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Alt 17.10.2001, 16:21
Berger OVATOR
Gast
 
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Standard Gewußt Wie! Die leistungsgerechte Fütterung der Reisetauben.

Dies ist ein früherer Artikel, den ich an dieser Stelle noch einmal im Forum präsentieren will. Viel Spass beim lesen.

Erfolgreicher Taubensport ist von vielen Faktoren abhängig. Deswegen sind wir stets bestrebt, möglichst viele Einflußfaktoren positiv zu gestalten.
Wenn Einflußfaktoren wie z.B. die Schlaganlage, die Gesundheit und die Führung im positiven Sinne gegeben sind, gewinnt die optimierte Versorgung und Fütterung an Bedeutung. Eine optimierte Fütterung stellt somit eine Voraussetzung für hervorragende Reiseleistungen dar.

Was kann und muß beachtet werden, um über die Fütterung, d.h. über die Nähr- und Wirkstoffversorgung, die Leistungsentfaltung positiv zu beeinflussen ?

Als Naturwissenschaftler und Stoffwechselphysiologe lernt man, die Taube aus einer anderen Sichtweise zu betrachten. Man muß lernen die zahlreichen Empfehlungen und althergebrachten Versorgungsweisen neu zu überdenken, sich von diesen zu lösen und nicht als gesetzmäßig zu betrachten. Erst dann ist man offen für neue Erkenntnisse und den davon abgeleiteten Ernährungskonzepten. Beachten Sie, dass die in der Folge erläuterten Erkenntnisse durch wissenschaftliche Untersuchungen an Tauben erarbeitet wurden und nicht vom Leistungssportler Mensch oder Pferd abgeleitet sind. Beachte: Der Stoffwechsel der Taube ist in vielen Punkten anders zu Bewerten wie der eines Säugetiers (Vergleich Mensch = Säugetier / Taube = Vogel).

Zunächst sollen die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse vorgestellt werden.

Durch aufwendige Gasstoffwechselmessungen (Respiratorischer Quotient aus O2 Verbrauch und CO2 Produktion) an Tauben die trainiert waren im Windkanal zu fliegen, konnte Prof. Werner Nachtigall, Universität Saarbrücken, feststellen, dass die Reisetauben in der ersten Phase des Fluges hauptsächlich Kohlenhydrate verbrennen (RQ  1). Bereits innerhalb der ersten Stunde stellt die Reisetaube dann um auf eine überwiegende Fettverbrennung (RQ = 0,7). Wir müssen demnach davon ausgehen, dass die Tauben in erster Linie Fette als wichtigste Energiequelle nutzen. Dies ist aus verschiedenen Gründen auch sinnvoll. So ist z.B. der Energiegehalt (Brennwert) der Fette gegenüber der gleichen Menge Kohlenhydrate doppelt so hoch. Betrachten wir zudem die natürliche Speicherform dieser Energieträger im Tier, die Kohlenhydrate werden in Form von Glykogen in Leber und Muskulatur gespeichert, so ist der Energiegehalt der gleichen Gewichtsmenge Fett gegenüber Glykogen sogar vier bis fünfmal so hoch. Bei gleicher zu speichernder Energiemenge ergibt sich daraus für Fett (Öl) als Energiequelle ein wesentlicher Gewichtsvorteil gegenüber den Kohlenhydraten. Zusätzlich entsteht bei der Verbrennung von Fettsäuren im Energiestoffwechsel Wasser was ein bedeutender zusätzlicher Vorteil sein kann, da die Tauben auf der Reise, vor allem bei hohen Temperaturen durch das aktive "Kühlen" über die Verdunstungswärme durch die Atmung (Kehlflattern bei hohen Temperaturen), einem hohen Wasserverlust ausgesetzt sind.

Anhand der Ergebnisse von Prof. Nachtigall läßt sich berechnen wie hoch der Energiebedarf der Reisetaube ist. So leitet sich daraus bei einer durchschnittlichen Fluggeschwindigkeit der Tauben von 1170 Metern pro Minute ein Energieverbrauch ab von etwa 0,26 Mega Joule umsetzbarer Energie (MJ ME). Entsprechend bei einer Flugzeit von z.B. 10 Stunden 2,6 MJ ME. Diese Energiemenge läßt sich durch eine Futtermenge greifbarer darstellen. Verwenden wir für die Umrechnung des Energiebedarf in eine Futtermenge (Siehe Tabelle) die energiereichste Futtermischung wie z.B. die spezielle Reisemischung OVATOR 14 M, wird deutlich, dass die Energiemenge für z.B. 11 Stunden Flug in rund 200 Gramm dieser sehr energiereichen Mischung enthalten ist.
Bei diesen Zahlen muß beachtet werden, dass ausschließlich der Energiebedarf während des Fluges betrachtet wurde. Die Taube benötigt zusätzlich noch eine beträchtliche Menge an Energie bzw. Futter zur Deckung des täglichen Energieverbrauchs für Erhaltung und Bewegung wie z.B. dem täglichen Freiflug. Dieser Zusammenhang ist sehr wichtig bei der Bewertung der häufig zu beobachtenden Fütterungspraxis. Es ist nahezu unmöglich ausreichend Energiereserven aufzubauen wenn erst die letzten zwei Tage bzw. 4 -5 Mahlzeiten den Tauben energiereiche d.h. fett- und ölreiche Futtermischungen gefüttert werden. Versuchen Sie den Tauben einmal für einen ca. neunstündigen Wettflug die letzten zwei Tage vorm Einsatztag 40 Gramm pro Mahlzeit (= 80 g / Tag) zu füttern!
Flugzeit Energiebedarf Reisemischung 14 M
14,4 MJ ME/kg
[Stunden] [MJ ME] benötigte Futtermenge [ Gramm ]
3 0,78 54
5 1,30 90
9 2,34 162
11 2,86 199
Tabelle 1: Energiebedarf (0,26 MJ ME / h bei 1170 m/min Fluggeschwindigkeit) im
Bezug zur Flugzeit und Futtermenge in Abhängigkeit des Energiebedarf.

