht auf.
Der Übergang von der
Reisesaison der Alttiere hin zu den Jungtauben ist nahezu fließend: Im Juli wird
es höchste Zeit, den Gesundheitszustand der Jungtiere intensiv zu testen und
sich einen medizinischen Begleitplan für die Herbstreise zurechtzulegen.
Verschiedene Untersuchungen sind unabdingbar, bevor das Training des Nachwuchses
beginnen sollte. Kotprobenuntersuchungen auf Parasiten und Bakterien inkl. eines
Testes auf Chlamydien, dem Erreger der Ornithose, gehören ebenso dazu, wie
Kropf- und Kloakenabstriche.
Gerade der
bakteriologische Kloakenabstrich ist von großer Wichtigkeit, gibt er doch
Aufschlüsse darüber, welche Bakterien im Darm vorhanden sind. Ist eine
antibiotische Behandlung erforderlich, sollte stets Ronidazol hinzugegeben
werden, um evtl. vorhandene Hexamitenbefälle mit zu erfassen. Diese sind nicht
immer im Kloakenabstrich zu diagnostizieren, aber in den meisten Beständen
vorhanden und an den typischen Krankheitsverläufen beteiligt.
Zusätzlich setzen wir
bei jeder Medikamentengabe auch „Alvimun-t“ zur allgemeinen Steigerung der
Abwehr und zur Minderung der Arzneimittelnebenwirkungen ein. Besondere Gefahr
droht bei bereits behandelten Tieren zu Beginn der RV-Trainingsflüge. Viele
Tiere verschiedener Bestände treffen aufeinander ebenso wie unterschiedliche
Keimmilieus. Die hochgradige Belastung durch Stress tut ein übriges. Daher ist
es häufig unumgänglich, nach dem ersten Korbaufenthalt die Behandlung mit einer
bewährten Arzneimittelkombination gegen die typische
Jungtaubenkrankheitssymptomatik zu wiederholen.
Dennoch sollte man
speziell während der Saison mit den zur Verfügung stehenden und bewährten
Präparaten versuchen, dem Ausbruch der Jungtaubenkrankheit zuvorzukommen und das
Milieu im Darm positiv zu beeinflussen. Neben „Alvimun-t“ setzen wir auf das
colostrum- und eipulverhaltige Jungtierpulver sowie auf ein Oreganumpräparat.
Zusätzlich setzen wir ein Präparat zum Ansäuern des Wassers ein. Bewährt hat
sich seit Jahren „Vior“ bzw. „Jungtauben-Vital“.
Weiterhin ist die
regelmäßige Jodgabe ein wichtiger Faktor zur Verhinderung von Ausbrüchen. Ein
ständiger Medikamenteneinsatz führt über die Zunahme von Resistenzen in eine
gesundheitliche Sackgasse. Die Resistenzlage der beteiligten Keime wird
kontinuierlich schlechter und eine Therapie somit immer schwieriger. Gleichwohl
lehrt die Erfahrung, dass der alleinige Einsatz von vorbeugenden Präparaten
nicht ausschließlich und in jeden Fall Abhilfe schaffen kann.
Nur bei guter
Appetitlage, festem Kot, großer Flugfreunde und nach eingehender Untersuchung
sollten Sie mit dem intensiven Training beginnen. Lassen Sie sich nicht unter
Zeitdruck setzen, sondern warten auf das passende Wetter. Es bleibt immer noch
genug Zeit, Trainingsflüge in ausreichender Zahl durchzuführen. Mit überhasteten
Aktionen ist keinem gedient, vor allem den Tauben nicht. Für die medizinische
Begleitung und Versorgung setzen Sie sich mit Ihrem Tierarzt zusammen und lassen
einen Behandlungsplan für die Saison erstellen. Eine erfolgreich verlaufende
Jungtierreise ist bekanntlich die beste Investition in die sportliche Zukunft.
werden kann. Nach dem letzten Preisflug steht die umfassende Bestandssanierung
an.
René Becker, prakt. Tierarzt
Weitere Informationen unter: info@taubenmarkt-kassel.de
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