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Augenmerk gilt der Hauptmauser
Tierarzt René Becker über die medizinische
Vorsorge
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Tierarzt René Becker |
Die Zeit der Hauptmauser ist eine der wichtigsten Phasen im gesamten
Brieftaubenjahr. Jetzt wird die Basis für eine erfolgreiche Teilnahme am
Reisegeschehen des Jahres 2005 gelegt, wobei die Mauser mehr als alles
andere ein Spiegelbild der gesundheitlichen Verfassung ist. Schonungslos
wird offen gelegt, ob gesundheitliche Mängel latent vorhanden sind. Das
bloße Durchmausern darf dabei nicht als alleinige Bestätigung einer
guten Verfassung angesehen werden.
Die Qualität des neuen Gefieders, sowohl bei der Einzeltaube als auch
in der Breite des Bestandes (z. B. mit Blick auf die Anzahl der
gemauserten Federn in der zweiten Ordnung), ist der entscheidende
Wertmesser einer erfolgreichen Mauser. Gibt es hingegen schwerwiegende
Störungen (stehengelassene Federn, “Macken” oder eine unzureichender
Ausbildung der letzten Schwingen), muss von gesundheitlichen
Beeinträchtigungen ausgegangen werden.
Aus diesem Grunde ist jedem Züchter zu raten, sofern nicht gegen Ende
der Saison eine Kontrolle erfolgt ist, den Gesundheitsstatus der
Reisetiere durch eine Untersuchung prüfen zu lassen. Gerade nach einer
wenig erfolgreich verlaufenden Saison oder bei aufgetretenen
Erkrankungen, wie sie in diesem Jahr gehäuft bei den Alttauben
auftraten, ist dies besonders wichtig. Auch Jungtierbestände, die in
starkem Maße mit der Jungtaubenkrankheit zu kämpfen hatten, sollten nach
überstandener Saison noch einmal kontrolliert werden.
Nicht selten gibt es Erkrankungen, nachdem die Reise beendet ist.
Folglich gibt es genügend Bestände, die weiterhin unterschwellig mit
Hexamiten- und Coli-Keim-Befällen zu kämpfen haben, selbst wenn dies für
den Züchter nicht erkennbar ist. Die Folgen einer latent verlaufenden
Infektion spiegeln sich dann in der mangelnden Qualität der Federn
wieder.
Immer wieder werden wir mit der Frage konfrontiert, ob Jungtiere, die
die Jungtaubenkrankheit durchlebten, in den Folgejahren erfolgreich am
Reisegeschehen teilnehmen können. Unsere Erfahrung ist, dass sich Tiere
mit einem Krankheitsbild, das sich auf Erbrechen, dünnem Kot, bei nicht
allzu stark beeinträchtigtem Allgemeinbefinden beschränkt und nach einer
Therapie wieder völlig genesen sowie an der Herbstreise teilnehmen, in
der Regel später keine Probleme haben.
Kommt jedoch ein stark eingeschränktes Allgemeinbefinden mit lang
andauernder Appetitlosigkeit und Abmagern hinzu, sind die Anforderungen
für diese Tiere meistens zu hoch. Miteinscheidend ist, ob die
Jungtierflüge vollständig mit bestritten werden können. Erst danach
lässt sich im Folgejahr objektiv beurteilen, ob ein Teil der
Jungtiermannschaft nachhaltig unter der Erkrankung gelitten hat.
Auch die Parasitenbekämpfung muss jetzt eingeleitet werden, um nicht
im kommenden Jahr mit gleich gelagerten Schwierigkeiten zu kämpfen. Gab
es Probleme mit sog. “kahlen Hälsen”, d. h. ein Abbrechen und Ausfallen
der Federn im vorderen Halsbereich, muss vor einer Neubildung der Federn
eine Bekämpfung der verantwortlichen Parasiten erfolgen. Zu diesem Zweck
gibt es ein Tropfpräparat, das man auf die Nackenhaut auftragen kann und
verschiedene Federlinge einer Taube wirkungsvoll bekämpft.
