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Verschlechterung der Resistenzlage
Tierarzt René Becker über die medizinische Vorsorge
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Tierarzt René Becker |
Mit Beginn des Monats Juli ist die Zeit gekommen, in der es für die Bestände,
die am normalen RV-Herbstprogramm teilnehmen wollen, den Gesundheitszustand
ihres Jungtierbestandes zu kontrollieren. Wenn Sie einige vorbeugende Maßnahmen
durchgeführt haben, sind Sie mit etwas Glück bis heute von der Jungtierkrankheit
verschont geblieben. Die Tendenz geht hin zu milderen Verläufen und einer
geringeren Zahl an Ausbrüchen.
Dennoch gibt es eine erhöhte Anzahl an Paramyxovirose-Erkrankungen. Die
Fluktuation in den Beständen sowie die anscheinend mangelnde Impfmoral mit Blick
auf die nichtgereisten Tauben scheinen dafür verantwortlich zu sein. Es geht
dabei nicht nur um die einzelne, nicht geschützte Taube oder den einzelnen,
nicht geschützten Bestand, sondern schlichtweg um die Impfdecke in der
Gesamtpopulation, die scheinbar deutlich dünner geworden ist.
Da bei entsprechenden Ausbrüchen die Veterinärbehörden schnell aktiv und
Schläge mit massiven Auflagen versehen werden, sei deutlich darauf hingewiesen,
dass von Verbandsseite eine Impfpflicht für den gesamten Bestand besteht. Bitte
halten Sie sich in Sinne eines komplikationslos auszuführenden
Brieftaubensportes an diese Vorgabe! Sind Ihre Jungtauben noch nicht geimpft,
was allerdings lediglich ein Einzelfall sein kann, holen Sie dies schnell nach.
Wie mehrfach erläutert, steht kein Kombinationsimpfstoff mit Pocken zur
Verfügung, so dass bei dieser Viruserkrankung in der Mauserperiode mit
Ausbrüchen zu rechnen sein wird. Die regelmäßige Gabe eines konzentrierten
Jodpräparates verhindert die Weitergabe des Virus. Verabreichen Sie Ihren
Jungtauben aus diesem Grunde ca. zweimal wöchentlich eines der bekannten und
erhältlichen Jodpräparate.
Zur Gesundheitskontrolle Ihres Jungtaubenbestandes sollten Sie drei bis vier
Tiere in der Praxis vorstellen und eine Sammelkotprobe über mehrere Tage
einreichen. Bei der Untersuchung der Ab- und Ausstriche werden parasitologische
Erreger wie Trichomonaden und vor allem Hexamiten festgestellt. Die
bakteriologische Untersuchung gibt Aufschluss über evtl. vorhandene pathogene
(sprich: krankmachende) Keime und ihre Resistenzlage.
Die Resistenzlage der meist am Jungtierkrankheitsprozess beteiligten
Coli-Keime ist sehr schlecht geworden. Um so bedeutender ist die exakte
Diagnose, um mit Erfolg behandeln zu können. Bei der letztlichen Diagnose und
der Entscheidungsfindung für eine Behandlung ist immer die Vorgeschichte von
Wichtigkeit. So sind nicht selten parasitäre Erreger (z. B. Hexamiten) Fällen
mitbeteiligt, aber längst nicht immer im normalen Kloakenabstrich zu finden.
So gibt es teilweise Tiere mit deutlicher Jungtierkrankheitssymptomatik und
negativen Befund des Kloakenabstriches. In der Sektion oder bei Abstrichen aus
den höheren Regionen des Darmes wird nicht selten eine Vielzahl an Erregern
gefunden. Daher ist die Medikation mit „Ridzol“ gegen Hexamiten stets
Bestandteil einer Behandlung des Jungtierkrankheitskomplexes.
Meistens sind auch sog. „darmpathogene Keime“ vorhanden, die nach
Resistenzlage mitbehandelt werden müssen. Als Zusatz setzten wir stets „Alvimun-t“
ein, welches die Abwehrkraft der Tiere verbessert und Nebenwirkungen der
Arzneimittel mindert. Seit den vom Verband durchgeführten Untersuchungen vor
einigen Jahren wissen wir, dass auch Hefepilze im Darm der Jungtauben einen
wichtigen Anteil am Krankheitsgeschehen haben können. Daher empfehlen wir im
Anschluss an jede antibiotische Behandlung - egal ob bei Alt- oder Jungtauben -
die Gabe von Jod, das die Hefepilze nicht gut vertragen.
In den Fällen, wo schon mikroskopisch eine Vielzahl von Hefepilzsporen auf
dem Monitor sichtbar ist, muss man gfs. zu Antimykotika greifen, die direkt die
Hefepilze im Darm bekämpfen. Das von uns in diesen Fällen verschriebene Präparat
wird nicht im Darm der Taube resorbiert und hat keine systemischen, d. h. im
ganzen Körper auftretende Nebenwirkungen, wie dies häufig der Fall ist. Der
generelle Einsatz eines solchen Präparates ist jedoch in keinem Fall anzuraten,
da in naher Zukunft mit einer Verschlechterung des Behandlungserfolges gerechnet
werden muss.
Die beteiligten Hefepilze sind stets Bestandteil der normalen Darm- und
Rachenflora bei einer Vielzahl von Lebewesen (z. B. dem Menschen). Erst durch
eine extreme Schwächung der Abwehr im Rahmen einer Circovirusinfektion und/oder
zusätzlichem Medikamenteneinsatz, der in den meisten Fällen unumgänglich ist,
gewinnen diese Organismen Oberhand und sorgen für weitere Probleme.
Klassisch ist die Symptomatik des nicht vollständigen Ausheilens des
Jungtierkrankheitskomplexes. Den Tieren mangelt es immer noch an der letzten
Fitness. Häufig werden vom Züchter weitere Medikamente eingesetzt, die - sofern
sie Antibiotika enthalten – die Situation allerdings nur verschlimmern. Daher
muss man bei lang anhaltenden, scheinbar nicht ausheilen wollenden Erkrankungen
auch eine Beteiligung von Hefepilzen in Betracht ziehen.
Deutlich zu unterscheiden sind die Pilze jedoch von klassischen
Schimmelpizen. Diese wachsen u. U. in den Schlägen auf nicht beseitigten
Kothaufen und produzieren ein Gift („Aflatoxin“), das die Tauben bei einer
entsprechenden Aufnahme schädigen kann. Befallen werden Tiere von Schimmelpilzen
nur äußerst selten. Meist sind dies Jungtiere, die die Jungtierkrankheit nicht
überlebten. Bei einer Sektion findet man Verpilzungen der Luftsäcke, wie wir sie
in großer Häufigkeit von im Haus gehaltenen Papageien kennen. Grundsätzlich sind
Tauben jedoch für Schimmelpilzinfektionen recht unempfindlich. Der Schutz vor
den Giften diese Pilze geht also nur über ein Fernhalten von Pilzwachstum in der
Umgebung der Tiere – sprich: Gute Hygiene und trockene Schläge.
Die empfohlenen Präparate, die wir zur Vorbeugung eines Ausbruches der
Jungtierkrankheit einsetzen (Jod, „Vior“) haben neben ihren keimreduzierenden
Wirkungen einem positiven Effekt auf eine übermäßige Hefepilzvermehrung. Halten
Sie sich an die generell empfohlenen, vorbeugenden Maßnahmen, dürften Ihnen die
Hefepilze nicht allzu große Probleme bereiten.
René Becker, prakt. Tierarzt
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