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Winterzucht erfordert intensive Vorbereitung
Tierarzt René Becker über die medizinische Vorsorge
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Tierarzt René Becker |
Die Zeit der großen Mauser neigt sich dem Ende zu, der Großteil des
Federwechsels ist vollzogen und bei den Reisetauben geht es lediglich noch um
die letzten Schwingen. Doch gerade die sind für die zu erbringende Leistung im
kommenden Jahr von besonderer Bedeutung. Daher darf man in der Intensität der
Versorgung in diesen Tagen nicht nachlassen: Weder bei der Fütterung noch bei
der Gabe von Ergänzungsfuttermitteln.
Die Zuchttauben hingegen dürften auf nahezu allen Schlägen weitgehend ihre
Mauser abgeschlossen haben. Bei einem Teil der Züchterschaft beginnt jetzt
bereits wieder die Vorbereitung auf die Saison 2010. Nicht wenige Sportfreunde
planen Ende des Monats November bzw. Anfang Dezember, eine Winterzucht
durchzuführen. Somit ist es an der Zeit, die Wirkstoffversorgung der Zuchtpaare
anzupassen.
Erhöhte Gaben an fettlöslichen Kombinationen aus Vitamin A, D3 und Vitamin E,
auch gern als Zuchtvitamine bezeichnet, sind dringend erforderlich, da in der
Winterperiode mit weniger Sonnenstunden gerade die Bildung des Vitamins D 3
eingeschränkt ist. Dieses Vitamin ist jedoch unentbehrlich für die Mobilisation
und Absorption von Calcium aus dem Darm, welches wiederum den Großteil der
Eischale ausmacht.
Vitamin E wirkt sich positiv auf die Spermienproduktion aus und Vitamin A als
Schleimhautschutzvitamin sowie Bestandteil des Eigelbes ist wichtig für die
Eibildung. Durch Mineraliendrinks (z. B. "C-Phos") sorgt man für einen
ausgeglichenen Mineralhaushalt, der gerade für die Täubinnen von großer
Wichtigkeit ist. Besonders bei älteren Zuchttauben sollte man im Vorfeld der
Anpaarung die Versorgung mit tierischem Eiweiß forcieren. Dies hat unmittelbaren
Einfluss auf die Befruchtungsrate älterer Vögel. Dazu verwenden wir das bekannte
Jungtaubenpulver oder unser Basisprodukt "Compakt eins". All diese Empfehlungen
haben wir in unserem Zuchtvorbereitungsplan zusammengefasst.
Genauso wichtig für den reibungslosen Zuchtablauf ist die einwandfreie
Gesundheit der Paare. Am Beginn steht die Impfung gegen Paramyxovirose.
Teilweise dramatische Ausbrüche von Paramyxovirose mit großen Taubenverlusten
kennzeichneten den vergangenen Sommer. Daher gilt mehr denn je, ausnahmslos a
l l e Tauben eines Bestandes impfen zu lassen - selbstverständlich auch die
Zuchttiere. Dies sollte so schnell wie möglich geschehen, da die Impfung einige
Wochen vor der Anpaarung erfolgen muss.
Leider wird weiterhin kein Kombi-Impfstoff, sondern nur der Impfstoff gegen
Paramyxovirose zur Verfügung stehen. Ende des Jahres 2009 wurde als möglicher
neuer Liefertermin in Aussicht gestellt. Das ist für die Zuchttauben ohnehin zu
spät, denn ein Großteil der Züchter strebt danach, auch die Impfung der
Reisetiere am Ende des "alten Jahres" erledigt zu haben.
Pocken-Ausbrüche hielten sich in diesem Herbst (überraschend) in Grenzen.