Für Fälle mit einer Vielzahl erkrankter Tiere gibt es ein spezielles
Sprühpräparat, das nur auf den Stoffwechsel dieser Parasiten wirkt. Alle
parasitären Ursachen für Gefiederschäden können wirkungsvoll bekämpft
werden. Falls trotz Anwendung dieser Präparate der Erfolg ausbleibt,
liegt dies meist am hohen Infektionsgrad der Tiere und den damit
verbundenen Anwendungsfehlern.
Neben dem gesundheitlichen Aspekt spielt die Versorgung in der Mauser
eine entscheidende Rolle. Gerade die nicht sichtbaren
Qualitätsunterschiede der Federn werden durch eine gezielte
Mauserversorgung bewirkt. Augenscheinlich sehen die meisten
durchgemauserten Tauben gleich aus. Doch gerade in den Details
(Melamingehalt und die Stärke der Feder-Gerüststruktur) liegen
erkennbare Unterschiede, die Geschmeidigkeit, Langlebigkeit und damit
eine erfolgreiche Teilnahme an den Preisflügen beeinflussen.
Die auf dem Markt angebotenen Mauserfutter erfüllen in der Regel alle
Anforderungen, die an ein ausgewogenes Futter zu stellen sind,
wenngleich es auch dort sicherlich Unterschiede gibt. Experimentieren
Sie nicht mit Weizen und Sämereien-Mischungen, wenn Sie nicht den
entsprechenden Anteil kennen.
Hinzu muss ein entsprechendes Mauserprogramm kommen, das die
wesentlichen Erfordernisse für eine erfolgreiche Federneubildung
enthält. Dies setzt sich aus einem Basisprodukt für die Versorgung mit
den notwendigen Wirkstoffen (Aminosäuren, Spurenelemente, Vitamine),
einem Stoffwechsel entlastenden, jodhaltigem Produkt sowie einem
Lecithin-Präparat zusammen.
Das Jod in “Formula-Top” sorgt für ein zügiges Fortschreiten der
Mauser; deshalb sollte gerade bei verdunkelten Jungtauben nicht auf ein
Jod-Präparat verzichtet werden. Lecithin, eines der wichtigsten
Bausteine der Zellwände und somit bei jedem Neubildungsprozess des
Körpers unverzichtbar, sorgt zudem für ein seidenweiches und
geschmeidiges Gefieder. Zur Gesunderhaltung des Darmes empfiehlt sich
die Gabe eines oreganumhaltigen Präparates über das Futter und zur
Stabilisierung der körpereigenen Abwehr der regelmäßige Einsatz von “Alvimun-T”.
Entsprechend versorgte Tauben werden nach Abschluss der Mauser ein
hervorragendes Gefieder vorweisen.
Vergessen Sie nicht, falls Sie Herbstjunge gezüchtet oder sich einige
Tiere zugelegt haben, diese gegen Paramyxovirose impfen zu lassen.
Erkrankte Sommer- oder Herbstjunge sind die typisch betroffene Gruppe,
falls Ausbrüche von Paramyxovirose zu verzeichnen sind.
Seit einigen Wochen ist Ronidazol wieder als 10 %-iges Präparat unter
der Bezeichnung “Ridzol 10 %” bei der Firma Röhnfried erhältlich. Es
stehen 100 g und 250 g Dosen zur Verfügung; die ersten Erfahrungen mit
diesem Präparat sind sehr gut. Es gibt nun keinen Grund mehr, auf
Produkte unbekannter Herkunft zurückzugreifen, mit der ohnehin schon
vorher sinnlosen Argumentation, dass diese 10% seien. Zumal deren
Qualität – abgesehen von der Illegalität – ohnehin häufig alles andere
als gut war. Verlassen Sie sich künftig lieber auf ein zugelassenes,
getestetes und wirkungsvolles Präparat zur Bekämpfung von Trichomonaden
und Hexamiten.
René Becker
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