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Milchsäurebakterien fördern ein gesundes Darmmilieu
Tierarzt René Becker über die medizinische Vorsorge
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Tierarzt René Becker |
Im Monat August beginnen in nahezu allen Reisevereinigungen die Preisflüge
für Jungtauben. Leider war die Vorbereitungsphase für die Jungtiere nicht ganz
unproblematisch, da die große Hitze im Juli ein Trainieren des Nachwuchses
praktisch unmöglich machte. Diejenigen Züchter, die aller Warnungen zum Trotz,
Trainingsflüge durchgeführt haben, wurden häufig böse überrascht. Große
Verluste, wie wir sie aus den Vorjahren schon kennen, waren nicht selten die
Folge gewesen. Der gewissenhafte Züchter hat seine Tiere in jedem Fall schon vor
dem Training kontrollieren lassen und notwendige Behandlungen durchgeführt.
Gefahren im Kabinenexpress
Die Erfahrungen der Vorjahre haben uns aber gelehrt, dass es leider damit nicht
immer getan ist. Im Kabinenexpress lauern weitere Gefahren durch Neuinfektionen;
aber auch der alleinige Stress durch Hitze und Transport kann dazu führen, dass
die vorhandenen Erreger in einem Bestand wieder Oberhand gewinnen, so dass es zu
erneuten Ausbrüchen kommt. Somit bleibt eine gewisse Vorsorge während der Reise
nahezu unerlässlich.
Wir versuchen, nicht in jedem Fall erneut Medikamente einzusetzen, sondern
versuchen mit natürlichen, abwehrsteigernden und -festigenden Präparaten das
Milieu - speziell im Darm - aufrecht zu erhalten. Setzen wir Medikamente ein,
verwenden wir die Kombinationen, die wir zuvor im Rahmen der Untersuchungen als
wirksam gegen die im Bestand vorhandenen Erreger ermittelt haben. Dazu gehört
neben einem entsprechenden Antibiotikum stets auch "Ridzol", um Hexamiten, die
in den meisten Fällen eine Rolle spielen, Einhalt zu gebieten. Zur besseren
Verträglichkeit, setzen wir "Alvimun-t" hinzu, welches neben der
Abwehrsteigerung zu einer Minderung der Arzneimittelnebenwirkungen führt. Über
das Futter setzen wir parallel Jungtierpulver auf Colostrum-Basis sowie "adenosan"
ein, um das Milieu im Darm stabil zu halten. Wir versuchen, eine
Wiederholungsbehandlung so lang wie eben möglich durchzuführen. Meist lässt der
Reisebetrieb eine längere als drei Tage dauernde Behandlung nicht zu.
Entscheidung liegt beim Züchter
Bleibt die Frage, wann muss man Medikamente einsetzen und wann kann man sich auf
die anderen beschriebenen, stabilisierenden Maßnahmen beschränken? Gibt es nach
einer überstandenen Erkrankung erneut erste Symptome, kommt man um einen
Medikamenteneinsatz ohnehin nicht herum. Sind die Belastungen durch Hitze etc.
sehr groß und die Flugverläufe nicht ganz einfach, empfiehlt sich eine
Wiederholung. Es bleibt gleichwohl eine Entscheidung, die dem Züchter obliegt,
der seine Tiere genau beobachten muss. Der Wille der Züchter, auf einen
übermäßigen und vor allem kurzzeitigen Medikamenteneinsatz zu verzichten, ist
stets lobenswert, aber die sichere Heimkehr der Tiere doch vorrangiges Ziel.
Daher ist es häufig eben nicht zu vermeiden, Behandlungen zu wiederholen. In
jedem Fall sollten die o. g. stabilisierenden Maßnahmen durchgeführt werden.
Ergänzt werden können diese durch den Einsatz von Milchsäurebakterien (PT12),
die enorm zu Stabilisierung des Darmmilieus beitragen. Häufig reichen diese
Maßnahmen, um die Fitness der Tiere über die gesamte Jungtaubensaison
sicherzustellen. Man muss aber stets auf der Hut sein und für den Ernstfall
gewappnet sein, um zeitnah reagieren zu können. Das angesprochene PT 12 kann man
problemlos über mehrere Tage in der Woche verabreichen. Die Wirkung ist nur
positiv und hilft in vielen Fällen, den Medikamenteneinsatz umgehen zu können.
Sollten sich die Witterungsbedingungen im weiteren Verlauf der Saison
gleichbleibend schwierig gestalten, d.h. das weiterhin große Hitze herrscht,
muss man auch die Versorgung der Jungtauben anpassen.
Dazu gehört im Wesentlichen eine gute Energie- und Elektrolyt-Versorgung vor
und nach dem Flug. Dazu ist das bewährte "Almalyt" bestens geeignet. Zur
Unterstützung der Blutbildung setzen wir auch bei den Jungtieren regelmäßig "Haemofit"
ein, denn gerade die Jungtiere, die häufig an latenten Infektionen leiden,
weisen nicht selten leicht anämische (sprich: blutarme) Zustände auf.
Zunahme von Taubenpocken
Wie schon in der letzten Ausgabe angedeutet, hat sich die Zahl der Pockenfälle
deutlich erhöht. Dies war auch in diesem Umfang zu erwarten. Leider hat sich die
Hoffnung, dass zumindest für Notfälle ein Impfstoff zur Verfügung steht,
inzwischen wieder zerschlagen. Die Auflagen der deutschen Behörden ließen eine
Einführung des in Belgien per Sonderzulassung erhältlichen Colombovac PMV/POX
leider nicht zu. Somit steht weiterhin kein wirksamer Schutz zur Verfügung. Der
Einsatz von Jod ist weiterhin das einzige probate Mittel, eine Ansteckung zu
verhindern. Es wurde aber in Aussicht gestellt, dass zur nächsten Alttiersaison
2011 ein Impfstoff in begrenztem Maße zur Verfügung stehen soll, um zumindest
Problembestände und -regionen zu schützen und damit eine weitere Verbreitung des
Virus zu unterbinden.
René Becker, prakt. Tierarzt
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