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Kontrollen bereits früh im Taubenjahr
Tierarzt René Becker über die medizinische Vorsorge
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Tierarzt René Becker |
Mit Beginn des neuen Jahres machen sich die Züchter wieder verstärkt darüber
Gedanken, was künftig auf ihren Schlägen geändert werden sollte, damit sich
offensichtliche Misserfolge der Vorsaison nicht wiederholen. Dieser Prozess
beginnt eigentlich schon kurz nach dem Internationalen TaubenMarkt in Kassel,
der auf viele Sportfreunde und Besucher wie ein Wecksignal wirkt. Vermehrt
werden dann Fragen an uns herangetragen, wie man vorgehen müsse, um die
Gesundheit des Bestandes sicherzustellen - sowohl während der Winterperiode als
auch zum späteren Zeitpunkt in den Sommermonaten.
Am häufigsten erkundigen sich die Züchter danach, wieviel Wochen vor der
Reise die Tauben vorgestellt werden sollten, um etwaige gesundheitliche Defizite
noch rechtzeitig zu beheben. Unsere Antwort ist stets dieselbe: Man sollte für
die erste Bestandsaufnahme, so weit es möglich ist, überhaupt keine Zeit mehr
verstreichen lassen.
Speziell wenn die letzte Alttauben- aber auch Jungtiersaison gesundheitliche
Probleme mit sich gebracht hatte, ist es während der Winterperiode unerlässlich,
den Gesundheitsstatus überprüfen zu lassen, um schon evtl. zu diesem Zeitpunkt
versteckte Infektionen aufzudecken und zeitnah zu therapieren.
Bei den Kontrollen kurz vor dem Beginn der Vorflüge fehlt häufig die Zeit, um
ausgiebige Therapien durchzuführen. Zudem ist dieser Zeitpunkt durch das
Aufziehen von Jungen zunehmend äußerst ungünstig. Auch evtl. durchzuführende
Desinfektionen sind aufgrund der Nebenwirkungen und Belastungen, kurz vor
Reisebeginn nicht mehr zu empfehlen.
Selbst wenn keine akuten Probleme oder länger vermutete Bestandsprobleme
vorliegen, raten wir dazu, die erste Untersuchung stets zu Beginn eines neuen
Jahres durchzuführen. Nicht selten wird der Züchter, der alles in bester Ordnung
vermutet, von bestimmten Diagnosen überrascht und letztendlich froh sein, zu
einem relativ frühen Zeitpunkt einen ersten Gesundheitscheck durchgeführt zu
haben. Ist der Bestand gesund, kann man sich auf die jahreszeitlich angepasste
Versorgung der Tiere konzentrieren und ab Mitte März die abschließende
Untersuchung für die Reise ins Auge fassen.
Weiterhin werden wir oft gefragt welches System zur Führung der Tauben vor
der Reise in unseren Augen das Beste sei. Auf vielen Schlägen hat sich eine
frühe Anpaarung der Reisetauben Mitte Januar mit der anschließenden Aufzucht
eines Jungen bewährt. Hat man nach unseren Vorgaben, die Gesundheit der Tiere
Anfang Januar kontrollieren lassen, steht einer Anpaarung bei entsprechender
Vorbereitung der Tiere nichts mehr im Wege.
Sobald die Jungen im Nest 14 Tage alt sind, nimmt man die Weibchen weg, damit
es nicht zum erneuten Legen kommt, was unweigerlich eine verfrühte Mauser zur
Folge hätte. Handelt man entsprechend, muss niemand ein zu schnelles Werfen der
Federn, während der Saison zu fürchten. Sind die Jungtauben dann um Mitte März
abgesetzt, hat der Züchter alle Möglichkeiten einer seriösen Saisonvorbereitung.
Die Vorteile gegenüber eines späteren Anpaarungstermines in Verbindung mit dem
Züchten von Jungen liegen auf der Hand. Man kann die Tauben erneut beim Tierarzt
vorstellen und hat genügend Zeit für etwaige erforderliche Behandlungen.