Gerade die Verdaulichkeit einer Futtermischung und die Energieaufnahme wird von der Zusammensetzung bestimmt. So sind Futtermischungen mit einem hohen Gehalt an Hülsenfrüchten, aufgrund von negativen Begleitfaktoren wie den Trypsininhibitoren (hemmen im Verdauungstrackt das eiweißspaltende Enzym Trypsin) schwerer verdaulich. Eiweiße stellen zudem eine sehr schlechte Energiequelle dar. Durch den gebundenen Stickstoff, der charakteristisch für die Eiweiße ist, können die Eiweiße nicht vollständig verbrannt werden. Wird jedoch Eiweiß als Energiequelle genutzt, z.B. in Energiemangelsituationen oder durch sehr eiweißreiche Futtermischungen, fallen in zunehmenden Maße die schädlichen Stoffwechselschlacken Ammoniak, Harnstoff und Harnsäure an. Durch diese Stoffwechselschlacken wird die Leistungsfähigkeit negativ beeinträchtigt.

Was lernen wir aus diesem Zusammenhang für die Fütterungspraxis der Reisetauben?

Eine leistungsgerechte Futtermischung muß in der Reisezeit leicht verdaulich und besonders energiereich sein. Hierbei sollte der Fett- und Ölgehalt betont hoch sein, da diese gegenüber den Kohlenhydraten eine wesentlich bessere Energiequelle darstellen. Der Gehalt an eiweißreichen Komponenten wie Hülsenfrüchte sollte betont niedrig sein, da Eiweiße eine sehr schlechte Energiequelle darstellen.
Ferner muß eine betont energiereiche Futtermischung die gesamte Woche gefüttert werden. Bereits am Wettflugtag sollten die Tauben mit einer energiereichen und leichtverdaulichen Futtermischung versorgt werden. Denn die Energiedepots werden alsbald nach dem Wettflug wieder aufgefüllt. Die Taube versucht ihren Substanzverlust so schnell wie möglich wieder auszugleichen. Diesem Bedarf müssen wir nachkommen. Dagegen würde eine eiweißreiche Futtermischung bzw. zusätzliche Eiweißpräparate zu einer Verschlackung der Tauben nach dem Wettflug führen. Eine rohfaserreiche Futtermischung hat eine geringere Verdaulichkeit und zumeist einen niedrigen Energiegehalt wodurch der Anforderung der Taube nach dem Wettflug nicht entsprochen wird.

Es ist mir bewußt, dass das von mir entwickelte Fütterungskonzept, mit den leicht verdaulichen und sehr energiereichen Futtermischungen OVATOR 14M & OVATOR Elite Diät, die über die gesamte Woche bzw. Reisezeit gefüttert werden, von vielen Züchtern am Anfang mit großer Skepsis betrachtet wird. Besonders, da die Mischungen nicht für das Auge des Züchters besonders "bunt" zusammengesetzt sind, sondern, unter Berücksichtigung der Nährstoffgehalte der unterschiedlichen Taubenfutterkomponenten, für die besonderen Anforderungen der Reisetaube optimiert sind. Auch spiegelt dieses Fütterungskonzept in keiner weise die klassische und weit verbreitete Dreiphasenfütterung wieder. Doch alle wissenschaftlichen Kenntnisse und die bereits sehr eindrucksvoll gemachten praktischen Erfahrungen vieler Spitzenzüchter spricht für dieses Fütterungskonzept. Am meisten freut mich jedoch, dass bislang weniger erfolgreichen Züchter mit den neuen Futtermischungen 14M und Aktiv Korn mit den gleichen Tauben jetzt sehr erfolgreich sind.

Ich bin der Meinung, dass sehr oft bereits gute Tauben vorhanden sind, diese jedoch nicht ihr volles Leistungspotential entfalten können! Das Leistungspotential bzw. Die Leistungsfähigkeit der Tauben ist sicher genetisch festgelegt, was wiederum unsere Chance darstellt, dieses Potential möglichst voll auszuschöpfen und die größtmögliche Leistungsentfaltung herbeizuführen.

Für weitere Informationen stehe ich gerne zur Verfügung

GUT FLUG 2002
Diplom Biologe Alfred Berger
Email: Berger@muskator.de
Versorgungsplan „Gewußt wie Nr. 18“ anfordern unter 0211 – 90 15 284

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