Aufgrund des geringen Schutzes der Population war eigentlich mit einer höheren
Zahl an Ausbrüchen gerechnet worden. Dringend empfehlen wir gerade auch bei den
Zuchttauben die Impfung gegen Salmonellen. Dies erfordert zuvor eine eingehende
Untersuchung der Tauben und bei erstmaliger Impfung in der Regel eine
medikamentöse Vorbereitung, damit unterschwellig vorhandene Salmonellen nicht
zum Problem werden.
Soll nach diagnostizierter Salmonelleninfektion oder bei diesbezüglichem
Verdacht geimpft werden, ist eine antibiotische Vorbehandlung dringend
erforderlich. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, vor allem keine Trichomonaden
im Bestand zu haben, um den Erfolg der antibiotischen Behandlung nicht zu
gefährden. Da dies selbst durch eine Untersuchung mehrerer Tiere nicht zu
gewährleisten ist, empfehlen wir eine vorherige bzw. parallele Behandlung gegen
Trichomonaden, vorzugsweise mit Ridzol. Denken Sie in der Winterperiode stets
daran, die ausreichende Wirkstoffaufnahme der Tauben durch entsprechende
Dosierungsanpassung sicherzustellen.
Im Hinblick auf Salmonellen gibt es mehr Bestände als angenommen, die mehr
oder weniger starke Probleme damit haben. Unzureichende Ergebnisse in der Zucht,
schlechte Reiseergebnisse und der Ausbruch der Jungtaubenkrankheit können
allesamt von einer unterschwellig vorhandenen Salmonelleninfektion mitbestimmt
werden. Für viele Schläge ist es daher ratsam, eine solche Impfung nach
vorheriger Untersuchung und ggfs. notwendigen Behandlungen durchzuführen. Die
Auswirkungen auf die Bestandsgesundheit sind meistens sehr gut.
Nicht selten wird bei den eingehenden Untersuchungen und den Befragungen des
Züchters noch eine Chlamydieninfektion festgestellt oder zumindest der Verdacht
erkennbar. In so einem Fall kann man die antibiotische Behandlung anpassen, zwei
der wichtigsten infektiösen Erkrankungen der Taube aus den Beständen verbannen
und somit das Tor zu einer neuen Art der Bestandsgesundheit öffnen.
Immer wieder gibt es gleichwohl Stimmen, die vehement eine Impfung gegen
Salmonellen ablehnen, weil die Erfahrungen dieser Züchter weniger positiv waren.
In diesen Fällen sind meistens Fehler im Ablauf gemacht worden.
Halten Sie sich strikt an die Vorgaben Ihres Tierarztes und Sie werden mit hoher
Wahrscheinlichkeit keine Probleme bekommen. Entscheidend für die Wirksamkeit der
Impfung und den anschließenden Zuchterfolg ist die Einhaltung der Fristen. Nach
der Antibiose muss eine Pause von einer Woche und nach der Impfung von
mindestens vier Wochen bis zum Anpaaren eingehalten werden.
Bei der Vorbereitung der Zucht sprach ich das neu konzipierte "Compakt eins"
an. Die ohnehin gute Zusammensetzung wird durch den Zusatz von Nukleotiden, die
wichtigsten Bausteine der Erbmasse in den Zellen ergänzt. In Zeiten erhöhter
Beanspruchung wie Zucht, Reise oder Mauser steigt der Bedarf an neuen Zellen im
Körper extrem an. Die körpereigene Produktion von Nukleotiden ist jedoch
beschränkt und benötigt viel Energie. Die Zufuhr von Nukleotiden über die
Nahrung wirkt sich daher positiv aus.
Auch im Rahmen von Infektionen und Krankheit hat die Zufuhr von Nukleotiden
eine große Bedeutung. Die Nukleotide erhöhen nach einigen Monaten signifikant
die Zahl der roten Blutkörperchen, fördern das Immunsystem und regenerieren die
Leber. Daher empfehlen wir den Einsatz dieses Basisproduktes in allen
Belastungsphasen des Brieftaubenjahres.
René Becker, prakt. Tierarzt
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