Zudem kann eine intensive Reinigung der Schläge durchgeführt und ohne
Einschränkungen mit dem geregelten Training der künftigen Witwer sowohl am Haus,
als auch auf Trainingsflügen begonnen werden. Wir empfehlen, die Reisetauben
nicht erneut anzupaaren, um Rückschläge mit Blick auf die aufgebaute Kondition
zu vermeiden. Wir lassen die Tauben aber gelegentlich - speziell nach
Trainingsflügen - längere Zeit zusammen, wobei eine gemeinsame Nacht sicherlich
nicht schadet. Möchte man nach der o. g. Methode verfahren, ist es allerdings an
der Zeit, sich dafür zu entscheiden.
Die Vorbereitung der Reisetauben sollte sich auf eine Forcierung der Gabe der
notwendigen Wirkstoffe beschränken. Dies bedeutet eine vermehrte Gabe von
fettlöslichen Vitaminen, Aminosäuren sowie ein ausgewogene
Mineralstoffversorgung. Eine Belichtung der Tauben ist nicht angebracht, da der
Mauservorgang in Gang gesetzt werden könnte und ab Mitte der Saison Probleme mit
dem zu schnellen Werfen der Schwungfedern auftreten können.
Für die Versorgung der Reisetauben in der Winterperiode haben wir einen
wichtigen Behandlungspunkt zu unseren Empfehlungen hinzugefügt. Schon seit
längerem empfehlen wir nach medikamentösen Kuren neben der Gabe von Jod und
Vitaminen die Gabe von Milchsäurebakterien, um eine Fehlbesiedlung mit
Schadkeimen zu vermeiden, bzw. auch wenn keine Kuren durchgeführt wurden,
Schadkeime von den Schleimhäuten zu verdrängen. Als ideal haben sich dabei
Präparate erwiesen, die echte Lactobazillen enthalten. Wir verwenden derzeit das
Produkt „Symbiopet“ oder das bekannte PT 12. Bei diesen Produkten ist nach
unserer Erfahrung eine deutlich positive Veränderung bei den Tauben
festzustellen.
Man verabreicht diese Präparate zunächst über ca. 14 Tage und regelmäßig
mehrmals wöchentlich. Man muss wissen, dass jede Medikamentengabe, das
aufgebaute Milieu im Darm zunächst wieder zerstört. Wir sehen den Hauptnutzen in
der Möglichkeit im Winter Schadkeime von den Schleimhäuten zu verdrängen und ein
allgemein positiveres Milieu herzustellen und vielleicht zukünftige
medikamentöse Gaben zu erleichtern. Falls der Zustand der Tauben infolge der
Gabe solcher Präparate so stabil ist, dass man weniger Medikamente einsetzen
muss, hat man eine Menge gewonnen.
Der Januar ist erfahrungsgemäß der Monat, in dem der Großteil der Züchter
seine Tiere verpaart. Damit treten wieder die jährlichen Befruchtungsprobleme
auf: Täubinnen, die Schwierigkeiten mit dem Legen haben, sowie speziell Vögel,
die häufig bedingt durch die Temperaturen das erste Gelege nicht befruchten.
Die Ursachen für Fruchtbarkeitsprobleme sind vielfältig. Täubinnen sind
häufig zu dick, so dass starke Fettansammlungen in der Bauchhöhle die
Legetätigkeit negativ beeinflussen. Eierstockzysten, Tumore und/oder ein
altersbedingtes Nachlassen der Hormontätigkeit sind weitere häufige Ursachen.
Bei Vögeln ist es neben dem Alter häufig eine Infektion der Hoden, die schon bei
jüngeren Tieren zum Aussetzen der Befruchtung führen kann. Die Temperatur sowie
die jahreszeitlich bedingtes Lichtstunden haben ebenfalls einen erheblichen
Einfluss auf die Spermatogenese.
Dies ist der Grund, warum es besser steht um die Befruchtung bei älteren
Vögeln, je weiter das Jahr vorangeschritten ist. Die Untersuchung beim Tierarzt
schafft Klarheit über die vermutlichen Ursachen. Die Spermaabnahme beim Vogel
gibt Aufschluss über die Samenmenge und -qualität. Sind die Befruchtungsprobleme
im Alter der Tiere begründet, hat man die Möglichkeit, über Hormongaben die
Spermienbildung bzw. Bildung von Eifollikeln wieder anzukurbeln.
René Becker, prakt. Tierarzt
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